Eine Mondmission mit mehreren Rekorden: Die Artemis-2-Crew war so weit entfernt von der Erde wie noch nie Menschen zuvor: 406.778 Kilometer. Sie führte das erste "außerirdische Ferngespräch" zwischen einem Mondraumschiff und einer Raumstation. Und die Astronauten haben Gebiete auf der Mondrückseite gesehen, die noch nie ein Mensch zuvor mit eigenen Augen begutachten konnte.
Zwar haben bereits Raumfahrer von Apollo-Missionen die von der Erde abgewandte Seite des Mondes gesehen und fotografiert. Da ihr Ziel aber Mondlandungen auf der Vorderseite waren, umkreisten sie den Mond meist nur kurz und unter schlechteren Lichtverhältnissen auf der Rückseite.
Sieben Stunden an der Mondrückseite vorbei
Der Vorbeiflug von Artemis 2 an der Mondrückseite dauerte laut Weltraumbehörde Nasa hingegen sieben Stunden. So konnten die Astronauten bestimmte Regionen erstmals bei idealem Sonnenlicht dokumentieren. Sie analysierten die Struktur, Farb- und Helligkeitsunterschiede der Oberfläche und fotografierten Einschlagkrater, alte Lavaströme und Bruchstellen.
Nasa: Grundlage für dauerhafte Präsenz auf dem Mond
Die Crew beobachtete zudem sechs Meteoriten-Einschlagblitze – und erlebte einige Besonderheiten: eine Sonnenfinsternis sowie einen "Erdaufgang" und "Erduntergang".
"Die neuen Bilddaten werden der Nasa dabei helfen, die Geologie des Mondes besser zu verstehen und zukünftige Erkundungs- und Wissenschaftsmissionen zu planen, die die Grundlage für eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond schaffen werden", schreibt die Nasa (externer Link).
Mondstation am Südpol
Das langfristige Ziel der Nasa: eine permanente Basis am Südpol des Mondes aufbauen. Dort sollen die Bedingungen für eine dauerhafte Raumstation günstig sein.
In den schattigen Kratern soll es Eis geben, aus dem sich potenziell Trinkwasser gewinnen und Sauerstoff und Treibstoff herstellen lässt. Zudem scheint an der Südpoloberfläche fast immer die Sonne – beste Voraussetzungen, um eine Energieversorgung der Station mit Solarzellen zu gewährleisten.
Trainingsplatz für Marsmissionen
Mit einer Mondstation hätte die Nasa eine Forschungsstation – und einen Trainingsplatz für künftige Reisen zum Mars. Wenn Astronauten zum Mars fliegen, müssten sie Monate bis Jahre ohne ständigen Lebensmittel- und Materialnachschub von der Erde überleben.
Auf einer Mondstation könnten sie unter anderem üben, wie sie vor Ort Wasser gewinnen und recyceln, Materialien aus der Umgebung nutzen und sich vor Gefahren wie Strahlung und Staub schützen.
Warum keine Mondlandung?
Doch wenn es um eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond geht – weshalb landete Artemis 2 nicht dort? Die Mission befindet sich noch in der Testphase, Artemis 2 sollte erstmal die Orion-Raumkapsel testen. Sie hat bislang nur unbemannte Testflüge hinter sich. Beim jetzigen Flug mit Astronauten ging es vor allem darum, Manöver zu üben und Navigations- und Kommunikationssysteme zu erproben.
Die erste Mondlandung mit Astronauten steht mit Artemis 4 an – aktuell geplant für 2028. Zuvor muss das Landefahrzeug fertig entwickelt und getestet werden. Das ist der Auftrag der Artemis-3-Mission. Wenn alles funktioniert, plant die Nasa jährliche Mondlandungen mit Astronauten.
Astronaut Alexander Gerst sieht bedeutenden Meilenstein
Der Mond soll also Testgelände für längerfristiges Leben außerhalb der Erde werden. Für den deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst ist die Artemis-Mission deswegen ein bedeutender Meilenstein, wie er in der mdr-Dokumentation "Artemis 2 – Zurück zum Mond" (externer Link) beschreibt: "Ich glaube, diese Zeit, in der der Mensch lernt, die ersten Schritte von diesem Planeten raus in dieses große Unbekannte zu gehen, das wird so signifikant sein wie der erste Fisch, der den Ozean verlassen hat."
Rückkehr zum Mond: Wieso ausgerechnet jetzt?
Die letzte bemannte Mondlandung war 1972. Die damaligen Mondmissionen waren angetrieben vom Wettlauf zum Mond im Kalten Krieg. Mit den Apollo-Mondlandungen war für die USA das Ziel, der Sowjetunion zuvorzukommen, erfüllt.
Danach konzentrierte sich die Nasa unter anderem auf die Entwicklung von Shuttles und der Raumstation ISS. Doch seit dem Nachweis von Eis auf dem Mond gibt es gute Gründe, zurückzukehren – und den Mond als Test- und Versorgungsstation für den tieferen Weltraum aufzubauen. Es geht zudem auch um eine wirtschaftliche Nutzung des Mondes und seiner Rohstoffe.
Und erneut ist ein Wettbewerb im Gange, denn Mondregionen mit Eis sind begrenzt. Wer dort zuerst Infrastruktur aufbaut, hat Vorteile. Auch China hat bereits konkrete Pläne, eine Mondstation zu errichten.
Dieser Artikel ist erstmals am 9.04.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel aktualisiert und erneut publiziert.
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