Ein Mann und eine Frau ziehen mit der Hand an dem Fettgewebe des Bauches.
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Cortisol und Bauchfett: Was hinter dem Social-Media-Hype steckt
Bildrechte: picture alliance Zoonar Olena Vasylieva
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Cortisol und Bauchfett: Was hinter dem Social-Media-Hype steckt

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Cortisol und Bauchfett: Was hinter dem Social-Media-Hype steckt

Cortisol und Bauchfett: Was hinter dem Social-Media-Hype steckt

Bauchfett, schlechter Schlaf, Stress? Laut Social Media soll ein Cortisolüberschuss dahinterstecken. Mit "Cortisol-Detox" soll das Hormon ins Gleichgewicht kommen. Dabei erfüllt Cortisol wichtige Aufgaben im Körper. Was ist dran an dem Trend?

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Nah dran am .

Man schläft schlecht, fühlt sich gestresst, der Bauch wirkt runder als früher: Auf Social Media ist die Diagnose schnell gestellt: Übeltäter sei das Stresshormon Cortisol. Unter Schlagworten wie "Cortisolbauch", "Cortisol Belly" oder "Cortisol-Detox" finden sich Selbsttests, Ernährungstipps und Empfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel. Die Idee hinter dem Hype: Cortisol soll gezielt gesenkt, der Körper gar "entgiftet" werden.

Warum Fachleute vor dem Cortisol-Trend warnen

Richtig ist: Stress kann den Cortisolspiegel beeinflussen. Problematisch wird es aber, wenn daraus eine einfache Erklärung für Bauchfett, Müdigkeit oder schlechten Schlaf gemacht wird. Birgit Harbeck, Mediensprecherin der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) warnt laut dem Deutschen Ärzteblatt (externer Link) vor dem Hype: "Dieser Trend ist gefährlich, weil er völlig verkennt, dass es sich bei Cortisol um ein lebensnotwendiges Hormon handelt, das den Körper überhaupt erst leistungsfähig macht und bei allen Menschen in einer tageszeitlichen Rhythmik und bedarfsgerecht gebildet wird."

Was ist Cortisol überhaupt?

Cortisol ist ein Hormon aus der Nebennierenrinde. Der Körper schüttet es nicht nur bei Stress aus, sondern braucht es jeden Tag: Cortisol trägt dazu bei, Kreislauf und Blutzucker stabil zu halten, bremst Entzündungsreaktionen und hilft dem Stoffwechsel, sich an Belastungen anzupassen. Die Bezeichnung "Stresshormon" stimmt also nur teilweise. Entscheidend ist die Balance – zu viel kann problematisch sein, zu wenig aber auch, so die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) (externer Link).

Warum einzelne Cortisol-Tests kaum aussagekräftig sind

Hinzu kommt: Cortisol ist kein fester Wert, der den ganzen Tag gleich bleibt. Morgens, insbesondere kurz nach dem Aufwachen, ist der Cortisolspiegel normalerweise am höchsten. Im Tagesverlauf sinkt er und erreicht nachts seine niedrigsten Werte. Akuter Stress kann zusätzliche Ausschläge verursachen. Wer irgendwo im Netz einen einzelnen Selbsttest macht, bekommt deshalb keine verlässliche Einordnung. Ohne Tageszeit, Beschwerden und ärztliche Bewertung lassen sich solche Werte leicht falsch verstehen. Die DGE bezeichnet die in sozialen Medien angebotenen kostenpflichtigen Selbsttests als "nicht valide, ungenau und irreführend".

Studienlage: Was ist dran am "Cortisolbauch"?

Der Begriff "Cortisolbauch" vermittelt den Eindruck, Bauchfett lasse sich auf eine einzige Ursache zurückführen. Die Studienlage gibt das nicht her. Eine kleine Studie (externer Link) untersuchte 59 gesunde Frauen vor der Menopause. Dabei zeigten Frauen mit stärkerer Fettverteilung am Bauch eine stärkere Cortisolreaktion auf Belastung und berichteten häufiger von chronischem Stress. Die Querschnittsstudie zeigt damit einen Zusammenhang, beweist aber nicht, dass Cortisol die Ursache für die Fettverteilung ist.

Auch eine größere Studie (externer Link) mit 369 Menschen mit Übergewicht oder Adipositas sowie 60 gesunden Freiwilligen fand keinen klaren Zusammenhang zwischen den gemessenen Cortisolwerten und Adipositas oder dem metabolischen Syndrom. Die Autorinnen und Autoren beschreiben die bisherige Forschung zudem als widersprüchlich.

Warum Bauchfett nicht nur mit Cortisol zusammenhängt

Cortisol kann im Stoffwechsel durchaus eine Rolle spielen. Für die Rolle als "Sündenbock" für Bauchfett reicht das aber nicht aus. Stress kann sich dennoch auf den Körper auswirken: Wer schlecht schläft, häufig nascht oder permanent erschöpft ist, kann dadurch an Gewicht zulegen oder seinen Stoffwechsel beeinflussen. Ein einzelner Cortisolwert erklärt aber nicht, warum sich Fett am Bauch sammelt.

Wann steckt hinter erhöhtem Cortisol eine Krankheit?

Krankhaft erhöhte Cortisolwerte haben mit den normalen Schwankungen bei Stress wenig zu tun. Eine mögliche Ursache ist das seltene Cushing-Syndrom. Typische Anzeichen sind eine Gewichtszunahme vor allem am Körperstamm, ein rundes Gesicht bei vergleichsweise schlanken Armen und Beinen, breite rötliche Dehnungsstreifen, dünne Haut und Muskelschwäche. Auch Bluthochdruck und Diabetes können auftreten. Ein Cushing-Syndrom kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten entsteht es durch eine längerfristige Behandlung mit Cortison. Seltener sind Tumore der Grund, die eine übermäßige Cortisolproduktion auslösen.

Wer unerwartet rasch zunimmt, eine auffällige Fettverteilung bemerkt oder zusätzlich unter Muskelschwäche, Hautveränderungen oder Bluthochdruck leidet, sollte die Beschwerden ärztlich abklären lassen.

Was wirklich bei Stress hilft

Cortisol ist für den Körper ein wichtiges Hormon und muss nicht "entgiftet" werden. Wer unter Stress leidet, sollte Wege finden, nach Belastungen wieder zur Ruhe zu kommen: ausreichend Schlaf, regelmäßige Erholung und Bewegung. Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen oder Yoga können dabei helfen, Stress abzubauen.

Dieser Artikel ist erstmals am 23. August 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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