Zwei Hände - jeweils mit Tabletten und einem Apfel, Pillenschachtel und Obstteller
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Hans Hauner, TUM: Brauchen wir Vitamin-Tabletten?
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Hans Hauner, TUM: Brauchen wir Vitamin-Tabletten?

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Sinnvoll oder unnötig: Brauchen wir täglich Vitamintabletten?

Sinnvoll oder unnötig: Brauchen wir täglich Vitamintabletten?

Brausetabletten, Pillen, Pulver: Viele greifen zu Vitaminpräparaten – aus Sorge, nicht gut versorgt zu sein. Doch hilft das wirklich der Gesundheit? Und wann wird es zu viel? Ein Überblick über weitverbreitete Mythen rund um Vitamine.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Abend am .

Vitaminpräparate in Form von Pillen, Brausetabletten oder Gummibärchen füllen ganze Regalreihen in Drogerien und Supermärkten. Schnell entsteht der Eindruck: Ohne tägliche Nahrungsergänzung kommt man kaum durch den Alltag. Viele Menschen greifen nach dem Motto "Kann ja nicht schaden" regelmäßig zu solchen Produkten. Doch genau das kann gesundheitliche Risiken mit sich bringen.

Reicht eine ausgewogene Ernährung für die Vitaminversorgung?

Wer sich vielseitig und ausgewogen ernährt, nimmt in der Regel alle wichtigen Vitamine über die Nahrung auf. Frisches Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, Milch, Nüsse und Fisch enthalten in der Regel ausreichend Nährstoffe. Schon ein Frühstück mit Haferflocken und Banane, ein belegtes Vollkornbrot oder eine Handvoll Nüsse tragen zur Bedarfsdeckung bei.

Das bestätigt auch Hans Hauner, Ernährungsmediziner an der technischen Universität München (TUM): "Selbst wenn wir uns nicht optimal ernähren – was sicherlich auf die meisten zutrifft – besteht überhaupt kein Bedarf. Die heutige Ernährung ist so vielseitig und enthält so viele Nährstoffe, dass ein Mikronährstoffmangel wirklich extrem selten vorkommt – vielleicht bei bestimmten Krankheiten, aber nicht in der Allgemeinbevölkerung bei üblichen Ernährungsgewohnheiten."

"77 Prozent der Deutschen Nahrungsergänzungsmittel"

Trotzdem nehmen laut der Verbraucherzentrale Bayern [externer Link] 77 Prozent der Deutschen Nahrungsergänzungsmittel - eine unglaubliche Zahl: "Das ist wirklich Wahnsinn, was sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Es wird immer mehr geschluckt, und das ist fast bedenklich, denn die meisten dieser Mittel sind nicht nur nutzlos, sondern kosten auch eine Stange Geld. Einige können in bestimmten Situationen sogar schädlich sein – also eine sehr, sehr fragwürdige Entwicklung", sagt Hauner.

Wann sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

In bestimmten Situationen kann es medizinisch sinnvoll sein, gezielt Vitamine einzunehmen - allerdings nur nach ärztlicher Rücksprache. So wird Schwangeren etwa die Einnahme von Folsäure und häufig auch von Jod empfohlen. Wer sich vegan ernährt, muss dauerhaft Vitamin B12 ergänzen. Bei älteren Menschen oder solchen, die nur wenig Sonnenlicht abbekommen, kann ein Mangel an Vitamin D auftreten.

Auch bei einem ärztlich diagnostizierten Mangel kann eine gezielte Zufuhr helfen. Auf Verdacht sollte man jedoch keine hochdosierten Präparate einnehmen.

Können Vitamine gefährlich sein?

Vitamine sind gesund – das stimmt grundsätzlich auch. Doch eine übermäßige Zufuhr kann negative Folgen haben. Fettlösliche Vitamine wie A, D, E und K werden im Körper gespeichert – und können sich mit der Zeit anreichern. Das kann auf Dauer zu Beschwerden führen: von Übelkeit bis hin zu Leberschäden. Auch Vitamin D kann in zu hohen Dosen problematisch werden – etwa, wenn es die Kalziumwerte im Blut aus dem Gleichgewicht bringt.

Aber selbst bei wasserlöslichen Vitaminen wie C oder B ist Vorsicht geboten. Zwar scheidet der Körper Überschüsse meist wieder aus, trotzdem kann eine hohe Zufuhr Magen und Nieren belasten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung [externer Link] hat deshalb Höchstmengen für die sichere Aufnahme über Nahrungsergänzungsmittel empfohlen.

Hilft Vitamin C wirklich gegen Erkältungen?

Die Annahme, dass Vitamin C zuverlässig vor Erkältungen schützt, hält sich hartnäckig. Tatsächlich braucht das Immunsystem Vitamin C – aber mehr hilft nicht automatisch mehr.

Studien [externer Link] zeigen: Eine dauerhaft erhöhte Vitamin-C-Zufuhr senkt bei gesunden Menschen nicht das Erkältungsrisiko. Wer bereits krank ist, kann mit Vitamin C aber wohl die Dauer der Symptome leicht verkürzen.

Sind natürliche Vitamine besser als synthetische?

Eine weitere verbreitete Annahme ist: Nur Vitamine aus natürlichen Lebensmitteln seien "echte" Vitamine. Ob ein Vitamin aus einem Apfel oder aus dem Labor stammt – chemisch betrachtet unterscheidet es sich meist nicht. Der Körper kann beide Formen verwerten.

Dennoch haben natürliche Lebensmittel Vorteile: Sie enthalten zusätzlich sekundäre Pflanzenstoffe, Ballaststoffe und andere wertvolle Begleitstoffe. Eine ausgewogene Ernährung liefert damit nicht nur Vitamine, sondern auch viele weitere gesundheitsfördernde Substanzen.

Vitamine: Nicht immer hilft mehr auch mehr

Vitamine sind lebensnotwendig – doch viel hilft nicht viel. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine gesunde Ernährung. Wer ohne nachgewiesenen Mangel regelmäßig zu Präparaten greift, setzt sich unnötigen Risiken und Kosten aus.

Eine Einnahme ist nur dann sinnvoll, wenn ein konkreter Bedarf besteht – und sollte immer ärztlich oder ernährungsmedizinisch begleitet werden.

Dieser Artikel ist erstmals am 13.7.2025 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

Dieser Artikel ist erstmals am 13. Juli 2025 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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