Wer verdient wie viel? Während die Steuerstatistik alle zu versteuernden Einkünfte betrachtet, liefern Arbeitsmarktdaten einen anderen Blick. Sie beziehen sich auf das Geld, mit dem die Berufstätigkeit vergütet wird. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lag das monatliche Brutto-Medianentgelt, also Löhne und Gehälter, von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten in Bayern Ende 2024 bei 4.166 Euro. Nicht erfasst sind dabei Beamte, Selbstständige, die nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegen, und Auszubildende.
Höchstes Medianentgelt in Ingolstadt
Die höchsten Medianentgelte wurden in Ingolstadt bezahlt. Dort lag der Wert bei 5.855 Euro. Fast die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten verdiente mehr als 6.000 Euro brutto im Monat. Dahinter folgen die Städte Erlangen und München. Am unteren Ende der bayerischen Gehaltsskala lag der Landkreis Hof mit einem Medianentgelt von 3.294 Euro. Der Median bezeichnet den Wert, der genau in der Mitte einer Reihe von Werten liegt: Die eine Hälfte der Bevölkerung verdient mehr, die andere weniger.
Tabelle: So hoch ist das Medianentgelt in Ihrem Landkreis
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Im Vergleich der Bundesländer belegt Bayern Rang fünf. Die höchsten Medianentgelte werden in Hamburg erzielt, die niedrigsten in Mecklenburg-Vorpommern.
Deutschlandkarte: So unterschiedlich sind die Medianentgelte
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Einkommenskategorien sind unpräzise
Die geläufige Einordnung in "Normal"- oder "Gutverdiener" führt in die Irre. Sie beruht auf Daten aus dem Bundesfinanzministerium. Tatsächlich gibt es eine solche Einteilung im Ministerium nicht. Eine begriffliche Definition habe man nie vorgenommen, schreibt ein Sprecher auf BR24-Anfrage.
Die zugrunde liegende Tabelle stammt aus der jährlich veröffentlichten "Datensammlung zur Steuerpolitik" (externer Link). Sie zeigt, wie sich die Einkommen der Steuerpflichtigen verteilen, welchen Anteil die jeweiligen Gruppen am gesamten zu versteuernden Einkommen haben und wie viel Lohn- und Einkommensteuer sie zahlen. Zu den Einkommen oder Einkünften zählen nicht nur Löhne und Gehälter, sondern auch weitere steuerpflichtige Einkunftsarten, etwa aus Vermietung, Kapitalvermögen oder Unternehmensbeteiligungen.
Gesamtbetrag der Einkünfte: Die Zahlen aus dem Finanzamt
Grundlage sind Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik. Dabei wurden Daten der Einkommensteuerstatistik von 2021 auf das Jahr 2026 fortgeschrieben. Erfasst wird der "Gesamtbetrag der Einkünfte", also Einnahmen nach Abzug von Werbungskosten oder Betriebsausgaben.
Grafik: Ab 111.491 Euro Jahreseinkünfte gehören Sie zu den einkommensstärksten zehn Prozent der Steuerpflichtigen
Den Berechnungen zufolge zählen Menschen mit Jahreseinkünften von mindestens 111.491 Euro zu den einkommensstärksten zehn Prozent der Steuerpflichtigen. Das entspricht rund 9.300 Euro brutto im Monat – nach Abzug von Werbungskosten oder Betriebsausgaben. Zusammen veranlagte Ehepaare oder eingetragene Lebenspartnerinnen und -partner werden als ein Steuerpflichtiger betrachtet.
Die Statistik zeigt zugleich, wie sich das Steueraufkommen verteilt: Die einkommensstärkere Hälfte der Steuerpflichtigen trägt knapp 82 Prozent der gesamten Lohn- und Einkommensteuer. Auf die einkommensschwächere Hälfte entfallen rund 18 Prozent.
Wer gilt eigentlich als reich?
Eine einheitliche Definition von Reichtum gibt es nicht. In amtlichen Statistiken gilt häufig als "einkommensreich", wer mehr als das Doppelte des Medianeinkommens erzielt. Das Institut der Deutschen Wirtschaft setzt die Schwelle höher an. Dort gilt als "einkommensreich", wer das 2,5-Fache des Medianeinkommens erzielt. Für alleinlebende Menschen in Bayern entsprach das zuletzt einem monatlichen Nettoeinkommen von knapp 5.800 Euro. Die Berechnungen basieren auf Daten aus dem Jahr 2022.
Hohe Löhne und Gehälter bedeuten nicht automatisch hohe Kaufkraft
Wie viel vom Gehalt tatsächlich übrig bleibt, hängt nicht nur von dessen Höhe ab, sondern auch von den Lebenshaltungskosten. Der größte Ausgabenposten vieler Haushalte sind Wohnkosten – sei es für Miete oder Wohneigentum.
Die folgenden Daten beziehen sich rein auf die Arbeitsentgelte. Sie zeigen, dass das Verhältnis von Gehalt beziehungsweise Lohn und Mieten regional stark variiert. In Ingolstadt und Erlangen sind die Mieten gemessen an den Einkommen vergleichsweise niedrig. In München fällt die Belastung deutlich höher aus.
Grafik: Mittleres Bruttoentgelt und mittlere Angebots-Mietpreise pro Quadratmeter je Landkreis oder Stadt
In dieser interaktiven Grafik können Sie sich das Verhältnis zwischen mittleren Mietpreisen und dem mittleren Bruttoentgelt je Landkreis und kreisfreie Stadt ansehen. Je näher die Punkte an der Trendlinie liegen, desto ausgeglichener ist das Verhältnis zwischen Mieten/Kaufpreisen und den Gehältern.
Reichtum ist auch eine Frage der Wahrnehmung
Ob jemand als reich wahrgenommen wird, hängt nicht allein vom Einkommen ab. Auch die Zusammensetzung des Haushalts beeinflusst die finanzielle Lage. Mehrere Personen können viele Ausgaben teilen, während Kinder zwar geringere Ausgaben verursachen als Erwachsene, das verfügbare Einkommen aber auf mehr Haushaltsmitglieder verteilt werden muss.
Der aktuelle Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung verweist zudem auf die subjektive Wahrnehmung von Wohlstand. In einer begleitenden Studie nannten die Befragten im Durchschnitt ein monatliches Nettoeinkommen von 7.685 Euro als Schwelle, ab der sie jemanden als reich betrachten würden. Dieser Wert liegt deutlich über den gängigen statistischen Definitionen.
Vermögen spielt ebenfalls eine Rolle
Zur wirtschaftlichen Lage gehört nicht nur das Einkommen, sondern auch das Vermögen. Die Einkommensstatistik enthält auch Erträge aus Vermietung, Kapitalanlagen oder Unternehmensbeteiligungen. Dieses Vermögen kann zusätzliche Erträge generieren und finanzielle Spielräume erweitern.
Laut Armuts- und Reichtumsbericht erzielten 2022 rund 9,9 Prozent der Bevölkerung jährliche Vermögenseinkünfte von mindestens 5.000 Euro pro Jahr.
Daten der Bundesbank zeigen zudem deutliche Unterschiede bei der Vermögensstruktur. In der vermögensärmeren Hälfte der Bevölkerung spielen Bankguthaben und Lebensversicherungen eine wichtige Rolle. Das Vermögen der reichsten zehn Prozent besteht dagegen zu einem erheblichen Teil aus Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen.
Balkendiagramm: Zusammensetzung des Vermögens der Deutschen
💡 Sophie Menner und Claudia Kohler analysieren für BR24 TV, Radio und hier im Digitalen Daten – mit dem Fokus auf Bayern. Die Recherchen beleuchten datengestützt aktuelle Themen und deren Hintergründe und Zusammenhänge. Eine Kooperation mit der Tageszeitung Main-Post ist preisgekrönt. Haben Sie ein Thema, auf das wir mit der Datenbrille schauen sollen? Schreiben Sie uns: br24.feedback@br.de, Stichwort: Datenthema
Dieser Artikel ist erstmals am 7. Juni 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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