Ein Fotograf hält seine Kamera auf ein Panzerabwehrlenkwaffensystem.
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Rund 1.300 Aussteller waren auf der diesjährigen "Enforce Tac" in Nürnberg, der Messe für Sicherheit und Verteidigung.
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Rund 1.300 Aussteller waren auf der diesjährigen "Enforce Tac" in Nürnberg, der Messe für Sicherheit und Verteidigung.

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Wie bayerische Unternehmen vom Krieg profitieren

Wie bayerische Unternehmen vom Krieg profitieren

Die Rüstungsindustrie boomt und hat dank des Sondervermögens der Bundeswehr eine sichere Auftragslage. Wirtschaftlich lukrativ ist das auch für Unternehmen aus Bayern: Neben Waffenherstellern profitieren unter anderem Outdoor-Unternehmen.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Was machen Hersteller von Wanderschuhen und Regenjacken auf einer Messe für Sicherheit und Verteidigung? Neben Waffenfirmen waren auch sie Teil der rund 1.300 Aussteller auf der "Enforce Tac" in Nürnberg. Zum Vergleich: Vor neun Jahren zählte die Messe noch etwas mehr als 200 Aussteller. Die Rüstungsbranche befindet sich im Aufschwung. Davon profitieren auch Unternehmen aus Bayern.

Geld für die Bundeswehr, Aufträge für die Unternehmen

Einen großen Anteil am Boom in der Branche hat das Sondervermögen der Bundeswehr: In den nächsten Jahren fließt so viel Steuergeld in die Bundeswehr wie nie zuvor: eine halbe Billion (also 500 Milliarden Euro) bis zum Ende des Jahrzehnts. Ziele sind Verteidigungsfähigkeit und Abschreckung.

Für Rüstungsunternehmen bedeutet das: Planungssicherheit in der Auftragslage. "Wir konnten die Finanzierungen über mehrere Jahre nicht erhalten", blickt Dirk Prehn auf die Vergangenheit zurück. Das habe sich jetzt mit dem Sondervermögen der Bundesregierung geändert, erklärt der Leiter des Munitionsherstellers RWS aus Fürth. Die Folge: Das Unternehmen hat zusätzliche Mitarbeiter eingestellt.

Im Video: BR24 vor Ort - Wie bayerische Unternehmen vom Krieg profitieren

BR24 vor Ort aus der Enforce Tac.
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Auf der Messe "Enforce Tac" mit rund 1.300 Ausstellern in Nürnberg.

Rüstungsfirmen: "Wir merken die Zeitenwende sehr intensiv"

Auch das Unternehmen Hensoldt mit Sitz in Taufkirchen im Landkreis München erlebte als einer der größten Rüstungskonzerne Deutschlands schon schlechtere Zeiten. "Wir merken die Zeitenwende sehr intensiv daran, dass wir stetig wachsen", sagt Carina Engelhardt im BR24-Interview und nennt neben dem Sondervermögen einen anderen Grund. "Man muss sagen, dass Deutschland sehr lange eine historisch bedingte Anti-Haltung hatte, die jetzt einfach so nicht mehr existent ist. Es wird verstanden: Sicherheit und Verteidigung ist wichtig, auch für uns."

Von einer "rapide gestiegenen Nachfrage" spricht man unterdessen bei Diehl Defence, das unter anderem einen Standort in Röthenbach an der Pegnitz bei Nürnberg hat. Das Unternehmen beliefert auch die Bundesrepublik Deutschland. Diese habe einen "erheblich gestiegenen Bedarf an wehrtechnischen Gütern signalisiert", bestätigt David Voskuhl von Diehl Defence.

Meindl: Wanderschuhe und Soldatenstiefel

Doch nicht alle Profiteure von Aufrüstung haben auf den ersten Blick mit Munition und Waffen zu tun. So wie das Familienunternehmen Meindl aus dem oberbayerischen Kirchanschöring im Landkreis Traunstein. Die Firma für Outdoorschuhe stattet nicht nur Wanderer aus, sondern auch die Polizei, Sicherheitskräfte – und die Bundeswehr. "Wir machen Schuhe für das deutsche Militär. Wir haben die Ausschreibung der Kampfstiefel und produzieren in den entsprechenden Mengen", sagt Geschäftsführer Lukas Meindl.

Seit Jahren habe das Unternehmen Aufträge der Bundeswehr. "Heute trägt fast jeder Soldat in Deutschland auch einen Meindlschuh", erklärt Lukas Meindl. Genaue Zahlen will das Unternehmen nicht verraten. Nur so viel: Von den jährlich hergestellten Schuhen produziert Meindl rund zehn Prozent für den Bereich Militär oder Sicherheitsausrüstung.

Outdoor-Firma Tatonka baut sich zweites Standbein auf

Auch der Outdoor-Ausrüster Tatonka aus dem schwäbischen Dasing im Landkreis Aichach-Friedberg rüstet nicht nur Hobbysportler aus. Seit 1996 hat sich das Unternehmen ein zweites Standbein aufgebaut und stellt seitdem unter der Marke "Tasmanian Tiger" Equipment für Polizei und Militär her. Die Kunden: sämtliche Nato-Partner und Spezialeinheiten der Bundeswehr.

Wie stark das Unternehmen durch den Rüstungsaufschwung konkret profitiert, will Andreas Schechinger im BR24-Interview nicht preisgeben: "Wir sind ein Familienunternehmen mit der Größenordnung von knapp 35 Millionen Jahresumsatz. Das haben wir vorher rein mit Outdoor-Artikeln gemacht. Da verschiebt sich das Ganze in Richtung Militär und Polizei im Moment."

Mit "Schöffel" an der Front? "Wir haben uns das sehr gut überlegt"

Das Unternehmen Schöffel aus Schwabmünchen bei Augsburg kleidet neben Wanderern auch Soldaten ein. Für sie müssen die Jacken nicht nur atmungsaktiv sein. "Die Bekleidung muss so gestaltet sein, dass Schutzausrüstungsgegenstände verstaut werden können und dass man sich trotzdem noch bewegen kann", erklärt die Direktorin der Sparte Schöffel-Tec, Nicole Prell.

Das Unternehmen stieg erst im vergangenen Jahr in den Militärbereich ein. "Nach dem Sondervermögenentscheid haben wir gedacht: Wir haben so viel anzubieten, wie wir die Marineoffiziere und die Soldaten ausstatten können. Lass es uns mal probieren", so Prell.

Kann sich ein Outdoor-Ausrüster damit identifizieren, dass Soldaten im Krieg mit dem Namen Schöffel umherlaufen? "Wir haben uns das sehr gut überlegt und ich glaube, wir sind eigentlich stolz zu sagen: Wir unterstützen die Leute, die für uns im Ernstfall geradestehen und möchten denen die beste Ausrüstung geben und unser Know-how einfließen lassen."

Auf Instagram: Hightech-Waffen für Deutschland?

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