Journalist und Historiker Jim Tobias (r.) dreht mit Kameramann Winfried Schuhmann auf den Straßen von New York
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Journalist und Historiker Jim Tobias (r.) mit Kameramann Winfried Schuhmann auf den Straßen von New York.
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Journalist und Historiker Jim Tobias (r.) mit Kameramann Winfried Schuhmann auf den Straßen von New York.

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25 Jahre Einzelkämpfer für jüdisches Leben

25 Jahre Einzelkämpfer für jüdisches Leben

Ein Kibbuz auf dem Landgut des Nazi-Gauleiters Streicher und von Juden selbst verwaltete Camps. Ein Nürnberger Institut hat bei der Erforschung von jüdischem Leben nach 1945 in Deutschland Meilensteine gesetzt. Nun feiert es 25-jähriges Bestehen.

Über dieses Thema berichtet: Stadt Land Leute am .

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur noch wenige Juden auf deutschem Gebiet. Sie hatten die Konzentrations- und Arbeitslager der Nazi-Vernichtungsmaschinerie überlebt. Doch bis 1950 kamen Tausende aus Osteuropa dazu. Sie flohen zum Beispiel aus Polen, weil es nach 1945 dort Pogrome gegen Juden gab. Um diesen zu entkommen, kamen sie nach Deutschland, dem Land der Täter. Hier kamen sie in eigene Camps für Displaced Persons, also entwurzelte, heimatlose Menschen.

Der Nürnberger Jim Tobias war fasziniert von ihrer Geschichte und hat viele davon aufgezeichnet und dokumentiert. Daraus ging 2001 das "Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts" hervor. Kurz heißt es nurinst (externer Link).

Jüdische Kommune auf früherem Nazi-Landgut

Jim Tobias ist Jahrgang 1953 und im Rheinland aufgewachsen. Die Studentenrevolte von 1968 habe ihn als Jugendlichen geprägt und politisiert, erzählt der Historiker. Und dabei vor allem die Frage, wie viele Alt-Nazis noch in öffentlichen Ämtern zu dieser Zeit saßen. Anfang der 1990er Jahre stieß er als freier Journalist auf eine Geschichte, die ihn förmlich "elektrisiert" habe. Er fand heraus, dass Juden nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Landgut des früheren Nazi-Gauleiters Julius Streicher lebten und von 1945 bis 1948 dort einen Kibbuz hatten.

Ein Kibbuz ist eine ländliche, genossenschaftlich organisierte Gemeinschaftssiedlung. Tobias fand in Israel und den USA Zeitzeugen und machte einen Film daraus und schrieb ein Buch darüber. "Seitdem lässt mich die Geschichte der Displaced Persons nicht mehr los", sagt der Historiker.

"Wir sind noch da!": Juden in Deutschland nach 1945

Nach 1945 hatten die überlebenden Juden auf dem Gebiet der amerikanischen Alliierten ihre eigenen Camps, Deutsche durften sie nicht betreten, berichtet Tobias. Sie hatten eine eigene Organisation, eine eigene Infrastruktur und jedes Camp einen eigenen Vorsteher – wie eine Art Bürgermeister. "Es war ein Staat im Staate", so Tobias. Aber die meisten wollten raus aus Deutschland und Europa, viele in das Gebiet des heutigen Israels, viele in die USA, nach Kanada oder Australien. Die Camps waren gewissermaßen der Wartesaal auf dem Weg zur Auswanderung.

An dieses Kapitel der deutschen Geschichte zu erinnern, ist für den Historiker wichtig und spannend. Die Juden hätten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Geschicke in die eigene Hand genommen und gesagt: "Wir sind da, ihr habt uns nicht vernichtet."

Forschung mit internationaler Strahlkraft

Der Nürnberger arbeitet je nach Projekt mit weiteren Historikerinnen und Historikern zusammen. Die sind aber nicht unbedingt in Nürnberg, sondern beispielsweise in Berlin oder in Tel Aviv. Das Institut sei international bekannt, sagt Jim Tobias. Seine Zeitzeugen-Aufnahmen hat er in einem Archiv der Erinnerung gesammelt. Aktuell arbeitet Jim Tobias an einem Buchprojekt über ein jüdisches Displaced Persons-Camp im niederbayerischen Pocking.

Eine Stiftung hat die Finanzierung für dieses Projekt übernommen. Bei der Finanzierung stehe das kleine Nürnberger Institut immer in Konkurrenz zu großen Institutionen wie dem Jüdischen Museum in Berlin, berichtet der Historiker. Und angesichts der öffentlichen Haushaltslage sei es immer schwieriger, Gelder zu akquirieren, so Tobias.

"Wachsam bleiben": Die Zukunft des Nürnberger Instituts

Angesichts des wachsenden Antisemitismus in Deutschland, hält Jim Tobias es für wichtig, "wachsam zu bleiben". Vieles hat Jim Tobias gesammelt, dokumentiert, auf Film, in Ton, in Jahrbüchern und Büchern. Er hat unter anderem in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht und im Bayerischen Rundfunk. Das Institut steht in Kontakt mit Forschungseinrichtungen in Europa, USA und Israel. Es ist anerkannt und gefragt.

"Wir haben was geschafft, finde ich", sagt Jim Tobias. Mit über 70 Jahren will er seine Arbeit weiterführen, solange es ihm gut geht. Denn seine Arbeit sei sein Lebenselixier, sagt er. Doch mittlerweile ist er allein im Institut, er ist ein Einzelkämpfer. Und deswegen sollten irgendwann auch Jüngere diese Arbeit übernehmen, hofft der Journalist, Autor und Historiker.

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