Auf der ICE-Schnellstrecke Ingolstadt - Nürnberg ist bei Stammham im oberbayerischen Landkreis Eichstätt am Sonntagabend ein Regionalexpress liegengeblieben. Dadurch kam es zu einer stundenlangen Sperrung der Hauptstrecke München - Berlin, wie eine Bahnsprecherin dem BR mitteilte.
Zwei Stunden im aufgeheizten Zug ohne Klimaanlage
Der Regionalzug der Linie RE 1 war kurz nach 17 Uhr plötzlich auf freier Strecke stehengeblieben. Die Fahrgäste mussten rund zwei Stunden ohne Klimaanlage bei fast 30 Grad im aufgeheizten Zug ausharren, bis schließlich die Feuerwehr die Türen öffnete und sie aussteigen konnten.
Es war ein Großaufgebot an Rettungskräften ausgerückt, das die mehr als 300 Passagiere betreute und die Evakuierung des Regionalzugs auf offener Strecke koordinierte.
Fahrstreifen der A9 für Evakuierung gesperrt
Die ersten Fahrgäste wurden zur benachbarten A9 gebracht, wo zunächst ein Weitertransport per Bus organisiert war. Dafür wurde eigens ein Fahrstreifen der A9 Richtung Nürnberg, kurz nach der Auffahrt Ingolstadt Nord, gesperrt. Später entschieden die Einsatzkräfte laut Feuerwehr, aus Sicherheitsgründen die Busse zur Weiterfahrt Richtung Nürnberg in die nahegelegene Ortschaft Appertshofen zu verlegen.
Feuerwehrsprecher: Personen mit Kreislaufproblemen behandelt
Die verbliebenen "rund 250 Fahrgäste machten sich dann zu Fuß auf den Weg ins rund 1,5 Kilometer entfernte Appertshofen", begleitet von Einsatzkräften. Wem die Strecke zu weit war, für den "standen Fahrzeuge vom BRK und Feuerwehr zur Verfügung", sagte ein Feuerwehrsprecher am späten Sonntagabend dem BR. Einige Personen seien wegen Kreislaufproblemen vor Ort durch den Rettungsdienst behandelt worden und hätten ihre Reise fortsetzen können.
Wegen Defekt am Zug kein Strom mehr
Der Regionalzug war kurz nach 17 Uhr liegengeblieben, weil er laut Bahnsprecherin keinen Strom mehr hatte. Das habe offenbar am Zug gelegen, nicht an einer etwaigen Unterbrechung im Stromnetz. Nach BR-Informationen war beim evakuierten Zug der Stromabnehmer defekt.
Der nachfolgende ICE in Richtung Berlin habe nach Ingolstadt zurückfahren müssen und sei dann über Treuchtlingen umgeleitet worden, erfuhr der BR aus Bahnkreisen. So sei er mit fast drei Stunden Verspätung in Nürnberg angekommen. Weitere Fernverbindungen wurden ebenfalls großräumig über Treuchtlingen umgeleitet. Das bedeutete auch im Fernverkehr zwischen München, Ingolstadt und Nürnberg erhebliche Verspätungen bis zum späten Sonntagabend.
Zugstrecke um 22.10 Uhr wieder freigegeben
Die technische Störung beim liegengebliebenen Regionalzug konnte laut Deutscher Bahn behoben werden. Die ICE-Strecke Ingolstadt - Nürnberg konnte nach stundenlanger Sperre schließlich um 22.10 Uhr wieder freigegeben werden, wie ein Bahnsprecher bestätigte.
Bahn bittet um Entschuldigung
Die Bahn bedauert die Verzögerungen rund um die Evakuierung: "Wir möchten uns für die damit verbundenen Unannehmlichkeiten in aller Form entschuldigen", heißt es in einer Antwort der Bahn auf BR-Anfrage. In Bezug auf die etwa 300 Fahrgäste, die den Zug erst nach etwa zwei Stunden verlassen konnten, verweist die Bahn auf Sicherheitsregeln, "in denen Reisende den Zug nicht direkt auf einen Bahnsteig verlassen dürfen" und über deren Anwendung die Bahn im engen Austausch mit den Sicherheits- und Rettungskräften stehe.
Fahrgäste kritisierten Ablauf
Insbesondere der Ablauf vor und nach der Evakuierung war von Fahrgästen stark kritisiert worden. Die Reisenden mussten nach dem Ausharren im Zug auf freier Strecke aussteigen und warten. Ältere Personen und Familien mit Kindern sollten priorisiert behandelt werden und konnten mit Krankenwagen transportiert werden, für die anderen bestellte die Bahn Busse. Sie kamen mit mehreren Stunden Verspätung in Nürnberg an.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der Zug sei im Altmühltal liegengeblieben. Dies ist nicht korrekt. Es handelt sich um die Strecke zwischen Ingolstadt und Nürnberg.
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