An Superlativen hat es Elon Musk nie gefehlt. Da ist es kein Wunder, dass der US-Tech-Milliardär auch für den bislang größten Börsengang aller Zeiten verantwortlich ist. Seine Weltraumfirma SpaceX soll am Freitag, den 12. Juni an die Börse gehen und mit einer Bewertung von rund 1,77 Billionen Dollar alle anderen in den Schatten stellen.
Einer der Gründe: SpaceX will bei dem Börsengang nicht nur Geld von institutionellen Investoren einsammeln, sondern spricht auch gezielt Kleinanleger an. Bis zu 30 Prozent sollen für sie reserviert sein, oft sind es nur fünf bis zehn Prozent.
Auch deutsche Banken und Broker bieten SpaceX-Aktien zur Zeichnung
Zudem lässt sich auch von Deutschland aus investieren: Mehrere Banken und Broker wie die Commerzbank, ING, Trade Republic oder Degiro bieten die sogenannte "Zeichnung" zum Preis von 135 US-Dollar je Aktie an. Das heißt, Kunden können verbindlich den Kaufwunsch anmelden, bevor die Papiere an der Börse handelbar sind. Die Frist dafür endet am Donnerstag, dem 11. Juni, um 18 Uhr.
"Es ist ungewöhnlich, dass sich deutsche Kleinanleger an einem solchen Börsengang beteiligen können", sagt Hans-Peter Burghof, Banken-Professor an der Universität Hohenheim. In der Regel kommen bei einem solchen "Initial Public Offering" (IPO) eines US-Unternehmens nur US-Amerikaner zum Zug. Von Deutschland aus können die Papiere erst danach im regulären Handel gekauft werden.
Großes Interesse in sozialen Medien von Kleinanlegern an SpaceX
In Foren wie Reddit und sozialen Medien sorgt der Börsengang bereits für Aufregung: Die einen schimpfen über Musk und seine Zocker-Aktie. Die anderen fragen, ob diese eine gute Investmentidee sei. Der Hype um den Tesla-Gründer scheint auch viele anzulocken, die sonst kaum an der Börse aktiv sind.
Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, schreibt deshalb auf X: "Bitte legt eure kritische Haltung auch bei SpaceX nicht ab" (externer Link).
Investieren in SpaceX – eine Wette auf Elon Musks Versprechen
Eine seriöse Antwort auf die Frage "Soll ich investieren?" gibt es nicht. Eine der wenigen Gewissheiten an der Börse lautet: Niemand kann voraussagen, wie sich eine Aktie entwickelt. Selbst jahrelang gestiegene Kurse garantieren nicht, dass es so weiter geht.
Hans-Peter Burghof begrüßt es zwar, dass deutsche Kleinanleger einen besseren Zugang zum US-Markt bekommen. Doch er hat Zweifel, ob ausgerechnet SpaceX der richtige Kandidat dafür ist. "Dieses komplexe und disruptive Geschäftsmodell ist vielleicht weniger für Kleinanleger geeignet, sondern eher für deutlich risikoorientiertere Anleger, denen bewusster ist, dass sie ihr Geld auch verlieren können", sagt der Banken-Experte.
Die Bewertung der Weltraumfirma hält Burghof für schwer nachvollziehbar. Musk hat kürzlich sein KI-Unternehmen xAI in SpaceX integriert, will Rechenzentren im All bauen und diese mit dem Raketengeschäft querfinanzieren: eine Art Ökosystem aus KI und Raumfahrt – und eine große Wette, dass am Ende alles genau so funktioniert. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen einen Verlust von rund 4,9 Milliarden Dollar.
Studien: Glücksspiel, ob sich der Kauf einer Einzelaktie lohnt
Studien zur Performance zeigen, dass sich das gezielte Investieren in Börsen-Neulinge selten lohnt. Der Vermögensverwalter HQ Trust hat untersucht, dass in der Regel bessere Ergebnisse erzielte, wer sein Geld breit streute. Zwar stechen immer wieder einzelne Shooting-Stars hervor, doch es gleicht einem Glücksspiel, diese zu erwischen.
Anders sieht es dagegen mit dem Kurs unmittelbar nach einem Börsengang aus, falls man eine Aktie vorab zeichnen konnte, analysiert Christoph Kaserer. Der Kapitalmarkt-Experte der TU München sagt: "In der überwiegenden Zahl der Fälle kann man damit rechnen, einen Kursgewinn am ersten Börsentag von zehn bis 20 Prozent zu machen." In Einzelfällen könne das Ergebnis natürlich auch hier völlig anders ausfallen.
Wer alle Seiten abwägt und sich am Ende für ein Investment entscheidet, sollte noch eine goldene Regel der Anlageberatung kennen: Stecke nur so viel Geld in einzelne Aktien, wie du im schlimmsten Fall auch bereit bist, komplett zu verlieren. Die Geschichte der Börse und Raumfahrt kennen bekanntlich beide sowohl Sternstunden als auch Bruchlandungen.
Dieser Artikel ist erstmals am 9. Juni 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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