Neueröffnung des Modehaus Frey in Sulzbach-Rosenberg.
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Aussterbende Innenstädte – Rettung dank Mini-Kaufhäusern?

Aussterbende Innenstädte – Rettung dank Mini-Kaufhäusern?

Innenstädte sterben aus, Schaufenster bleiben dunkel – doch in Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz wagt ein großes Modehaus mit einem Mini-Kaufhaus den Gegenversuch. Kann "kleiner denken" ein Baustein sein, um Zentren wieder mit Leben zu füllen?

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus der Oberpfalz am .

Ein Problem, das viele Kommunen kennen: Fachgeschäfte schließen, Leerstand droht – und damit der schleichende Tod der City. In Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz ist das traditionsreiche Modehaus Carl Schmidt so ein Fall: Nach einem Todesfall stand der Standort vor dem Aus, ein weiteres dunkles Schaufenster im Zentrum schien vorprogrammiert. Stattdessen zog ein regional bekanntes Modeunternehmen ein – mit einem für seine Verhältnisse ungewöhnlich kleinen Laden.

Neue Realität der Innenstädte

Im klassischen Geschäftsmodell der Branche galt lange: große Häuser in größeren Städten, möglichst viele Marken, ein Vollsortiment, Tausende Quadratmeter. Doch die Realität der Innenstädte hat sich gedreht. Der Onlinehandel wächst, Umsätze werden digital gemacht, viele inhabergeführte Geschäfte finden keine Nachfolger mehr.

Gleichzeitig versuchen Bund, Freistaat und EU gegenzusteuern – allein über die Städtebauförderung flossen 2025 in Bayern mehr als 315 Millionen Euro in mehrere hundert Städte und Gemeinden, um Zentren zu stabilisieren und weiterzuentwickeln.

Sulzbach-Rosenberg: Innenstadt mit Zukunft?

In Sulzbach-Rosenberg wäre mit Carl Schmidt nicht nur ein Laden verschwunden, sondern auch Frequenz. Leerstand bedeutet: weniger Menschen auf der Straße, weniger Laufkundschaft für Cafés und Nachbarläden, am Ende eine spürbare Einbuße an Lebensqualität.

Aus Sicht von Stefan Frank (CSU), Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg, ist jeder bespielte Standort darum mehr als nur eine weitere Verkaufsfläche – er ist ein Signal, dass die Innenstadt noch Zukunft hat.

Was das Modell leisten kann

Für das Modehaus Frey aus Cham ist Sulzbach-Rosenberg ein Testfeld: Unternehmensleiter Helmut Hagner spricht von einem "Labor", in dem ausprobiert werden soll, ob so ein Format auf Dauer funktionieren kann. Statt wie gewohnt mehrere tausend Quadratmeter zu belegen, konzentriert man sich auf eine kleine Fläche und ein klar begrenztes Sortiment, zunächst Damenmode und Wäsche.

Möglich wird das, weil im Hintergrund Strukturen eines größeren Unternehmens stehen: Zentraleinkauf, Marketing, Logistik. Die Idee: Kleinere Läden in kleineren Städten können von dieser "Maschine im Rücken" profitieren und trotzdem lokal verankert sein. Helmut Hagner von Frey sieht darin auch eine Antwort auf veränderte Kundenbedürfnisse. Es gehe um menschliche Beratung und emotionale Einkaufserlebnisse in einer Zeit, in der viele Kontakte ins Digitale abwandern.

Einkaufen mit Erlebnis

Damit bewegt sich das Unternehmen in eine Richtung, die Stadtplaner seit Längerem beobachten: Weg von riesigen Warenhäusern, hin zu kompakteren, spezialisierteren Formaten. Zugleich reagiert es auf einen weiteren Trend: Stationärer Handel funktioniert dann, wenn er mehr bietet als reine Waren.

Viele Händler versuchen deshalb, Einkaufen mit Erlebnis zu verknüpfen – Modenschauen, Themenabende, Events im Laden. Wer offline in die Stadt kommt, will nicht nur etwas "besorgen", sondern auch einen Anlass haben, sich dort aufzuhalten.

Mehrere Rädchen müssen ineinandergreifen

Genau hier setzt auch die Einschätzung von Prof. Silke Weidner an. Sie leitet das Institut Stadtplanung und das Fachgebiet Stadtmanagement der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). Weidner sieht solche Versuche - neue Formate in kleineren Städten zu testen - grundsätzlich positiv.

Damit ein Modell wie in Sulzbach-Rosenberg tragfähig wird, braucht es passende Rahmenbedingungen: experimentierfreudige Immobilieneigentümer, Kommunen, die über Stadtmarketing, Förderprogramme und Gestaltung des öffentlichen Raums unterstützen und nicht zuletzt Kundinnen und Kunden, die das Angebot nutzen – statt nur im Internet zu bestellen.

Innenstadt: Mischung aus Wohnen, Einkaufen, Kultur

Auch die Förderpolitik setzt vermehrt auf Experimente wie Pop-up-Stores, Zwischennutzungen und neue Nutzungsmischungen in der Innenstadt. Sie werden gezielt unterstützt, etwa wenn leerstehende Nichtwohngebäude zu Wohnraum werden oder gewachsene Quartiere als Ressource begriffen werden.

In diesem Umfeld wirkt das Modegeschäft in Sulzbach-Rosenberg wie ein Baustein in einer größeren Suchbewegung – weg von der Idee, dass der klassische Einzelhandel allein die Innenstadt trägt, hin zu einer Mischung aus Wohnen, Einkaufen, Gastronomie, Kultur und neuen Treffpunkten.

Ob Frey mit seiner Strategie, kleine Läden in kleineren Städten zu eröffnen, langfristig Erfolg hat, wird sich zeigen.

Zum Nachhören: Mini-Kaufhaus - Rettung für die Innenstadt?

Kundin an einem Kleiderständer in einem Kaufhaus.
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Kundin an einem Kleiderständer in einem Kaufhaus. (Symbolbild)

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