(Symbolbild) Überraschend gute Zahlen: Audi hat gegen den Branchentrend im vergangenen Jahr mehr Gewinn gemacht.
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Mehr Gewinn – Audi hofft auf Stabilisierung

Mehr Gewinn – Audi hofft auf Stabilisierung

Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern hat Audi im vergangenen Jahr den Gewinn nach Steuern gesteigert: 4,6 Milliarden Euro nach 4,2 Milliarden im Vorjahr. Allerdings ist das kein Grund zum Zurücklehnen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Audi hat im vergangenen Jahr zwar mehr verdient, allerdings lag das an einem Einmaleffekt. Der Zuwachs ging laut Finanzvorstand Jürgen Rittersberger im Wesentlichen auf eine Ausgleichszahlung des VW-Konzerns im Zuge einer internen Umstrukturierung zurück. Operativ, also im eigentlichen Kerngeschäft, ist das Ergebnis erneut gesunken – auf unter 3,4 Milliarden Euro, gut eine halbe Milliarde weniger als im Vorjahr.

Macht der Konzern etwas besser im Vergleich zu seinen bayerischen Automobil-Mitstreitern? Und was bedeutet das für die Stadt und Region rund um den Audi-Firmensitz Ingolstadt? Darüber haben wir bei BR24 um 16 Uhr mit dem Automobil-Experten Stefan Bratzel (externer Link) sowie BR-Korrespondentin Daniela Olivares gesprochen. Das Video finden Sie oben eingebettet über diesem Artikel.

US-Zölle belasten Ergebnis

Seit knapp einem Jahr zahlt Audi auf alle in die USA eingeführten Modelle Importabgaben. Die VW-Tochter hat in den Vereinigten Staaten kein eigenes Werk. Mit rund 1,2 Milliarden Euro wurde das Ergebnis 2025 dadurch belastet. In diesem Jahr dürfte es noch mehr werden, so die Prognose. Gleichzeitig gerät Audi in China massiv unter Druck.

Der Markt ist von einem harten Preis- und Technologiewettbewerb geprägt. Chinesische Hersteller haben bei Elektroautos stark aufgeholt, klassische Verbrenner verlieren an Attraktivität. Audi versucht gegenzusteuern – unter anderem mit dem gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller SAIC entwickelten E5 Sportback. Doch auch dieses Modell scheint sich bisher schwerer zu verkaufen als erhofft, Rabatte sind bereits ein Thema.

Verhaltene Prognose

Die Verkaufszahlen spiegeln die Schwierigkeiten wider: 2025 setzte Audi nur noch 1,644 Millionen Fahrzeuge ab – knapp drei Prozent weniger als im Vorjahr und deutlich unter der Marke von 1,9 Millionen aus dem Jahr 2023. Für dieses Jahr erwartet der Vorstand einen "moderaten" Absatzanstieg und einen Umsatz etwa auf Vorjahresniveau. Die operative Rendite soll immerhin wieder auf sechs bis acht Prozent steigen.

Zwei neue Zugpferde?

Die präsentierten neuen Modelle könnten nicht gegensätzlicher sein: Einerseits gab es erste Einblicke in den A2 e-tron, einen elektrischen Kleinwagen, der an den legendären Leichtbau A2 der frühen 2000er anknüpfen soll, ihm auch optisch sehr ähnelt und in Ingolstadt gebaut wird. Technische Details oder gar Preise wurden noch nicht bekannt gegeben, allerdings wird erwartet, dass man mit diesem Kleinwagen nicht das große Geld verdient. Auf der anderen Seite soll in diesem Jahr noch der neue Q9 kommen; ein über fünf Meter langes SUV mit Verbrennungsmotoren und drei Sitzreihen. Das Modell soll vor allem US-Kunden ansprechen.

Es fehlen nach wie vor die Game Changer

Klare "Game Changer" im Stil von VWs ID-Reihe, Mercedes’ neuem CLA oder BMWs "Neuer Klasse" ist bei Audi bisher nicht zu erkennen. Die VW-Tochter hat es trotz zahlreicher neuer Modelle bisher nicht geschafft, den Absatztrend nach unten zu stoppen. Im vergangenen Jahr wurden knapp drei Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr, und zwar erneut deutlich weniger als 1,7 Millionen. 2023 waren es noch über 1,9 Millionen Fahrzeuge gewesen.

Kein neues Stellabbauprogramm

VW-Konzernchef Oliver Blume hat zwar bei der Präsentation der Konzernzahlen letzte Woche erklärt, den Sparkurs zu verschärfen, doch die Spitze von Audi will laut Döllner an der mit dem Gesamtbetriebsrat vereinbarten Beschäftigungslinie festhalten. Bis 2029 sollen demnach 7.500 Stellen abgebaut werden. 6.000 davon bis 2027, und zwar sozialverträglich, wie heute noch mal betont wurde. Döllner will auch nicht an der Beschäftigungsgarantie bis Ende 2033 rütteln.

Einsparungen und Effizienzgewinne sollen stattdessen über schlankere Organisationsstrukturen und Synergien innerhalb des Konzerns erreicht werden. Die Umsatzrendite, das prozentuale Verhältnis von Gewinn zu Umsatz, soll von zuletzt rund fünf Prozent wieder auf sechs bis acht Prozent steigen. Den Irankrieg beobachte man genau, so Audi-Chef Döllner. Trotz der angespannten Lage seien die Lieferketten stabil, dank eines funktionierenden Krisenmanagements, wie er erklärt.

Entscheidung über US-Werk steht weiter aus

Offen bleibt weiter die Frage eines Werks in den USA. Eine solche Entscheidung liegt nicht allein bei Audi, sondern beim VW-Konzern in Wolfsburg und betrifft den "globalen Produktions-Footprint", wie Döllner sagt. Zölle sind dabei nur ein Faktor unter vielen. Eine Entscheidung – für oder gegen ein US-Werk – soll "noch in diesem Jahr" fallen, so der Audi-Chef vage.

Zum Hören: Audi-Gewinn steigt überraschend

Der Vorstandsvorsitzende des Automobilherstellers Audi, Gernot Döllner,
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Der Vorstandsvorsitzende des Automobilherstellers Audi, Gernot Döllner,

Im Video: BR-Wirtschaftsexperte Gabriel Wirth zu Audi

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BR24 auf Youtube: Gewinn bei Audi steigt

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