Steigt der Preis für Rohöl an den Weltmärkten, wirkt sich das auch auf die Heizölpreise aus. Zum Herbstbeginn schauen Experten und Verbraucher deshalb besonders genau auf die Weltmarktpreise – und dürften am Mittwoch in Sorge geraten sein: Die Nordseesorte Brent hat erstmals seit Mitte Juli wieder die Marke von 100 US-Dollar je Barrel überschritten. Auslöser dafür ist, dass sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran zuletzt verschärfte. Vor Beginn des Krieges lag der Ölpreis bei rund 70 Dollar. Was tun, wenn nun kurz vor der Heizsaison die Tanks leer, die Preise aber hoch sind?
Experten raten: Trotzdem auffüllen
"Ich würde auf keinen Fall so lange warten, bis mein Tank ganz auf null geht", sagt Stefan Rödl, Geschäftsführer von Rödl Energie. In den vergangenen Monaten standen einige Lkw beim Heizöllieferanten mit Sitz in Neumarkt in der Oberpfalz nahezu still: "Die Branche konnte Überstunden abbauen", sagt Rödl. Nachdem der Ölpreis mit Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hochging, gingen die Bestellungen runter. Doch jetzt stünde das Team wieder in den Startlöchern. Und die Verbraucher?
Heizölexperte Oliver Klapschus vom Vergleichsportal HeizOel24 sagt, bislang haben Verbraucher nur etwa die Hälfte der üblichen Jahresmenge bestellt. Viele Haushalte müssten ihre Vorräte also in den kommenden Monaten noch auffüllen – auch, wenn das teuer werden könnte. Wer zu lange warte, könnte später auf lange Wartezeiten oder teure Expresslieferungen angewiesen sein, so Klapschus. "Spätestens ab Oktober, November muss ich ja irgendwie heizen."
Preise gingen im Sommer wieder runter
Dabei sah es mit den Preisen im Sommer zwischenzeitlich gut aus: Der Ölpreis fiel wieder unter 80 Dollar je Barrel, als sich die Lage an der Straße von Hormus zu entspannen schien. "Das war im Nachhinein die Kaufchance des Sommers beim Heizöl", sagt Klapschus. Der warme Sommer habe jedoch dazu beigetragen, dass viele Haushalte die Heizölbestellung aufgeschoben hätten. "Der Gedanke ans Heizöl war weit weg", so Klapschus. Auch Rödl beobachtete nur eine "kleine Welle" bei den Lieferungen.
In der Grafik: Entwicklung der Rohölpreise
Bayern derzeit günstiger als andere Regionen
Wer die Chance im Sommer verpasst hat, muss aktuell mit vergleichsweise hohen Preisen rechnen: Heizöl kostet im Bundesdurchschnitt brutto rund 1,60 Euro pro Liter, zeigen die Zahlen des Vergleichsportals HeizOel24 (externer Link). Mit einer guten Nachricht für Bayern: Während in Hamburg der Liter Heizöl brutto 1,65 Euro kostet, gibt es im Freistaat aktuell die niedrigsten Preise bundesweit – auch wenn das bedeutet, dass der Liter noch immer 1,57 kostet (Stand 11.9.2026). Im September vergangenen Jahres lag der Preis noch bei 90 Cent.
Heizöllieferant Rödl verweist auf die besondere Struktur der bayerischen Versorgung: Die Raffinerien würden ihr Rohöl über die Transalpine Pipeline aus Italien beziehen und große Teile Bayerns direkt versorgen. Gleichzeitig seien andere Regionen stärker auf Lieferungen per Schiff, Bahn oder über den Rhein angewiesen. Die derzeitigen Probleme bei Schifffahrt und Transport träfen diese Regionen stärker.
Lieber nur einen halben Tank?
Verbraucher müssten derzeit allerdings nicht zwingend den gesamten Tank füllen. Klapschus empfiehlt stattdessen häufig einen Mittelweg. "Wir raten durchaus, nur einen halben Jahresvorrat zu kaufen, um flexibel zu bleiben." Die Idee dahinter: Der Winter ist abgesichert, gleichzeitig können Verbraucher auf möglicherweise günstigere Preise zu Beginn des kommenden Jahres hoffen.
Der Tipp: Das erste Quartal sei "eigentlich der Zeitpunkt, wo Öl am Weltmarkt am günstigsten ist, weil da weltweit am wenigsten verbraucht wird." Ob die Preise tatsächlich fallen, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. Rödl sagt: "Kein Mensch weiß, was Heizöl nächsten Monat kostet."
Dieser Artikel ist erstmals am 9. September 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel aktualisiert und erneut publiziert.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
