Er hat über Jahre hinweg ärztliche Leistungen abgerechnet, die er gar nicht erbracht hatte. Nun muss ein Arzt aus Niederbayern ins Gefängnis. Das Landgericht Nürnberg-Fürth verurteilte ihn heute wegen Abrechnungsbetrugs.
Millionenschaden für Krankenkassen
Über Jahre hinweg rechnete der Mann nicht erbrachte Leistungen ab, davon ist die Kammer überzeugt. Den Schaden für die Krankenkassen bezifferte das Gericht auf knapp 1,5 Millionen Euro.
Auffällig: Der sogenannte Poolarzt aus dem niederbayerischen Waldkirchen führte besonders viele klein-chirurgische Eingriffe durch und gab erstaunlich viele Infusionen. Außerdem wurden es immer mehr dieser Leistungen, die der Arzt ohne eigene Praxis abrechnete. Er war als Bereitschaftsarzt tätig und machte auch Hausbesuche. Manche Patienten behandelte er angeblich mehrfach, bis irgendwann die Kassenärztliche Vereinigung stutzig wurde und Anzeige erstattete.
Angeklagt wurde er schließlich von der bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg angesiedelten Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG), weshalb der Fall in Nürnberg verhandelt wurde.
Sexuelle Beziehungen mit Patientinnen
Pikant: Mit mehreren seiner Patientinnen führte der Mediziner dem Gericht zufolge sexuelle Beziehungen – und verdiente noch daran. Als er einmal eine seiner Geliebten besuchte, habe er sie angewiesen, sie solle den ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen und nach einem Arzt verlangen. Er sei in der Nähe und würde gleich vorbeikommen. Das rekonstruierte das Gericht aus Chatnachrichten und Abrechnungsunterlagen. Dem aus Syrien stammenden Arzt attestierte die Kammer eine hohe kriminelle Energie.
Wie auch bekannt wurde, war der Körperkontakt nicht immer einvernehmlich: Einer Patientin fasste er bei einem Hausbesuch gegen ihren Willen an die Brust. Die Frau meldete den Vorfall, das Gericht sprach den Arzt nun schuldig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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