Rosi Mittermaier präsentiert bei einer Pressekonferenz ihre Medaillen, aufgenommen am 15.02.1976 während der Olympischen Winterspiele in Innsbruck
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50 Jahre Gold-Rosi: Als Mittermaier zum Superstar wurde

50 Jahre Gold-Rosi: Als Mittermaier zum Superstar wurde

Am 8. Februar 1976 steigt Rosi Mittermaier durch ihre Goldmedaille in der Abfahrt der Olympischen Spiele von Innsbruck zur Heldin einer ganzen Nation auf. Es ist die Geburtsstunde der "Gold-Rosi", eines Stars, der immer am Boden bleibt.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport am .

Christian Neureuther war baff. Am 8. Februar 1976 saß er gemeinsam mit den anderen deutschen Skirennläufern in einer Wirtschaft im österreichischen Scharnitz vor einem Fernseher, um in einer Trainingspause den Abfahrtslauf der Frauen bei den Olympischen Spielen in Innsbruck zu verfolgen. Als seine Freundin mit der Startnummer 9 auf die Strecke ging, erkannte er sie nicht wieder.

Neureuther über Mittermaiers Goldlauf: "Das war untypisch"

Rosi Mittermaier katapultierte sich auf die Strecke "Hoadl" in der Axamer Lizum. Mit sechs Doppelstockschüben nahm sie Fahrt auf. "Dieser Start war unfassbar", erinnert sich Neureuther im Gespräch mit dem Sid. "Dass sie dort mit einem solchen Willen angeschoben hat, das war untypisch. Da war mir klar: Wenn Rosi so anschiebt, hat sie den Ehrgeiz, dass sie wirklich schnell sein will."

1:46,16 Minuten später war die Welt eine andere. Die 25 Jahre alte "Ski-Oma" Rosi Mittermaier, die zweieinhalb Wochen zuvor bei der letzten Weltcup-Abfahrt vor den Spielen in Bad Gastein den letzten Platz belegt hatte, war plötzlich "Gold-Rosi".

Aus der "Ski-Oma" wird die "Gold-Rosi"

Sie, die immer sagte: "Für mich ist der Erfolg nicht so wichtig", die wusste, "Sport ist nicht alles", die immer erst an andere dachte, die nie ein Star sein oder im Vordergrund stehen wollte.

"Es war der Wahnsinn, unvorstellbar", erinnert sich Neureuther. Der Wahnsinn steigerte sich noch, als dem ersten Gold gleich ein zweites im Slalom sowie Silber im Riesenslalom folgte.

Rosi Mittermaier, bei den Olympischen Spielen 1968 und 1972 als große Hoffnungsträgerin ohne Medaille geblieben, verwandelte sich über Nacht in eine Nationalheilige. Die Verehrung für sie sprengte alles, was vorstellbar schien.

Mittermaier wird über Nacht zum Star

"Es war faszinierend", erinnert sich Neureuther, "mit welcher inneren Zuneigung die Menschen sich mit der Rosi mitgefreut haben. Da war eine ehrliche Begeisterung für einen Menschen, den man nur lieb haben kann, wenn sich der einen Traum erfüllen kann." Die Deutschen hätten gespürt, glaubt Neureuther, was "die Rosi ausmacht. Dieses Nie-abgehoben-Sein, die totale Bescheidenheit."

Noch während der Spiele hatte Mittermaier Polizeischutz erhalten, weil Morddrohungen eingegangen waren. Zwei Grazer Polizisten passten auf sie auf, fuhren sie in einem VW-Käfer herum, "das waren meine Freunde", berichtete sie später schmunzelnd. Diese Freunde schützten sie unter anderem nach dem Abfahrtssieg, als sie im Auftrag des US-Senders ABC von einem "Schlägertrupp" zum Interview entführt werden sollte.

"200 Manager wollten mich vermarkten"

Daheim auf der Winklmoosalm bei Reit im Winkl wurden die Eltern überrannt, nicht zuletzt von Fotografen, die die Alben der Familie plünderten. Es kamen dort derart viele Briefe und Pakete an, dass sie ein ganzes Zimmer füllten. Freizügige Magazine verlangten nach Nacktfotos. "200 Manager wollten mich vermarkten", berichtete Rosi Mittermaier später, "die erste Zeit nach Olympia war der Wahnsinn."

Ende Mai 1976 beendete Rosi Mittermaier ihre Karriere, es gab nichts mehr zu gewinnen. Fortan wurde sie herumgereicht, auf der ganzen Welt, getrieben von der Firma des PR-Gurus Mark McCormack, die unter anderem die Golf-Ikone Arnold Palmer, die Formel-1-Legende Jackie Stewart oder die Tennis-Größe Björn Borg betreute. "Es war eine anstrengende Zeit", sagte sie über die "Verkaufsförderungsgeschichten".

Sohn Felix tritt in die Fußstapfen - freiwillig

Der bedeutendste Einschnitt in ihrem Leben, berichtete Rosi Mittermaier, sei aber nicht Olympia gewesen, "das waren die Kinder", die Geburt von Amelie (1981) und Felix (1984). Dass Letzterer in die Fußstapfen seiner Mutter und seines Vaters trat und eine erfolgreiche Karriere im Skisport wählte, war dabei keinesfalls auf Druck seiner Eltern zurückzuführen, wie sich der ARD-Experte einmal erzählte.

Vielmehr habe es in seiner Kindheit Gelegenheiten gegeben, bei denen es zu Diskussionen mit Mittermaier kam, weil er noch auf der Piste bleiben, sie aber nach Hause gehen wollte.

Mittermaier: Sich selbst treu bis zum Schluss

Familie, für andere da sein, darüber ging ihr nichts - bis zu ihrem Tod am 4. Januar 2023. Selbst in ihren letzten Stunden, sagt Christian Neureuther, sei sich sein "Herzensmensch" treu geblieben. "Auch da war ihr wichtig, dass sie nicht im Vordergrund steht."

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