Papst Leo XIV. (Archivbild vom 20.05.2026)
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"KI entwaffnen": Papst Leo legt erste Enzyklika vor

"KI entwaffnen": Papst Leo legt erste Enzyklika vor

Gut ein Jahr nach seiner Wahl zum Papst legt Leo XIV. seine erste Enzyklika vor. Der Tag ihrer Veröffentlichung ist bewusst gewählt: Denn "Magnifica Humanitas" schreibt die katholische Soziallehre zu Krieg und Waffengewalt im Zeitalter von KI fort.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 3-Nachrichten am .

Die erste Enzyklika "Magnifica Humanitas" von Papst Leo XIV. ist auf den 15. Mai 2026 datiert. Es ist der 135. Jahrestag der Veröffentlichung von "Rerum Novarum" – jenes Papst-Schreibens, das als Gründungsdokument der katholischen Soziallehre gilt. Damit hat sich Leo XIV. einmal mehr in die Tradition des Papstes gestellt, dessen Pontifikat ihn auch zu seinem Namen inspiriert hat: Leo XIII., der mit "Rerum Novarum" aus dem Jahr 1891 als "Sozialpapst" in die Geschichte eingegangen ist.

Papst: "KI ist niemals eine rein technische Angelegenheit"

"Wenn Leo XIII. zu seiner Zeit von 'Neuerungen' (rerum novarum) sprach, können wir heute nicht einfach seine wertvollen Lehren wiederholen, sondern müssen Gott um Weisheit bitten, um die großen Entwicklungen unserer Zeit recht zu deuten, insbesondere die im Bereich der Technik", schreibt Leo XIV. in seiner Enzyklika, die er am Montag selbst im Vatikan vorstellte.

Das war eine Premiere: Bislang war noch kein Papst bei der Vorstellung seines ersten Lehrschreibens persönlich dabei. Die erste Enzyklika eines Papstes gilt gewissermaßen als dessen "Regierungserklärung", die die inhaltlichen Weichen für das gesamte Pontifikat stellt.

In "Magnifica Humanitas" schreibt Leo XIV. nun über "die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz" (KI), so der Untertitel des 122-seitigen Dokuments. "Ein großer Wurf", sagt Markus Vogt, Sozialethiker an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Der Titel sei "ein Lobpreis des Humanismus, der Europa geprägt hat". Zum Inhalt des Schreibens sagt der Sozialethiker: "Zu Recht wird KI als die soziale Frage des frühen 21. Jahrhunderts aufgefasst – ein Epochenumbruch, der alle auf tiefgreifende Weise betrifft."

Experte: "Katholische Kirche ist nicht verschlafen"

"Der Einsatz von KI ist niemals eine rein technische Angelegenheit", schreibt der Papst, vielmehr müssten die Verantwortlichkeiten jederzeit klar sein: "Angefangen bei jenen, die die Systeme entwerfen und trainieren, bis hin zu jenen, die sie nutzen".

"Diejenigen, die hier gemeint sind, beispielsweise ökonomische Großkonzerne, auch natürlich politische Akteure wie Donald Trump, werden sicherlich selber hören, welche Kritik ihnen hier entgegenschlägt", sagt Michael Reder, der sich an der Münchner Jesuiten-Hochschule für Philosophie (HFPH) schon lange mit ethischen Grenzfragen von KI auseinandersetzt – etwa auch mit der von Papst Leo in seiner Enzyklika geäußerten Sorge, "dass die zunehmende Leichtigkeit, mit der operationell autonome Waffensysteme eingesetzt werden können, Krieg 'durchführbarer' macht und ihn weniger der menschlichen Kontrolle unterwirft".

"Gerade die Frage zur Normalisierung und Technisierung des Krieges sind in dieser Hinsicht wirklich wichtige politische Implikationen, die zeigen, dass die katholische Kirche nicht verschlafen ist, dass sie nicht hinten ansteht, sondern dass sie sehr, sehr gut die Zeichen der Zeit lesen kann", sagt Reder.

Obwohl es der Papst vermeidet, konkrete Personen oder Akteure beim Namen zu nennen, ist seine Forderung indessen eindeutig: KI müsse "entwaffnet" werden. "Entwaffnen bedeutet", so der Papst, "diese Gleichsetzung von technischer Macht und dem Recht zu herrschen aufzubrechen." Entwaffnen bedeute aber nicht, auf die Technologie zu verzichten, sondern zu verhindern, dass sie den Menschen beherrsche.

Bischof Wilmer: "Verantwortung niemals delegieren an Maschinen"

Für die Freiburger Sozialethikerin Ursula Nothelle-Wildfeuer, die die Enzyklika am Montag bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Bonn vorstellte, zeige sich der Papst damit keineswegs per se skeptisch gegenüber modernster Technik. "Im Gegenteil, sie ist Ausdruck menschlicher Kreativität. Aber sie ist, so heißt es, nicht neutral. Sie trägt die Züge derer, die sie entwerfen, finanzieren und nutzen. Der Mensch bleibt der entscheidende Akteur und Verantwortliche."

Das stellt auch der Vorsitzende der DBK, Bischof Heiner Wilmer heraus; eine sich aus der Enzyklika ergebende Handlungsanweisung für jeden Einzelnen: "Im Zentrum steht der Mensch, die analoge Begegnung mit dem anderen, gemeinsame Verantwortung für andere – und Verantwortung darf niemals delegiert werden an Maschinen!"

Dann könne auch Künstliche Intelligenz ein Mehrwert sein für die "großartige Menschheit", so der deutsche Titel der Enzyklika. Das Lehrschreiben auf Deutsch erscheint am 29. Juni im Verlag Herder.

Im Video: Papst Leo legt erste Enzyklika vor

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