Ob in im Club oder bei einer privaten Party - wer sein Getränk unbeaufsichtigt stehen lässt, sollte es danach nicht mehr trinken. Denn immer wieder werden sogenannte K.o.-Tropfen (vom englischen Begriff "Knock-out") unbemerkt ins Glas geträufelt. Viele der verwendeten Substanzen sind nahezu farb- und geschmacklos. Sie "knocken" die Opfer aus und machen sie wehrlos. Dadurch steigt das Risiko für Übergriffe oder sexuellen Missbrauch. Und es ist ein Irrglaube, dass dies nur in Umgebungen mit vielen Fremden passiert. Auch im privaten Raum werden Frauen Opfer von K.o.-Tropfen.
K.o.-Tropfen: Warum Wirkung und Symptome stark variieren
Die Wirkung von K.o.-Tropfen setzt kurz nach der Einnahme ein und dauert abhängig von der Substanz und Dosis meist einige Stunden an. Auch die Symptome und Ausfälle können immer unterschiedlich sein, je nachdem, wie viel oder welche Art von K.o.-Tropfen man verabreicht bekommen hat.
Einige Substanzen führen dazu, dass einem womöglich "schwummerig" wird, man aber noch reagieren oder etwas sagen kann. Andere hingegen führen direkt in eine anterograde Amnesie, das heißt, man kann sich im Nachhinein an nichts mehr erinnern. Deshalb sind auch Gadgets, wie Armbänder, die erkennen können, ob K.o.-Tropfen im Glas sind, nur teilweise zu empfehlen. Denn sie können nicht die Bandbreite aller Betäubungsmittel erfassen und wiegen einen in falscher Sicherheit.
Was sind K.o.-Tropfen eigentlich?
Zahlreiche unterschiedliche Wirkstoffe können als K.o.-Tropfen missbraucht werden. Alle diese Substanzen haben eines gemeinsam: Sie wirken betäubend und beeinträchtigen das Gedächtnis. Therapeutisch werden sie oft als Schlaf- oder Beruhigungsmittel eingesetzt. Von K.o.-Tropfen spricht man, sobald Straftäter die Substanzen dazu benutzen, ihre Opfer wehrlos zu machen, um sie etwa sexuell zu missbrauchen.
Dazu mischen sie die Tropfen überdosiert in Speisen oder Getränke. Meist setzt die Wirkung innerhalb weniger Minuten ein und kann bis zu mehrere Stunden andauern. Meist können sich die Opfer anschließend an nichts oder nur sehr wenig erinnern.
K.o.-Tropfen: Diese Symptome können auftreten
- Übelkeit, Schweißausbrüche oder Schwindel
- Wahrnehmungsschwierigkeiten
- Gefühl wie in "Watte gepackt"
- ein "benebeltes" Gefühl
- Erinnerungsstörungen, die oft auch plötzlich auftreten können
- nachdem man wieder zu sich gekommen ist: starke Übelkeit, Erbrechen, Panik- und Angstanfälle
- Konzentrationsstörungen und Erinnerungslücken
Verdacht auf K.o.-Tropfen: Was Betroffene tun sollten
Wenn man nach dem Besuch einer Disco, eines Clubs, einer Bar oder auch einer privaten Feier Erinnerungslücken hat, sich merkwürdig fühlt oder anderweitig ein ungutes Gefühl hat und meint, dass etwas nicht stimmt, sollte man diesem Gefühl einfach vertrauen und schnellstmöglich in der Opferambulanz der Rechtsmedizin (externer Link) anrufen und einen Termin ausmachen - noch für den gleichen Tag. Dort werden die Betroffenen untersucht und es werden Spuren gesichert. Schnelles Handeln ist notwendig, denn einige Substanzen sind nur wenige Stunden nachweisbar.
Warum ein Gedächtnisprotokoll wichtig ist
Wichtig ist auch, ein Gedächtnisprotokoll zu erstellen: Was weiß man noch? Gab es Zeugen? Wo hat das Ganze stattgefunden? Welcher Club war es? Wo bin ich aufgewacht? Das ist besonders wichtig, wenn Frauen sich erst später entschließen, eine Anzeige zu erstatten.
Schutz vor K.o.-Tropfen: So kann man vorbeugen
Damit es aber gar nicht erst dazu kommt, sollte man immer auf sein Getränk aufpassen. In Clubs sind sich die Leute der Gefahr häufig bewusst. Sie trinken nur aus Flaschen, die sie selbst öffnen, oder bei denen sie beim Öffnen dabei gewesen sind und halten dann ihren Finger in die Öffnung, wenn sie nicht gerade trinken. Vorbeugung ist in jedem Fall die bessere Alternative. Frauen gegen Gewalt e.V. (externer Link) hat einige Tipps zusammengestellt, wie man sich vor K.o.-Tropfen schützen kann:
- Keine offenen Getränke von Unbekannten annehmen.
- Bei Unwohlsein oder Übelkeit Freundinnen, Freunde oder Personal (z.B. in Kneipen oder Diskotheken) ansprechen.
- Sich um Freunde und Freundinnen kümmern, die zu viel getrunken haben – "zusammen kommen, zusammen gehen" und aufeinander achten ist eine sehr wirksame Präventionsmaßnahme.
- Nicht zögern, den Club oder die Party zu verlassen, wenn man sich dort nicht sicher fühlt.
- Im Zweifel die Polizei anrufen.
Im Video: BR-Reporterin Ariane Alter macht einen Selbstversuch mit K.o.-Tropfen
BR-Reporterin Ariane Alter nimmt K.o.-Tropfen
Dieser Artikel ist erstmals am 06. Oktober 2021 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel überarbeitet und erneut publiziert.
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Dieser Artikel ist erstmals am 24.2. 2020 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel aktualisiert und erneut publiziert.
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