Grundschülerin in einem Klassenzimmer
Grundschülerin in einem Klassenzimmer
Bild
Schulstart: Grundschülerin im Klassenzimmer
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Marcel Kusch
Schlagwörter
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Marcel Kusch
Audiobeitrag

Schulstart: Grundschülerin im Klassenzimmer

Audiobeitrag
>

37 Kinder, vier Lehrer: So steht es um Bayerns kleinste Schulen

37 Kinder, vier Lehrer: So steht es um Bayerns kleinste Schulen

Die Zahl der Grundschüler in Bayern steigt. Trotzdem gibt es vor allem auf dem Land Schulen, in denen nur wenige Kinder lernen. Die Politik will auch kleine Grundschulen erhalten. Wie wird dort unterrichtet und wie werden sie finanziert?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Es gibt sie in ganz Bayern: Grundschulen, die von gerade mal 80, 60, oder weniger als 40 Kindern besucht werden. In der staatlich anerkannten Dorfschule im oberbayerischen Walchensee werden im neuen Schuljahr 37 Schülerinnen und Schüler von vier Lehrkräften unterrichtet. "Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass diese Dorfschule hier erhalten bleibt", sagt die Schulleiterin Simone Franz.

So kämen Kinder aus der Umgebung unkompliziert zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule. Außerdem würde es die Dorfstruktur verändern, wenn es in Walchensee keine Schule mehr gäbe. "Familien würden sich überlegen: 'Da gibt es keine Schule, da ziehen wir vielleicht gar nicht hin' oder sie ziehen weg."

Wann ist eine Schule "klein"? 

Eine klare statistische Definition dafür, wann eine Grundschule als "klein" gilt, gibt es laut dem bayerischen Kultusministerium nicht. Hat eine staatliche Grundschule drei oder weniger Klassen, dann hat sie den Charakter einer "kleinen" Grundschule. Im Schuljahr 2025/26 gab es in Bayern 584 solcher kleinen staatlichen Grundschulen. 

Insgesamt wurde in Bayern im vergangenen Schuljahr an 2.420 Grundschulen unterrichtet. 2.265 davon sind staatliche Grundschulen, 155 sind privat. Bayernweit saßen im vergangenen Schuljahr durchschnittlich 21,9 Schüler gemeinsam in Grundschulklassenzimmern.

Politik will die kleinen Grundschulen halten 

Die Mindestschülerzahl für Grundschulklassen liegt bei 13 Schülern, doch an kleinen Schulen kann sie unterschritten werden. Denn seit 2013 gilt die "Grundschulgarantie". Sie legt fest, dass rechtlich selbstständige Grundschulen erhalten bleiben, wenn das vor Ort gewünscht wird, beispielsweise durch den Elternbeirat. Dem bayerischen Kultusministerium sei es ein Anliegen, dass Grundschüler möglichst wohnortnah unterrichtet werden.

Moderne Grundschulerziehung mit pädagogischem Gewinn 

Damit kleine Grundschulen bestehen können, werden vielerorts jahrgangsübergreifende Klassen gebildet. Dafür werden die erste und zweite Klasse sowie die dritte und vierte Klasse zusammengelegt und gemeinsam unterrichtet. Somit können auch in kleinen Schulen Klassenstärken erreicht werden, die dem Durchschnitt entsprechen.

Aus Sicht des Kultusministeriums seien diese jahrgangskombinierten Klassen "ein modernes pädagogisches Element einer zeitgemäßen Grundschulerziehung". Die Lernziele würden die Schüler in gleicher Weise erreichen, wie in jahrgangsreinen Klassen. Bayernweit gab es im staatlichen Bereich im Schuljahr 2025/26 rund 1.550 jahrgangskombinierte Klassen. 

Auch an der privaten Dorfschule von Simone Franz wird jahrgangsübergreifend gelehrt. Nicht bei jedem Thema, aber: "Es gibt immer wieder Themen, wie zum Beispiel das Geschichtenschreiben. Das kann man wunderbar mit Klasse eins und zwei gemeinsam machen. Entweder im Team mit einem Erst- und einem Zweitklässler, die gemeinsam eine Geschichte entwickeln. Oder jeder für sich und auf seinem Niveau", erklärt Franz. Leistungsstarke Erstklässler könnten so schon Inhalte aus der zweiten Klasse mitbekommen. Umgekehrt könnten Zweitklässler Themen aus dem ersten Schuljahr nochmal wiederholen. 

Kosten und Finanzierung von kleinen Grundschulen 

In einer Kombiklasse werden zwar zwei Jahrgänge gleichzeitig unterrichtet, doch pro Kind fallen mehr Lehrerstunden an, damit jedes Fach auf dem jeweiligen Leistungsniveau gelehrt werden kann. Das macht die kleinen Schulen im Vergleich teuer.

Um dem entgegenzuwirken, erhalten die Schulämter mit kleinteiliger Schulstruktur ein Plus an Lehrerzuweisungen. Zusätzlich erhalten kleine Schulen Unterstützung durch den Demografiezuschlag. Damit sollen kleine Schulen trotz des demografischen Wandels gesichert werden.  

Schulversorgung in Zeiten des demografischen Wandels 

Bayern steht beim Thema Grundschule vor einer doppelten demografischen Herausforderung: In vielen ländlichen Regionen altert die Bevölkerung, gleichzeitig steigen die Schülerzahlen noch an. 

Während im Schuljahr 2020/21 noch rund 425.900 Schüler eine staatliche Grundschule im Freistaat besucht hätten, sind es nach Angaben des Kultusministeriums im Schuljahr 2025/26 bereits 487.600 Schülerinnen und Schüler gewesen. Gründe für den Anstieg sind laut Ministerium gestiegene Geburtenzahlen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts und Zuzug nach Bayern.

Während Realschulen, Gymnasien und berufliche Schulen nach Einschätzungen der Staatsregierung flächendeckend gesichert seien, bleibe die Grundschulversorgung im ländlichen Raum auch in den kommenden Jahren ein Balanceakt. 

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!