Blick über die Dächer von Paris auf den Eifelturfm
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Pro Sekunde wächst der französische Schuldenberg um 9700 Euro. Das zeigt eine Schuldenuhr der EU.
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Pro Sekunde wächst der französische Schuldenberg um 9700 Euro. Das zeigt eine Schuldenuhr der EU.

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Frankreichs Schuldenkrise: Was sie für uns bedeutet

Frankreichs Schuldenkrise: Was sie für uns bedeutet

Pro Sekunde wächst der französische Schuldenberg um 9.700 Euro. Das zeigt eine Schuldenuhr, die aus amtlichen EU-Statistiken eine aktuelle Prognose erstellt. Das hat auch Auswirkungen auf Deutschland – Sorgen sind berechtigt, Angst aber nicht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Der Euro hat seit Jahresanfang deutlich an Wert verloren. Die Sorgen um Frankreichs Staatsfinanzen sind ein Grund dafür, Investoren schichten um: weg vom Euro, hin zum Dollar.

Das könnte Verbraucher im kommenden Winter direkt treffen. Denn Erdöl und andere Rohstoffe werden international in Dollar bezahlt. Sinkt der Eurokurs, werden diese Importe teurer. "Das spüren wir in erster Linie bei den Energiekosten", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING, im ARD-Wirtschaftspodcast Plusminus. Auf die hohen Weltmarktpreise könnten durch den Wechselkurs bis zu fünf Prozent Aufschlag dazukommen.

Für deutsche Unternehmen hat die Euroschwäche zwei Seiten. Frankreich ist nach den USA der wichtigste Handelspartner für Deutschland. Wenn Frankreich kräftig sparen muss, könnten auch deutsche Autohersteller Aufträge verlieren – und damit auch direkt die bayerische Industrie: BMW war dort im vergangenen Jahr Marktführer im Premiumsegment, auch Audi verkauft immerhin drei Prozent seiner Autos nach Frankreich.

Andererseits macht der schwache Euro deutsche Produkte außerhalb der Eurozone etwas günstiger. Das könnte der wichtigen Exportwirtschaft einen kleinen Schub geben.

Auch Baufinanzierungen in Deutschland könnten teurer werden

Die Finanzmärkte der Euroländer sind eng miteinander verflochten. Frankreich bekommt im Augenblick neues Geld über Staatsanleihen, sie funktionieren wie Schuldscheine. Investoren leihen Frankreich Geld und Frankreich zahlt dafür Zinsen – hohe Zinsen derzeit –, damit die Anleihen gekauft werden.

Ein Risikoaufschlag, denn immerhin besteht sehr theoretisch die Gefahr, dass das Land pleitegeht und die Zinsen nicht mehr bezahlen kann. Befürchten Investoren, dass sich die Krise auf ganz Europa ausweiten könnte, müsste auch Deutschland seine Anleihen höher verzinsen, um frisches Geld zu bekommen. Und an diesen Zinsen orientieren sich zum Teil auch die Konditionen für Baufinanzierungen. Sie könnten sich also ebenfalls verteuern. Noch spricht aber niemand von einer zweiten, flächendeckenden Eurokrise.

"Frankreich hat noch genug Möglichkeiten"

So lautet auch die Einschätzung von ING-Chefvolkswirt Brzeskis. Zwar hatte Griechenland zu Beginn der ersten Eurokrise eine ähnlich hohe Schuldenquote. Aber Frankreich sei wirtschaftlich anders aufgestellt, habe mehr eigene Industrie und Wirtschaftskraft. Auch andere Euroländer stehen heute wirtschaftlich stabiler da, deshalb ist ein Dominoeffekt unwahrscheinlicher. Und: Europa ist insgesamt besser vorbereitet. Sollte sich die Krise doch ausweiten, kann der ständige Euro-Rettungsschirm ESM Krisenstaaten einen Kredit geben. Auch die Europäische Zentralbank verfügt über ein neues Instrument, um gefährliche Turbulenzen an den Finanzmärkten einzudämmen. Zunächst muss aber Frankreich handeln: Gegen das Land läuft ein Defizitverfahren, der nächste Haushalt für 2027 wird von der EU geprüft. Auch Carsten Brzeski sagt: "Frankreich hat noch genug Möglichkeiten", schränkt aber ein: "Wenn der politische Wille da wäre."

Geldanlagen umschichten, Immobilie jetzt kaufen?

Keine Hektik, das ist die Antwort von Verbraucherschützern auf (fast) alle Fragen rund um die Schuldenkrise. Es besteht kein Grund, sich Sorgen um das Aktiendepot zu machen. Wer sein Geld, so wie es empfohlen wird, breit angelegt hat, in verschiedenen Fonds zum Beispiel, sollte nicht hektisch umschichten. Eine Anlage in schwächeren Euros wird im Moment durch eine Anlage in stärkeren Dollars ausgeglichen. Auch bei Immobilienfinanzierungen machen Spekulationen auf vielleicht steigende oder fallende Bauzinsen keinen Sinn. Die zentrale Frage ist immer: Kann ein Haushalt die monatliche Belastung tragen? Diese Entscheidung sollte nicht von kurzfristigen Krisen und Zinsspekulationen abhängig gemacht werden.

Fazit: Die größere Gefahr ist im Moment kein plötzlicher Zusammenbruch des Eurosystems. Sondern eine längere französische Schuldenkrise, die Europas Wirtschaft schwächt – und damit auch Deutschland betrifft.

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