Ein Schwimmer im Schwimmbad, der auf dem Rücken im Wasser ist und dem Betrachter die Füße entgegenstreckt
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Kaum sind wir im Wasser, müssen wir auch schon dringend aufs Klo. Warum ist das so?
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Kaum sind wir im Wasser, müssen wir auch schon dringend aufs Klo. Warum ist das so?

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Warum müssen wir öfter pieseln, wenn wir im Wasser baden?

Warum müssen wir öfter pieseln, wenn wir im Wasser baden?

Kennt man: Auf dem Badetuch war noch alles entspannt, aber kaum schwimmt man im Wasser, steigt der Harndruck und man muss plötzlich ganz dringend auf die Toilette. Warum? Die Erklärung ist eigentlich ganz einfach.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 1 am Morgen am .

Selbst wenn man kurz davor noch auf dem Klo war und extra wenig getrunken hat: Sobald man sich länger im Wasser aufhält, drückt die Blase. Wieso eigentlich? Will da Wasser zu Wasser – oder was hat es damit auf sich? Die Antwort ist einfach und überraschend: Es hat weder etwas mit dem Wasser noch mit dem Urin zu tun – es liegt am Blut.

Mit der Leichtigkeit im Wasser strömt mehr Blut zum Herz

Im Wasser zu baden, sorgt dafür, dass ein größerer Teil unseres Blutes sich in der Körpermitte und auch im Herz sammelt. Dafür sorgen gleich mehrere Umstände beim Baden:

  • Im Wasser schweben wir und sind der Schwerkraft ein wenig entzogen. Diese zieht uns aber normalerweise das Blut nach unten in die Beine und Füße. Im Wasser aber kann das Blut leichter zirkulieren und verteilt sich so mehr als üblich in der oberen Körperhälfte. Wer zusätzlich schwimmt – also die Beine auf gleicher Höhe wie den Oberkörper hält statt nur am Beckenrand zu hängen – lässt noch mehr Blut in Rumpf und Kopf gelangen.
  • Der Wasserdruck wirkt außerdem wie ein Kompressionsstrumpf auf Arme und Beine und verengt die Gefäße in den Gliedmaßen. Auch das lässt das Blut eher zur Körpermitte strömen. Je tiefer wir uns im Wasser befinden, umso mächtiger kann der Harndrang werden – Taucherinnen und Taucher wissen ein Lied davon zu singen.
  • Halten wir uns außerdem lange in kühlerem Wasser auf, sorgt die Kälte dafür, dass der Körper das Blut möglichst in der Körpermitte versammelt, um die lebenswichtigen Organe vor der Kälte zu schützen.

Herz an Niere: Wasser lassen!

Das viele Blut in der Körpermitte drückt aber nicht etwa auf die Blase, sondern etwas auf das Herz. Dort registrieren empfindliche Zellen, dass der Blutdruck scheinbar gestiegen ist. Dagegen lautet die Notfallstrategie des Körpers: Druck ablassen! Der Niere wird gemeldet: schnell entwässern! Und das tut sie – und füllt die Blase mit Urin.

Wissenschaftlich exakt beschrieben wird der Vorgang mit dem Gauer-Henry-Reflex (auch Henry-Gauer-Reflex), den die beiden gleichnamigen Forscher im 20. Jahrhundert entdeckt haben.

Auch bei Kälte steigt der Harndrang

Genau der gleiche Mechanismus – vom Schweben mal abgesehen – ist übrigens am Werk, wenn wir frieren: Auch dann müssen wir häufiger aufs Klo, weil die Kälte das Blut in die Körpermitte treibt. Meist ist das auch noch sehr kontraproduktiv, weil nicht immer ein geheiztes Klohäuschen zu finden ist.

Jeder Astronaut kennt den Gauer-Henry-Reflex

Wenn Sie das nächste Mal der plötzliche Harndrang aus dem Becken oder See hinaustreibt, dann trösten Sie sich: Jede Astronautin und jeder Astronaut kennt das Problem ebenfalls. Sie sitzen kopfunterhängend in den Raumkapseln, während sie auf den Start ihrer Raketen warten. Aufs Klo gehen ist da natürlich nicht mehr. Deswegen tragen sie immer eine spezielle Windel unter dem Raumanzug.

Im Video: Das steckt hinter dem Chlorgeruch im Freibad

Chlor-Geruch im Schwimmbad entsteht in Kombination mit Urin. Hier planscht ein Junge im Freibad.
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Chlor-Geruch im Schwimmbad entsteht in Kombination mit Urin. Hier planscht ein Junge im Freibad.

Dieser Artikel ist erstmals am 15. Juli 2024 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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