Früher war die Vielfalt an Gemüsesorten deutlich größer als heute. Viele Regionen hatten eigene Sorten und lokale Anbauformen. Heute findet sich im Supermarkt meist nur noch eine kleine, einheitliche Auswahl an Gemüsesorten, die auf hohe Erträge, gleichmäßiges Aussehen und lange Transportwege ausgelegt ist. Alte Sorten erfüllen diese Anforderungen oft nicht und sind nur selten zu finden – wie etwa Pastinake, Topinambur, Steckrübe oder Schwarzwurzel.
Alte Gemüsesorten wiederentdecken
Viele dieser sogenannten vergessenen Gemüsesorten waren früher fester Bestandteil der Ernährung und galten teilweise als einfache Alltagskost. In Hunger- und Notzeiten spielten sie eine wichtige Rolle. Mit der Zeit wurden sie durch ertragreichere Sorten verdrängt und verschwanden aus vielen Küchen. Heute rücken sie wieder stärker in den Fokus, weil sie aromatisch, nährstoffreich und oft robust im Anbau sind.
Steckrübe: Vom Notgemüse zum Comeback auf dem Teller
Die Steckrübe ist das wohl bekannteste Beispiel für ein Gemüse mit wechselhaftem Ruf. Früher war sie ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Während des Ersten Weltkriegs wurde sie in Deutschland in großen Mengen gegessen, als viele andere Lebensmittel knapp waren. Danach verschwand sie lange Zeit aus vielen Küchen, weil sie stark mit den Notzeiten assoziiert wurde. Heute wird sie wieder neu entdeckt – vor allem wegen ihres mild-süßlichen, leicht herben Geschmacks, der gut zu Suppen, Pürees oder Ofengerichten passt.
Steckrübe: Vom Notgemüse zum Comeback auf dem Teller
Pastinake: Süßliches und gesundes Wurzelgemüse
Die Pastinake war in Europa lange ein wichtiges Wintergemüse und Grundnahrungsmittel, bevor die Kartoffel sie weitgehend ersetzte. Ihr Geschmack ist mild, leicht süßlich und erinnert an eine Mischung aus Karotte und Nuss. Heute wird sie wieder geschätzt, etwa für Suppen, Pürees oder Ofengemüse.
Sie gilt im Anbau als unkompliziert, braucht aber lockeren, tiefen Boden und etwas Geduld bei der Keimung. Danach ist sie robust und gut lagerfähig. Sie liefert viele Ballaststoffe sowie Kalium und Vitamin C und macht lange satt.
Pastinake: Süßliches und gesundes Wurzelgemüse
Topinambur: Die ertragreiche Knolle mit feiner Süße
Topinambur schmeckt leicht nussig, etwas süß und erinnert an Artischocken. In der Küche wird die Knolle vielseitig genutzt, roh im Salat, geröstet aus dem Ofen, zum Beispiel als Chips, oder als cremige Suppe.
Die Pflanze wächst sehr kräftig und breitet sich leicht aus. Im Anbau ist sie anspruchslos. Besonders interessant ist ihr Gehalt an Inulin, einem Ballaststoff, der als Nahrung für nützliche Darmbakterien dient. Er kann aber bei empfindlicher Verdauung zu Problemen führen.
Topinambur: Die ertragreiche Knolle mit feiner Süße
Schwarzwurzel: Feines Wintergemüse mit mildem Geschmack
Schwarzwurzel galt lange als einfaches Wintergemüse, ist aber geschmacklich sehr fein. Das Aroma ist mild, leicht nussig und wird oft mit Spargel verglichen. Klassisch werden Schwarzwurzeln gekocht und mit Butter serviert, sie passen aber auch in Aufläufe oder moderne Gemüsegerichte.
Der Anbau ist etwas anspruchsvoller, weil die Wurzeln tief und gerade wachsen sollten und die Ernte vorsichtig erfolgen muss. Das Gemüse ist auch im Winter leicht erhältlich und reich an Mineralstoffen und Ballaststoffen.
Schwarzwurzel: Feines Wintergemüse mit mildem Geschmack
Kerbelrübe: Kleine Wurzel mit überraschendem Aroma
Die Kerbelrübe ist heute fast vergessen, dabei galt sie früher als feine Delikatesse. Ihr Geschmack erinnert an eine Mischung aus Marone, Kartoffel und feiner Würze. Besonders gut eignet sie sich für Pürees, Suppen oder als Beilage zu Fleisch und Gemüse.
Im Anbau ist sie etwas empfindlicher und braucht Geduld sowie guten Boden. Genau das hat vermutlich zu ihrem Rückgang beigetragen. Sie zählt kulinarisch zu den aromatisch interessantesten alten Gemüsearten.
Kerbelrübe: Kleine Wurzel mit überraschendem Aroma
Skirret: Die süßliche "Zuckerwurzel" aus dem Mittelalter
Skirret, auch Zuckerwurzel genannt, war schon im Mittelalter verbreitet. Mehrere dünne Wurzeln wachsen an einer Pflanze und bringen ein süßliches, leicht würziges Aroma mit.
Sie wird gekocht oder geröstet verwendet und passt zu Suppen oder als Beilage. Im Anbau ist sie robust, braucht aber Zeit und Platz. Sie war früher eine zuverlässige Nahrungsquelle.
Skirret: Die süßliche "Zuckerwurzel" aus dem Mittelalter
Wiederentdeckung alter Gemüsesorten
Viele alte Gemüsesorten sind nie wirklich verschwunden. Sie waren aber lange aus den meisten Küchen verschwunden und nur noch in einzelnen Regionen, in alten Rezepten oder in kleinen Gärten zu finden. Heute aber erinnert man sich wieder an die Vorzüge dieser alten Sorten, sodass sie wieder häufiger auf Wochenmärkten oder in Gemüsekisten zu finden sind.
Im Video: Von der Vielfalt alter Gemüsesorten
Von der Vielfalt alter Gemüsesorten
Dieser Artikel ist erstmals am 4. Mai 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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