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Glyphosat durch Waschmittel: Was können Verbraucher tun?
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Glyphosat durch Waschmittel: Was können Verbraucher tun?

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Glyphosat durch Waschmittel: Was können Verbraucher tun?

Glyphosat durch Waschmittel: Was können Verbraucher tun?

Glyphosat in der Umwelt – lange galt die Landwirtschaft als Hauptursache. Neue Analysen zeigen: Auch Waschmittel aus Haushalten tragen dazu bei. Was kann der Verbraucher tun, um problematische Inhaltsstoffe zu vermeiden und die Umwelt zu schonen?

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Bisher wurde das umstrittene Herbizid Glyphosat vor allem mit der Landwirtschaft in Verbindung gebracht. Langjährige Untersuchungen des Teams um die Chemikerin Carolin Huhn von der Universität Tübingen (externer Link) zeigen jedoch, dass die Belastung auch fernab landwirtschaftlicher Flächen auffällig hoch ist. Besonders bemerkenswert: Die Werte bleiben über das Jahr hinweg relativ konstant und folgen nicht den typischen Spritzzeiten auf Feldern.

Glyphosat-Vorläufer stammen aus Waschmitteln

Die Ergebnisse stützen die Vermutung, dass ein Teil des Glyphosats aus Siedlungsabwässern stammt – also indirekt aus Haushalten. Verantwortlich sind bestimmte Zusatzstoffe in Waschmitteln, insbesondere DTPMP (Diethylentriaminpenta(methylenphosphonat)) und verwandte Aminopolyphosphonate (APPs), die in Kläranlagen chemisch zu Glyphosat umgewandelt werden können. Diese Phosphonate tauchen in vielen Wasch- und Reinigungsmitteln auf.

Das Verbrauchermagazin Öko-Test kritisiert Phosphonate wegen ihrer schweren Abbaubarkeit schon lange: "Häufig handelt es sich um Etidronic acid bzw. deren Salz Tetrasodium Etidronate (Natriumetidronat). Ein neues Problem ist die Bildung von Glyphosat aus bestimmten Phosphonaten wie DTPMP in Kläranlagen, was die Wissenschaftler um Prof. Carolin Huhn nachvollziehbar gezeigt haben", wie Öko-Test auf Anfrage von BR24 mitteilt.

Wie erkennt man, dass Waschmittel Glyphosat-Vorläufer enthalten?

"Phosphonate lassen sich umgehen, wenn man sich die Liste der Inhaltsstoffe auf den Verpackungen anschaut. Bei Waschmitteln stehen dort dann gegebenenfalls 'Phosphonate'." Wer genau wissen will, um welches Phosphonat es sich konkret handelt, muss im Internet auf Recherche gehen.

Hintergrund: Die Verordnung (EG) Nr. 648/2004 (Anhang VII, Abschnitt D) (externer Link) regelt die Zusammensetzung und Kennzeichnung von Wasch- und Reinigungsmitteln in der EU.

Auf der Seite des Waschmittelherstellers nachschauen

Wer die vollständige Liste der Inhaltsstoffe wissen will, muss sich auf die Seite des Herstellers begeben und dort im "Datenblatt nach Detergenzien-Verordnung" nachschauen. Große Marken haben oft eine Rubrik wie "Produktinformationen", "Sicherheitsdatenblätter / SDS", "Detergenzien-Datenblatt" etc. Dort müssen im Gegensatz zur Kennzeichnung auf der Verpackung alle Inhaltsstoffe einzeln gelistet sein. Schauen Sie dort nach, ob DTPMP oder Aminopolyphosphonate aufgelistet sind. "Kosmetika wie Seifen, Shampoos etc. führen in der Liste der Bestandteile (Ingredients) die konkrete Verbindung auf. Hier ist es nach unserer Erfahrung häufig Etidronic acid oder Tetrasodium Etidronate", schreibt Öko-Test auf Anfrage von BR24.

Und wenn man sich diesen Umstand ersparen will? Gibt es Waschmittel, mit denen man auf der sicheren Seite ist? Ja, sagt Dr. Kerstin Effers, Diplom-Chemikerin und Referentin für Umwelt und Gesundheitsschutz bei der Verbraucherzentrale NRW: "Achten Sie beim Waschmittelkauf auf folgende Siegel: Blauer Engel, NCP (Natural Care Product), Ecocert, Eco-Garantie. Diese schließen die Verwendung der Glyphosat-Vorläufer aus und stellen weitere Umweltanforderungen, die über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehen."

Tipps: So vermeiden Sie kritische Inhaltsstoffe in Waschmitteln

  1. Umweltzeichen gezielt nutzen: Waschmittel mit anerkannten Umwelt- und Naturstandards verzichten auf bestimmte Phosphonate, die als mögliche Glyphosat-Vorläufer gelten.
  2. Flüssige Waschmittel kritisch prüfen: Der Stoff DTPMP wird vor allem in flüssigen Waschmitteln, Gel-Tabs und Caps eingesetzt, deutlich seltener in klassischen Pulverwaschmitteln. Wer auf Pulver ausweicht, kann die Wahrscheinlichkeit problematischer Inhaltsstoffe verringern.
  3. Detergenzien-Datenblätter einsehen: Wer es genauer wissen möchte, kann auf den Internetseiten der Hersteller nach dem Datenblatt gemäß EU-Detergenzienverordnung suchen. Dort müssen alle Inhaltsstoffe einzeln aufgeführt sein – anders als auf der Verpackung. Hinweise auf DTPMP oder Aminopolyphosphonate gelten als Indiz für mögliche Glyphosat-Vorläufer.
  4. Hersteller kontaktieren: Findet man auf den Herstellerseiten nichts, kann man den Hersteller anschreiben. Gemäß "Anhang VII, Abschnitt D der EU-Verordnung 648/2004" muss er die vollständige Liste der Inhaltsstoffe auf Anfrage bereitstellen.

Ob Waschmittel bundesweit den größten Beitrag zur Glyphosat-Belastung leisten, ist noch nicht abschließend geklärt. Klar ist aber: Verbraucherinnen und Verbraucher können durch bewusste Kaufentscheidungen Umweltbelastungen reduzieren.

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