Die USA und der Iran haben sich auf eine Absichtserklärung zur Beendigung des Krieges verständigt. Es sieht eine Verlängerung der Waffenruhe und eine vollständige Wiedereröffnung der für die Weltwirtschaft wichtigen Straße von Hormus vor. Es gäbe eine erste Einigung, bestätigten beide Seiten, jedoch seien Details noch zu klären. Allein die Ankündigung der Einigung hat die Ölpreise deutlich sinken lassen. Wie in der Grafik zu sehen, sind die Ölpreise am Montag auf ein Drei-Monats-Tief gefallen.
Diesel und Benzinpreise aktuell fast auf Vorkriegsniveau
Die Zeichen stehen also auf Entspannung. Auch an bayerischen Zapfsäulen macht sich das bereits bemerkbar. Die BR-Data Auswertung zeigt: die Preise für Diesel, Benzin und E10 an bayerischen Tankstellen fallen seit Tagen und nähern sich langsam wieder dem Niveau vor Kriegsbeginn.
Laut ADAC kostete am Montag ein Liter Diesel im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,816 Euro, der Preis für E10 sank auf 1,868 Euro. Doch selbst wenn die Straße von Hormus schnell geöffnet wird, könnten sich weitere Effekte auf die Zapfsäulen verzögern, erklärt eine Sprecherin des ADAC, Katharina Luca. "Leider ist es oft nicht so, dass es zeitnah an den Tankstellen sichtbar wird, dass der Rohölpreis sink – wohingegen bei steigendem Rohölpreis die Preise schnell nach oben gehen."
Hier wird gerne von "Rockets and Feathers" gesprochen – zu deutsch: raketengleich geht der Ölpreis hoch, herab schwebt er wie eine Feder. Und die Preise an den Tankstellen könnten – zumindest zwischenzeitlich – wieder steigen.
Wenn der Tankrabatt ausläuft, dürften die Preise wieder steigen
Denn ein Grund dafür, dass die Spritpreise inzwischen wieder fast auf Vorkriegsniveau liegen, ist der Tankrabatt der Bundesregierung. Dieser senkt aktuell die Steuern pro Liter um 16,7 Cent. Er gilt jedoch nur noch bis zum Ende des Monats und soll nicht verlängert werden. Dann müssen Autofahrer wieder mit höheren Preisen rechnen.
Bei der Frage, wie hoch der Spritpreis in Zukunft sein wird, dämpft der ADAC die Erwartungen: Bis sich wieder stabile Abläufe entlang der Lieferketten einstellen, werde einige Zeit vergehen. Umgehende Senkungen der Kraftstoffpreise auf das Niveau vor dem Krieg seien nicht zu erwarten, auch weil Infrastruktur beschädigt oder zerstört wurde, die nicht sofort wieder aufgebaut werden kann.
Ähnliches gilt für Haushalte, die mit Heizöl heizen. Auch hier ist die Entwicklung an den Ölmärkten eine prinzipiell gute Nachricht. Sinkende Rohölpreise wirken tendenziell dämpfend auf den Heizölpreis. Wie schnell das bei den Verbrauchern in vollem Umfang ankommt, wird sich aber erst noch zeigen.
Entscheidend ist, ob die Straße von Hormus offenbleibt
Über allem steht die Frage, ob die Straße von Hormus dauerhaft offen und sicher bleibt. Durch diese Meerenge wurde vor dem Krieg rund ein Fünftel des global gehandelten Rohöls und Flüssiggases transportiert. Falls die Straße langfristig offenbleibt, wird das nach Einschätzung des Präsidenten des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest, "die Konjunktur in Europa erheblich stützen".
Denn wenn Energie wieder günstiger wird, dürfte das die Inflation senken – und die Europäische Zentralbank könnte von weiteren Zinserhöhungen absehen, so Fuest. Aber auch dann dürften die Effekte des Konflikts noch über Monate "spürbar sein".
Wie geht es weiter mit den Kraftstoffpreisen?
Das Zwischenabkommen zwischen den USA und dem Iran soll voraussichtlich am Freitag in Genf unterzeichnet werden. Laut US-Präsident Donald Trump soll unmittelbar darauf die Straße von Hormus wieder für die Schifffahrt geöffnet werden – und zwar gebührenfrei. Nach der Unterzeichnung erwartet der Iran direkt eine weitere Verhandlungsrunde. 60 Tage lang soll dann über das iranische Atomprogramm und eine mögliche Aufhebung von US-Sanktionen gegen den Iran verhandelt werden.
Nach Ansicht vieler Experten wird es noch einige Zeit dauern, bis sich die Exporte aus der Region normalisieren. Erst müsse das Vertrauen von Reedern und Versicherern in die Sicherheit der Passage wieder wachsen, außerdem müssten Minen geräumt und der Betrieb in den Häfen wieder aufgenommen werden. Bis sich das in stabilen, dauerhaft niedrigen Preisen für Heizöl und Kraftstoffe niederschlägt, könnten daher noch einige Monate vergehen. Immer unter der Voraussetzung, dass sich die USA und der Iran an die ersten getroffenen Vereinbarungen halten und der Konflikt nicht erneut eskaliert.
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