Familie mit Hund beim Spielen daheim.
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Assistenzhündin Elli hilft dem kleinen Lias enorm im Alltag.
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Assistenzhündin Elli hilft dem kleinen Lias enorm im Alltag.

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Assistenzhunde: Große Hilfe, schwierige Finanzierung

Assistenzhunde: Große Hilfe, schwierige Finanzierung

Hund Elli hilft dem siebenjährigen Lias, den Alltag zu bewältigen – eine Entlastung für die Familie. Die Kosten für die Assistenzhündin haben teilweise Stiftungen übernommen. Krankenkassen zahlen nur in Ausnahmefällen – trotz messbarer Effekte.

Über dieses Thema berichtet: STATIONEN am .

Lias aus Altenstadt im schwäbischen Landkreis Neu-Ulm und Labradoodle Elli sind ein eingespieltes Team. Der Junge lebt mit einem Gendefekt, der sich auch in Autismus und ADHS äußert. Assistenzhündin Elli hilft dem Siebenjährigen im Alltag.

Hündin Elli hilft Lias im Straßenverkehr

Im Straßenverkehr etwa kann es für den Buben brenzlig werden, weil Lias Gefahrensituationen nicht richtig einschätzen kann. Elli hilft ihm dann, nicht unbedacht auf die Straße zu rennen. Sie bleibt an seiner Seite, wenn er überfordert ist oder legt sich auf ihn, bevor er ausrastet. Die Labradoodle-Dame wartet dann, bis er sich wieder beruhigt hat.

Elli kam schon als Welpe in die Familie von Lias, begleitet von einer Assistenzhunde-Trainerin, die der Familie half, Elli auszubilden. Rund 15.000 Euro kosteten die Hündin und ihre Ausbildung. Die Krankenkasse hat trotz Lias' Diagnosen nichts davon übernommen, einen Teil der Kosten konnte die Familie über Stiftungen finanzieren.

Wie teuer ein Assistenzhund und seine Ausbildung sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. zehn- bis vierzigtausend Euro sind aber nicht unüblich.

Tiergestützte Therapie mit messbaren Effekten

Dabei sollten die Finanzen kein Hindernis darstellen, findet die Heilpädagogin Prof. Andrea Beetz von der IU Internationale Hochschule Erfurt. Sie hat sich wissenschaftlich mit tiergestützter Therapie beschäftigt. Sehr gut nachgewiesen sei etwa, dass der menschliche Körper bei Interaktionen mit einem freundlichen Tier Oxytocin ausschüttet – ein Hormon, das Bindung stärkt und beruhigt. "Das passiert schon nach wenigen Minuten, und das ist in verschiedensten Studien nachgewiesen worden", so die Wissenschaftlerin.

Außerdem würden die Herzfrequenz, der Blutdruck sowie das Stresshormon Cortisol sinken. "Das ist sehr gut dokumentiert", so Andrea Beetz. Ein positiv erlebter Kontakt mit Tieren kann also nachweislich Stress reduzieren.

Tiergestützte Therapie: Hündin gibt Lias Sicherheit

Seit Elli mit in der Familie lebt, geht es ihr und Lias deutlich besser. Früher stand Lias oft unter massivem Stress, riss sich die Haare aus, weinte viel. Seine Mutter erzählt, wie er dank Elli viel ruhiger geworden sei und wieviel Sicherheit und Geborgenheit Elli ihrem Sohn gebe.

Für viele Familien bedeutet ein Assistenzhund eine grundlegende Wendung zum Positiven. Ob das im konkreten Einzelfall zutrifft, lasse sich aber nicht immer sicher vorhersagen, so Heilpädagogin Andrea Beetz. Ein Versuch sei es in vielen Fällen jedoch wert.

Aktuell werden die Kosten für Assistenzhunde jedoch nur als Hilfsmittel für Blinde von der Krankenkasse übernommen. Einzelfallprüfungen bei anderen Diagnosen sind möglich, oft aber wenig aussichtsreich. Es wäre gut, so Beetz, "wenn sich Kassen vielleicht auch einen Ruck geben und sagen: Jetzt übernehmen wir die Kosten und probieren das in dem Fall aus."

Mehr Verständnis durch Sichtbarkeit

Ganz nebenbei löst Elli übrigens noch ein ganz anderes Problem der Familie, erzählt Lias Mutter: "Es gibt nichts Schlimmeres als ein Kind mit einer Behinderung, die man nicht sieht", sagt Alexandra Heuß. Immer wieder erlebe die Familie, wie schnell andere über Lias urteilen. Viele sehen in ihm nur ein "unerzogenes Kind", das laut sei, herumrennt, sich "unmöglich benimmt". Ratschläge und Kritik gebe es reichlich – Verständnis dagegen selten.

Ellis gut sichtbare Kenndecke, die die Assistenzhündin auf dem Rücken trägt, verändert den Blick: Sie signalisiert fremden Menschen, dass hinter seinem Verhalten kein schlechtes Benehmen, sondern gesundheitliche Gründe stecken.

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Lias und seine Assistenzhündin Elli im Winter.

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