Ein sechs Meter langer, umgebauter Schiffscontainer soll Aschaffenburgs Stadttauben-Problem entschärfen: Am Regionalen Omnibusbahnhof ist ein sogenanntes Taubenloft aufgestellt worden. Anschaffungskosten: rund 25.000 Euro. Die Stadt reagiert damit auf eine wachsende Population verwilderter Tauben. Hotspots sind der Bereich rund um den Bahnhof, im Roßmarkt in der Fußgängerzone, auf dem Schloßplatz und im Park Schöntal.
Tierschutz statt klassischer Schädlingsbekämpfung
"Der Umgang mit verwilderten Tauben ist nicht mit klassischen Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen gegen Ratten oder andere Schadnager vergleichbar", sagt Elke Wimber vom zuständigen Ordnungs- und Straßenverkehrsamt. Taubenmanagement sei eine "tierschutzrechtlich sensible Aufgabe", bei der Gesundheitsschutz, Stadtbildpflege und Tierschutz zusammen gedacht werden müssten.
Viele Tiere stammen laut Stadt ursprünglich aus aufgegebenen Taubenzuchten. Sie suchen in der Stadt nach Futter, nisten unkontrolliert und vermehren sich zuchtbedingt ganzjährig. Häufig sind die Tiere krank oder verletzt. Gleichzeitig lösen Ansammlungen von Tauben immer wieder Sorgen hinsichtlich Hygiene, Stadtbild und möglicher Gesundheitsgefahren aus.
Wie das Taubenloft funktionieren soll
Im Taubenloft finden die Stadttauben Futter, Wasser und Brutplätze. Durch die Begehbarkeit des Containers können gelegte Eier regelmäßig gegen Plastikeier ausgetauscht werden. So wird die Population langfristig und tierschutzgerecht begrenzt.
Der Tierschutzverein Aschaffenburg hat die Stadt bei der Auswahl des Systems beraten und übernimmt auch die Betreuung. Die Tiere werden dort beobachtet und gesundheitlich überwacht. Spezielles Futter soll zudem helfen, Krankheiten gezielt zu bekämpfen.
Erfahrungen aus anderen Städten
Aschaffenburg hat sich vor der Entscheidung mit anderen Kommunen ausgetauscht. Deren Erfahrungen zeigen laut Stadt, dass betreute Taubenschläge und Taubenlofts die Situation deutlich entspannen können: Die Tauben halten sich vermehrt im Loft auf und sind im Stadtbild weniger präsent.
Für ein flächendeckendes Taubenmanagement könnten weitere Standorte notwendig werden. Geeignete Flächen in der Innenstadt seien jedoch schwer zu finden.
Stadt sucht Standorte – und verbietet Füttern
Die Stadt ruft Eigentümerinnen und Eigentümer dazu auf, mögliche Stellflächen zu melden. Wer geeignete Orte für weitere Taubenlofts kennt oder anbieten kann, soll sich per E-Mail an das Ordnungs- und Straßenverkehrsamt wenden [externer Link].
Gleichzeitig erinnert die Stadt daran, dass das Füttern von Tauben im öffentlichen Raum eine Ordnungswidrigkeit ist. Nur wenn die Tiere ihr Futter im Taubenloft erhalten, könne das Projekt erfolgreich sein – unkontrolliertes Füttern würde die medizinische Betreuung und die Regulierung der Stadttauben-Population erschweren.
Das neue Taubenloft am Regionalen Omnibusbahnhof in Aschaffenburg
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