Eine Lupe wird über ein Stück Stoff gehalten.
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Das etwa 40 mal 60 Zentimeter große Stück Stoff stammt aus einem rund 800 Jahre alten Grabgewand.
Bildrechte: Diözesanmuseum Bamberg
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Das etwa 40 mal 60 Zentimeter große Stück Stoff stammt aus einem rund 800 Jahre alten Grabgewand.

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800 Jahre altes Stoffteil aus Grabgewand wiederaufgetaucht

800 Jahre altes Stoffteil aus Grabgewand wiederaufgetaucht

Es ist ein Glücksfall für das Diözesanmuseum Bamberg: Nach Jahrzehnten ist ein mittelalterliches Stück Stoff heimgekehrt, das aus dem Grabgewand Bischof Otto II. stammt. Wieso dieses Stück Stoff abhandenkam – diese Geschichte gleicht einem Krimi.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Es ist ein etwa 40 mal 60 Zentimeter großes Stück Stoff, das von Weitem eher unspektakulär aussieht – beige-braun und ausgefranst. Doch bei näherer Betrachtung erkennt man die glänzende Seide, in die ein aufwendiges Muster eingewebt ist. Dieses Stofffragment versetzt alle im Bamberger Diözesanmuseum in helle Aufregung: Es ist rund 800 Jahre alt und stammt aus dem Grabgewand des Bischofs Otto II., der in der Krypta des Bamberger Doms begraben ist.

Stofffragment fehlt in mittelalterlichem Grabgewand

Das Gewand befindet sich im Diözesanmuseum, doch an der rechten Schulter fehlt ein großes Stück und wurde vermutlich in den 50er Jahren durch Baumwolle ersetzt. Das fehlende Teil war rund 90 Jahren lang verschollen, in Bamberg wusste niemand mehr, dass es überhaupt noch existiert.

Bis im vergangenen Sommer die Leiterin des Diözesanmuseums Carola Marie Schmidt einen Anruf aus dem Kloster Wienhausen bei Celle erhielt: "Man hätte in der eigenen Sammlung etwas entdeckt. Es gibt einen Hinweis, dass es aus Bamberg stammt, ob wir Interesse hätten? Da muss man dann souverän 'ja' antworten und nicht gleich freudeschreiend im Kreis hüpfen", so Schmidt im BR-Interview.

Unglaubliche Geschichte des Stofffragments

Offenbar hat das Stofffragment eine abenteuerliche Reise hinter sich. Die erste nachvollziehbare Station ist der Privatbesitz einer Frau in Krefeld, die wertvolle Stoffe sammelte und von wo aus es nach ihrem Tod ins Kloster Wienhausen gelangte.

Doch wie und warum ging es überhaupt verloren? Die Expertinnen können es nur vermuten. Sicher ist nur, dass 1933 das Grab von Otto II. geöffnet wurde, und das Gewand für Restaurationsarbeiten nach München kam.

Carola Marie Schmidt erklärt, was dann Ungeheuerliches geschehen sein muss: "Die 30er Jahren waren eine schwierige Zeit in Deutschland, politisch aber auch kunsthistorisch. Da gab es viele Protagonisten, die Bedürfnisse hatten, und eines der Bedürfnisse war, Kostbarkeiten in seiner eigenen Wohnung zu haben. Deswegen hat man offenbar dort, wo sich die Gelegenheit geboten hat - bei Textilien zur Schere gegriffen - und ein Stück herausgenommen, für seine Sammlung daheim."

Heutzutage unvorstellbar

Aus einem 800 Jahre alten Gewand einfach ein Stück herauszuschneiden, macht auch die Textil-Restauratorin Sybille Ruß fassungslos: "Wir können das nicht nachvollziehen und heute kann sowas auch nicht mehr passieren. Wir haben gute Dokumentationen, bei einer Bergung ist nicht nur einer dabei, es werden Fotos gemacht und Zeichnungen. Es wird sofort der Zustand dokumentiert und dann bekommt jedes Stück eine Nummer, an der man es identifizieren kann. Also es ist traurig, dass es damals passiert ist, aber sowas kann nicht mehr vorkommen."

Sensationeller Fund wird ausgestellt

Das Gewand ist so besonders, weil es von diesem Muster, das um das Jahr 1200 im arabisch besetzten Spanien entstanden sein muss, weltweit nur vier Exemplare gibt. Nachdem Fotos abgeglichen und das Muster des Fragments mit dem Gewand verglichen wurde, war klar, dass es aus Bamberg stammt. Die Klosterkammer Hannover stimmte zu, dass es also auch dorthin zurückkehren soll.

In einer speziellen Transportkiste wurde das kostbare Stück Stoff quasi "nach Hause geholt". Nun soll es zeitnah für die Besuchers des Diözesanmuseums ausgestellt werden. In das Gewand wird es aber nicht mehr eingearbeitet – denn so lässt sich anhand von beiden Teilen die unglaubliche Geschichte des Grabgewandes von Otto II. erzählen.

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