Ein Arbeiter geht am Verdichter des Untergrund-Gasspeichers der VNG AG entlang.
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Der Krieg in der Golfregion hat weltweit einen Energiepreisschock ausgelöst. Der Preis für Erdgas ist noch nicht stark gestiegen.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Jan Woitas
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Der Krieg in der Golfregion hat weltweit einen Energiepreisschock ausgelöst. Der Preis für Erdgas ist noch nicht stark gestiegen.

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Iran-Krieg: Hohe Gaspreise treffen auf leere Gasspeicher

Iran-Krieg: Hohe Gaspreise treffen auf leere Gasspeicher

Der Krieg in der Golfregion hat weltweit einen Energiepreisschock ausgelöst. Rohöl, Benzin und Diesel haben sich bereits verteuert. Der Preis für Erdgas ist noch nicht stark gestiegen. Die Frage ist aber, ob das so bleibt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Eine drohende Gasknappheit wie zu Beginn des Ukraine-Kriegs ist wegen des Iran-Kriegs nicht zu befürchten. Aber teurer könnte es auf jeden Fall werden. Ein Grund sind die Gasspeicher, die nach diesem Winter leer sind und nun im schlimmsten Fall zu Höchstpreisen wieder befüllt werden müssen.

Private Gaskunden profitierten zuletzt von sinkenden Arbeitspreisen

Beim Erdgas sind laufende Lieferverträge noch eine Zeit lang geschützt. Außerdem hat es hier noch keine massiven Aufschläge wegen Iran gegeben. Dessen Drohnen und Raketen führten zum Beispiel in Katar zur Schließung der weltgrößten Exportanlage für verflüssigtes Erdgas LNG. Doch nur acht Prozent des LNG, das in Europa verbraucht wird, kommen aus Katar, in Deutschland sogar noch weniger.

Vor dem Irankrieg waren die Preise gefallen, vor allem das verflüssigte Erdgas LNG war erstaunlich preiswert. US-Produzenten, die nach dem Golfemirat Katar die wichtigsten LNG-Lieferanten sind, konnten aus politischen Gründen kein neues Gas mehr nach China verkaufen. So entstand bei uns in Europa zwischenzeitlich ein Überangebot an günstigem Gas aus Tankschiffen.

Was gilt aktuell für alle, die noch eine Gasheizung im Keller haben?

Für Neukunden wurden Privathaushalten (laut 1-Gasvergleich.com) noch am 4. März durchschnittliche Tarife mit 8,2 bis 8,4 Cent pro Kilowattstunde (ct/KWh) angeboten, bei stabilen Preisen zur Vorwoche. Bestandkunden zahlten dagegen im Schnitt immer noch deutlich mehr mit knapp zehn ct/kWh und in der Grundversorgung sogar mehr als 10,5 ct/kWh. Trotz des höheren CO2-Preises (von ca. 0,2 ct/kWh) ergab sich im Jahresvergleich zum März 2025 immer noch ein Preisvorteil von 16,3 Prozent. Außerdem musste früher eine Gasspeicherumlage von fast 0,3 ct/kWh gezahlt werden, die gestrichen wurde, was den CO2-Preis mehr als ausglichen hat.

Großhandelspreise und Energiebörse deuten auf drastische Änderungen

Am Spotmarkt TTF von Amsterdam, wo es um ganz kurzfristige Lieferungen geht, ist der Preis für die Megawattstunde gleich mit den ersten Angriffen im Iran um gut die Hälfte nach oben geschossen auf knapp 60 Euro. Das ist aber immer noch sehr viel weniger als zur Gaslieferkrise 2022/2023 zu Beginn des Ukrainekriegs, wo in der Spitze mehr als 300 Euro für die Megawattstunde zu zahlen waren.

Im Sommer soll Gas teuer werden

Was in Amsterdam sehr viel teurer geworden ist, nämlich um rund 80 Prozent, sind Gaslieferkontrakte für die nächsten Monate. Die Sommersaison, in der die Erdgasspeicher nach der Heizperiode im Winter wieder aufgefüllt werden, bietet in normalen Jahren sehr günstige Lieferpreise wegen des niedrigen Verbrauchs. Diesmal ist jedoch alles anders, weil durch den drohenden Ausfall von Katar mit ganz neuen Preisstrukturen zu rechnen ist.

Bundeswirtschaftsministerin Reiche hält Situation für beherrschbar

Für Deutschland spielen direkte Gaslieferungen aus der Golfregion kaum eine Rolle, die wegen iranischer Angriffe komplett ausfallen können. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hält deshalb die Versorgung mit Pipelinegas aus Norwegen und Tankschiffen aus den USA für gesichert, auf die es für uns am meisten ankommt.

Fazit: Gaskunden, wie Mieter müssen sich wohl auf höhere Heizkosten einstellen

Über einen längeren Zeitraum wird sich ein weltweiter Preisanstieg beim Gas überall bemerkbar machen, vor allem bei kurzfristigen Schiffslieferungen mit verflüssigtem LNG. Hinzukommt, dass die deutschen Gasspeicher besonders leer sind, bald wieder aufgefüllt werden müssen und das vermutlich zu wesentlich höheren Preisen.

Anfang März zeigte die Bundesnetzagentur für die deutschen Gasspeicher Füllstände zwischen 20,8 bis 20,9 Prozent an mit Tagesschwankungen um 0,1 Prozent. Bis zum November sollten die Speicher nach gesetzlichen Vorgaben auf etwa 80 Prozent gefüllt sein. Das war aber 2025 auch schon nicht der Fall: Im Vorjahr waren es maximal 76 Prozent Ende September. In diesem Jahr könnte man notfalls versuchen, mit noch weniger Speichergas über die Runden zu kommen, falls sich in diesem Sommer der sonst übliche Preisvorteil nicht ergibt und es sich nicht lohnt, so viel einzulagern.

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