Lange Autoschlangen schlängelten sich am Pfingstmontag wieder auf den Hesselberg bei Gerolfingen im Landkreis Ansbach. Etwa 10.000 Besucherinnen und Besucher sind zum Jubiläumskirchentag gekommen, so eine Schätzung des Polizeipräsidiums Mittelfranken.
Aus ganz unterschiedlichen Gründen haben sie sich aus ganz Bayern und dem nahen Baden-Württemberg zum größten evangelischen Treffen Süddeutschlands zusammengefunden "Es ist so eine Art Tankstelle für die Kraft für die kommenden Tage und Wochen. Und es sind viele Gleichgesinnte hier" , sagte Helmut Wagner zum BR. "Wir sind aus der Nähe und wollen den Kindern mal zeigen, wie es so bei der Kirche ist", erklären Julia und Franz Böhm ihren Familienausflug zum Kirchentag.
Kirchentag soll Hoffnung machen
Begonnen hat der Tag mit einem festlichen Open-Air-Gottesdienst auf der Kirchentagswiese vor dem Evangelischen Bildungszentrum auf dem Hesselberg.
Das Motto des diesjährigen Kirchentags lautete: "Wenn Hoffnung Schule macht". Landesbischof Christian Kopp sagte im BR-Interview, die Hoffnung dürfe nie aufgegeben werden, auch wenn die Hoffnung in der aktuellen Zeit sehr strapaziert werde: "Deshalb musst du die Hoffnung trainieren. Das geht am besten, wenn du mit anderen zusammen singst, betest und einfach spürst: Wir sind viele, die an einem friedlichen Zusammenleben in Deutschland, in der Welt interessiert sind."
Diskussionen, Workshops und Informationsstände
Auf dem sogenannten "Markt der Möglichkeiten" konnten die Besucherinnen und Besucher sich nach dem Gottesdienst austauschen, Informationsstände besuchen oder an Workshops und Diskussionen teilnehmen. Dabei wurden auch drängende Zukunftsfragen der Kirche thematisiert, so die Regionalbischöfin des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg, Gisela Bornowski: "Es geht darum, wie wir in den nächsten Jahren mit Kirchengebäuden umgehen, aber auch um Bildung, wie christliche Bildung unsere Gesellschaft prägen kann."
Auch Evangelisches Bildungszentrum feiert Jubiläum
Denn zeitgleich zum Kirchentag wurde auch das 75-jährige Jubiläum des Evangelischen Bildungszentrums auf dem Hesselberg gefeiert. Bewusst wurde dieses 1951 an dieser Stelle errichtet. Die Nationalsozialisten hatten den Berg im Dritten Reich als "heiligen Berg der Franken" instrumentalisiert und dort zahlreiche Propaganda-Veranstaltungen abgehalten. Nach dem Krieg setzte die Evangelische Landeskirche mit der damaligen Landvolkshochschule dort einen Kontrapunkt.
Eine kleine Ausstellung zeigt Plakate, Bilder und Videos aus 75 Jahren Bildungszentrum und Kirchentag. Andrea Erkenbrecher ist Bildungsreferentin am Evangelischen Bildungszentrum und hat die Ausstellung erarbeitet. Zu sehen sind auch kuriose Erinnerungen, erklärt sie: "Eine schöne Frage ist die des Sitzens und Liegens auf dem Kirchentag. Das klingt banal, aber ist sehr spannend. Wir haben viele Fotografien und sie sehen über die 75 Jahre immer wieder ähnliche Situationen. Wie bettet man sich, wo hält man ein Nickerchen, sitzt man auf einer Bank."
Tradition auf dem Hesselberg soll weiterleben
Seit die damalige Landvolkshochschule 1951 eröffnet wurde, findet der Bayerische Kirchentag jedes Jahr am Pfingstmontag am Hesselberg statt. Nach 75 Jahren soll noch lange nicht Schluss sein: Die Glocken rund um den Hesselberg werden auch in den kommenden Jahren am Morgen des Pfingstmontags die Gläubigen aus nah und fern zum Bayerischen Kirchentag auf dem Hesselberg rufen.
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