Noch gleicht der riesige Parkplatz vor der Arena zum Teil einer Abraumhalde. Wenige Tage vor dem Freundschaftsspiel zwischen Mexiko und Portugal spotteten mexikanische Radiosender über den hässlichen Anblick des renovierten Aztekenstadions. Auch die Betreiber räumten in mehreren Statements ein, dass die Bauarbeiten vor allem im Umfeld des Stadions dem Zeitplan hinterherhinken. Bis zum Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am 11. Juni, die gemeinsam von Mexiko, Kanada und den USA ausgerichtet wird, soll aber alles fertig sein. Dann sollen mehr als 87.000 Zuschauer bei der Partie der Gastgeber gegen Südafrika eine hochmoderne Sportarena erleben, in die unter anderem neue Flutlicht- und Beschallungsanlagen eingebaut wurden. Wobei offen ist, ob das moderne Lautsprechersystem mit dem Lärmpegel mithalten kann, den das traditionell frenetische mexikanische Publikum bei Heimspielen seiner Nationalmannschaft entfacht. So sprach zum Beispiel Rudi Völler als Teilnehmer der WM 1986 von einem magischen Ort, als er die Stimmung bei Partien in Mexiko-Stadt beschrieb.
2.300 Höhenmeter und ein Meer aus Menschen
Zu den Besonderheiten des Aztekenstadions – das inzwischen offiziell den Namen eines Sponsors aus der Finanzbranche trägt – gehört die schiere Größe. Es wurde in den 1960er Jahren für mehr als 100.000 Zuschauer konzipiert und übertraf damit lange Zeit Brasiliens Maracanã-Stadion. Nach verschiedenen Umbauten wurde das Fassungsvermögen allerdings etwas reduziert. Die steilen Ränge und die Überdachung sorgen für eine beeindruckende Akustik. Dazu kommt die Höhenlage auf rund 2.300 Metern, die es jedem Gegner schwer macht, Mexikos Nationalteam hier zu besiegen. Eine weitere Besonderheit: Es ist das einzige Stadion, in dem bereits zwei WM-Endspiele (1970 und 1986) ausgetragen wurden.
Jahrhundertspiel und die "Hand Gottes"
Zum legendären Status des Aztekenstadions haben auch einige der größten Momente der Fußballgeschichte beigetragen. So lieferten sich Deutschland und Italien im Halbfinale der WM 1970 einen derart hochklassigen Schlagabtausch, dass die Partie bis heute als "Jahrhundertspiel" gilt. Am Ende unterlag das DFB-Team nach einer nervenaufreibenden Verlängerung mit 3:4. 16 Jahre später sorgte Diego Maradona in nur einem Spiel für gleich zwei denkwürdige Momente: Beim Viertelfinal-Sieg gegen England erzielte Argentiniens Star zunächst ein irreguläres Tor und sprach danach von der "Hand Gottes". Sein zweiter Treffer ging dann als das "Tor des Jahrhunderts" in die Annalen ein. Maradona nahm den Ball an der Mittellinie auf und ließ auf seinem Sololauf zum englischen Tor sieben Gegenspieler stehen. Ob es beim kommenden Turnier ebenso denkwürdige Momente geben wird?
Siemens modernisiert die Schiene, Flix den Busverkehr
Wenn im Sommer hunderttausende von Fußballfans in Mexiko unterwegs sind, dann dürften viele von ihnen die U-Bahnen der drei Spielorte Mexiko-Stadt, Monterrey und Guadalajara nutzen. Zumindest indirekt kommen sie dann mit Siemens in Kontakt. Der Münchener Konzern, der seit mehr als 130 Jahren in Mexiko aktiv ist, hat im Vorfeld der WM große Aufträge zur Modernisierung des Schienennetzes erhalten. Dazu gehören vor allem die Elektrifizierung und die Signaltechnik. Mexiko erlebt derzeit eine Renaissance des Schienenverkehrs, investiert massiv in sein Netz und setzt dabei auch auf deutsche Technologie. Ein anderes bayerisches Unternehmen ist auf Mexikos Straßen unterwegs. Seit einem Jahr ist die Münchener Flix-Gruppe vor Ort vertreten und bietet ein wachsendes Netz von Busverbindungen an. Im Rahmen der WM erwartet man sich bei Flix México einen Passagierschub, zumal das Unternehmen auch grenzüberschreitende Fahrten in die USA anbietet.
Adidas als Sponsor des "Tri" allgegenwärtig
Und natürlich hoffen auch die bayerischen Sportartikelkonzerne Adidas und Puma im Zuge der WM auf gute Geschäfte vor Ort. Vor allem Adidas ist als Sponsor von Mexikos Nationalmannschaft fast allgegenwärtig – von hausgroßen eigenen Plakaten bis hin zu Werbespots anderer Sponsoren, in denen ebenfalls Spieler in den knallig-grünen Adidas-Trikots des Tri, des mexikanischen Nationalteams, zu sehen sind. Wie viele Mexikaner sich im Vorfeld des Turniers das neu gestaltete Trikot gekauft haben, ist allerdings schwer zu beziffern: Denn neben dem offiziellen Verkauf über Sportgeschäfte, eigene Läden und den Online-Handel werden die Fanartikel auch – nicht zuletzt als Raubkopien – an unzähligen Straßenständen angeboten. Dort kosten die Trikots 500 mexikanische Pesos, umgerechnet etwa 25 Euro. Und damit ein Viertel des offiziellen Preises für ein Adidas-Leibchen.
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