Christine B. ist eine der Patientinnen, die wegen ihrer Parkinson-Erkrankung unter schweren motorischen Einschränkungen leiden: Ihre Bewegungen sind verlangsamt, die Muskeln unbeweglich und steif. Als bei ihr Parkinson diagnostiziert wurde, bekam sie zunächst Levodopa verschrieben. Der Wirkstoff wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt. Das verbessert dort die Kommunikation zwischen den Nervenzellen und wirkt den Parkinson-Symptomen entgegen.
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Nach einigen Jahren reichen die Medikamente allein aber nicht mehr aus, um die Symptome ausreichend zu lindern. Christine B. hat Krämpfe in den Beinen, kann nur schwer gehen oder ihre Arme bewegen. Deshalb wird ihr zusätzlich eine neue Therapie empfohlen, die sogenannte "adaptive tiefe Hirnstimulation". Diese zeigt auch Wirkung.
Grafik: Hirnaktivität bei der Anwendung der adaptiven Hirnstimulationstherapie
Messkurve der Hirnaktivität bei der Anwendung der adaptiven Hirnstimulationstherapie
Elektroden senden Impulse in Hirnregionen
Die "adaptive tiefe Hirnstimulation" ist eine Weiterentwicklung der "tiefen Hirnstimulationstherapie". Die neue Therapie ist seit 2025 in Europa zugelassen und kann bei Parkinson-Fällen eingesetzt werden, bei denen die medikamentöse Behandlung allein nicht mehr ausreicht. Kleine, dünne Elektroden werden tief im Gehirn implantiert und über ein Kabel unter der Haut an einen Schrittmacher in der Brust der Patientin oder des Patienten angeschlossen. Die Elektroden senden elektrische Impulse in die betroffenen Hirnregionen, um dort krankhafte Hirnaktivitäten zu regulieren. Bei Parkinson ist diese Region im Gehirn oft der sogenannte Nucleus Subthalamicus im Zwischenhirn.
Das ist bei der adaptiven Hirnstimulation anders
Bei der bisherigen Therapie-Methode – der tiefen Hirnstimulation – geben die Elektroden durchgehend elektrische Impulse ab, unabhängig davon, ob der Patient gerade motorische Beschwerden hat oder ein Schmerzgefühl verspürt. Dabei steigt jedoch das Risiko für Nebenwirkungen. Das können unter anderem Sprach- oder Gleichgewichtsstörungen sein, depressive Verstimmungen oder impulsives Verhalten. Wenn das Gerät abgeschaltet wird, können die Nebenwirkungen zwar wieder verschwinden, die Linderung der Beschwerden ist aber ebenfalls dahin.
Therapie, angepasst an individuelle Parkinson-Symptome
Die adaptive Neurostimulation – auch aDBS, adaptive deep brain stimulation genannt – steuert diesen Nebenwirkungen effektiv entgegen Der grundlegende Mechanismus ist derselbe wie bei der herkömmlichen tiefen Hirnstimulation. Aber statt konstant elektrische Impulse abzugeben, reagiert die adaptive Neurostimulation in Echtzeit auf die Hirnaktivität und stimuliert die jeweiligen Hirnbereiche in Frequenz und Intensität nur nach Bedarf.
Patientinnen wie Christine B. müssen also nicht zu mehreren Folgebesuchen zum Arzt, um Schritt für Schritt die besten Einstellungen für ihre Symptome zu finden, sondern können sich mehr auf den eingebauten Algorithmus verlassen. "Ich würde es wieder machen – es ist ein voller Unterschied zu früher", sagt Christine B.
Erste gute Ergebnisse mit einigen Parkinson-Patienten
Andrea Kühn, Professorin für Neurologie an der Charité-Universitätsmedizin-Berlin, hat in ihrer Studie acht Parkinson-Patienten über einen Zeitraum von zwei Wochen mit der neuen adaptiven Therapie beobachtet. Das Ergebnis: Das allgemeine Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten hat sich mit der neuen Therapie signifikant verbessert, so Kühn. Sechs der acht Patienten an der Charité sind danach langfristig auf die neue adaptive Neurostimulation umgestiegen.
"Wearables" als Add-On der adaptiven Therapie
Damit die Therapie weiter angepasst werden kann, braucht es aber noch mehr Studien und weitere Daten. Diese ließen sich mit sogenannten "Wearables" erheben, etwa mit Smartwatches. Sie könnten motorische Symptome bei Parkinson-Patienten wie zum Beispiel Zittern messen und so eine noch genauere Hirnstimulation ermöglichen.
Noch ist die adaptive tiefe Hirnstimulation kein Standardverfahren. Doch sie markiert einen wichtigen Schritt hin zu personalisierten, lernfähigen Therapien in der Neurologie. Ob sie tatsächlich einen deutlichen Fortschritt in der Parkinson-Behandlung darstellt, werden größere Langzeitstudien zeigen.
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