Wie viele Krankenkassen brauchen wir in Deutschland? Die Debatte kocht aktuell wieder hoch.
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Würden weniger Krankenkassen wirklich mehr Geld einsparen?

Würden weniger Krankenkassen wirklich mehr Geld einsparen?

In der Diskussion über Sparmöglichkeiten im Gesundheitswesen kocht ein Vorschlag wieder hoch: Es sollte weniger Kassen geben, fordert etwa CDU-Generalsekretär Linnemann. Nicht nur von Kassen kommt Widerspruch, sondern auch von Gesundheitsökonomen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

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Statt der 93 gesetzlichen Krankenkassen, die es derzeit gibt, würden auch zehn genügen, erklärte der Generalsekretär der CDU, Carsten Linnemann, vor kurzem. Damit schlägt Linnemann etwas vor, das auch unter BR24-Usern immer wieder gefordert wird.

In der Kommentarspalte fragt etwa User "Astra": "Wo bleibt die Reduzierung der Anzahl der Kassen? 100 Doppelstrukturen, die der Versicherte tragen muss!" Und auch "Dangadad" kommentiert: "Diese Debatte gibt es schon seit Jahren und keine Regierung hatte die Kraft sich gegen die Lobby durchzusetzen. Für die gesetzliche Krankenversicherung reicht genau EINE Kasse. Die relevanten Leistungen sind für alle gleich."

Denkbar wäre es für Linnemann auch, den Kassen eine Mindestgröße vorzuschreiben, beispielsweise 500.000 oder 750.000 Versicherte. Als Haupt-Argument nennt Linnemann dabei: Die Verwaltungskosten würden sinken.

Kassen: Wettbewerb fördert Effizienz

Die Vorstandschefin der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK), Gertrud Demmler, widerspricht solchen Forderungen entschieden. Die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen seien in den vergangenen Jahren spürbar gesunken, argumentiert sie. Nach Berechnungen des GKV-Spitzenverbandes ist ihr Anteil von knapp 4,9 Prozent an den Gesamtausgaben im Jahr 2015 auf mittlerweile unter 4 Prozent geschrumpft.

SBK-Chefin ärgert sich über "Märchen"

Der Grund für das Absinken der Verwaltungskosten liegt in den Augen der SBK-Chefin auf der Hand: Wer im Wettbewerb mit anderen Anbietern steht, müsse auf seine Kosten schauen. Und weil der allergrößte Teil der Aufwendungen, die Krankenkassen haben, gesetzlich vorgeschrieben ist, seien gerade die Verwaltungskosten ein Hebel, an dem die Kassen schon aus eigenem Interesse ansetzen.

Dass eine Einheitskasse, oder nur noch eine Handvoll Kassen effizienter wären, nennt Demmler "ein Märchen" und fügt hinzu: "Ich verstehe nicht, warum wir diese Diskussion jetzt wieder führen." Der Bericht der Finanzkommission, die die Bundesregierung mit der Suche nach Sparmöglichkeiten beauftragt hat, habe eines klar gezeigt: "Dass eine Reduzierung der Kassen keine Einsparpotenziale eröffnet."

Finanzkommission sieht kaum Einsparmöglichkeiten

Tatsächlich erwähnt die Gesundheits-Finanzkommission in ihren 66 Vorschlägen zur Sanierung der Kassenfinanzen die Zahl der Krankenkassen nicht. Der Kommissions-Vorsitzende, der Bielefelder Gesundheitsökonom Wolfgang Greiner, sagte bei der Vorstellung des Berichts Ende März, die Verwaltungskosten seien in den vergangenen Jahren langsamer gestiegen als die Einnahmen der Kassen und kam zum Ergebnis: "Der Wettbewerb wirkt hier offensichtlich."

Auf die Frage, ob es die gesetzliche Krankenversicherung nennenswert entlasten würde, wenn die Zahl der Kassen weiter sinkt, antwortete der Kommissions-Vorsitzende: "Das ist nach unserem Dafürhalten nicht der Fall."

Zahl der Kassen drastisch gesunken

Tatsächlich ist in den vergangenen Jahrzehnten ein Großteil der Krankenkassen verschwunden, vor allem durch Fusionen. Zum Opfer von Pleiten und Schließungen, die die Aufsichtsbehörden erzwungen haben, sind nur wenige Kassen geworden. Im Jahr 1970 gab es nach einer Zählung des Kassenverbandes VDEK in der alten Bundesrepublik noch 1.815 Krankenkassen. Inzwischen ist die Zahl auf 93 gesunken, ein Rückgang um fast 95 Prozent.

Grafik: Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen im Laufe der Zeit

Bildrechte: BR/Maximilian Seidl
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Die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen im Verlauf der Zeit, seit 1970.

Wenn man weiter zurückschaut, ist der Rückgang noch drastischer. Im Deutschen Kaiserreich gab es zeitweise mehr als 22.000 Kassen, bei einer Bevölkerung, die deutlich kleiner war als heute.

Kontroverse über Verwaltungskosten in der PKV

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung weist in der Diskussion auch darauf hin, dass bei den Privaten Krankenversicherern die Verwaltungskosten um mehr als das Doppelte höher seien als in der GKV. Der Verband der Privaten Krankenversicherung weist dieses Argument allerdings als "irreführend" zurück.

So werde ein Teil der Verwaltungstätigkeiten in der gesetzlichen Krankenversicherung von anderen Stellen übernommen, beispielsweise der Beitragseinzug von den Arbeitgebern, argumentiert der PKV-Verband. Die Privaten müssten sich selbst darum kümmern, dass sie ihre Prämien bekommen. Außerdem ist es nach Ansicht der Privatversicherer nicht korrekt, wenn die gesetzlichen Kassen die Vertriebs- und Abschlusskosten der PKV in die Verwaltungskosten einrechnen.

Unbestritten ist allerdings: In der gesetzlichen Krankenversicherung kümmern sich 93 Kassen um rund 74 Millionen Versicherte. Eine PKV-Vollversicherung haben rund 8,8 Millionen Versicherte, der PKV-Verband beziffert die Zahl der Mitgliedsunternehmen, die eine Vollversicherung anbieten, auf 33.

Transparenzhinweis: In einer früheren Fassung des Textes wurde Martin Werding als Vorsitzender der Gesundheits-Finanzkommission zitiert, tatsächlich leitet aber Wolfgang Greiner die Kommission. Das haben wir am 20.04.2026 um 12 Uhr korrigiert.

Dieser Artikel ist erstmals am 20. April 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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