Marco Hubers Weg in die Arbeitslosigkeit kam überraschend. Der 25-jährige Münchner hat ein jahrelanges Studium hinter sich, ein Bachelor in Fashion Management klang vielversprechend. Doch jetzt, wo er fertig ist, findet er keinen Job. Seit Januar ist er auf der Suche. "Es fühlt sich nicht so cool an, zu sagen, dass ich keine Arbeit habe", sagt er.
Huber hatte eigentlich vor, bei einer Modeagentur anzufangen. Nach einem Praktikum bekam er sogar direkt einen befristeten Vertrag. "Ich habe den angenommen mit der Prämisse, dass ich danach die Festanstellung bekomme. Leider ist dann die Personalleitung gegangen und es war alles mündlich." Der Vertrag lief aus, es folgte eine Reihe an Bewerbungsgesprächen ohne positive Rückmeldung.
Höhere Arbeitslosenquote wegen gesamtwirtschaftlicher Lage und KI
Die Arbeitslosenquote in Bayern ist im Jahr 2025 auf 4 Prozent angestiegen. Bei Akademikern liegt sie zwar darunter, ist mit 2,7 Prozent aber ebenfalls höher als in den Vorjahren.
Bayern liegt mit diesen Zahlen zwar unter dem bundesweiten Durchschnitt, doch auch im Freistaat wird der Arbeitsmarkt angespannter. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit liegt diese Entwicklung an der unklaren gesamtwirtschaftlichen Lage sowie der Umstellung in vielen Bereichen auf Künstliche Intelligenz: Unternehmen seien vor allem zögerlich mit Neueinstellungen.
Zukunftsforscherin: Kein Weg an KI vorbei
Aus Sicht der Zukunftsforscherin Julia Lampert vom Thinktank 2b AHEAD gibt es langfristig keinen Weg an der KI vorbei. Unternehmen müssten deshalb schnellstmöglich in ihre Mitarbeiter investieren, um diese fortzubilden. Aber auch jeder Einzelne müsse anfangen, sich mit KI auseinanderzusetzen. "Man muss darüber nachdenken, wie man selbst wettbewerbsfähiger wird", so Lampert im Kontrovers-Interview.
Im Video: Wer hat künftig noch Chancen am Arbeitsmarkt?
Kontrovers-Interview mit Dr. Julia Lampert, Zukunftsforscherin beim ThinkTank 2b AHEAD
Projektleiter schreibt 50 Bewerbungen in sechs Monaten: "Das Alter ist zu hoch"
Der Trend betrifft nicht nur Berufsanfänger. Thomas Haubold wurde ein halbes Jahr, nachdem er einen neuen Job angenommen hatte, gekündigt. "Von heute auf morgen outgesourced", wie der 61-Jährige sagt. Die Firma habe festgestellt, dass Haubolds neue Abteilung nicht rentabel sei.
50 Bewerbungen in sechs Monaten hat der Metallbauer und Projektleiter seitdem versendet. Zehn Vorstellungsgespräche später ist sein Fazit ernüchternd: "Die Erfahrung wäre vorhanden, aber das Alter ist halt eben zu hoch", sagt er. Konkret habe das nie jemand ausgesprochen, aber er habe die versteckte Botschaft auch so verstanden.
Bislang ist Haubold von einer Festanstellung in die nächste gewechselt. Jetzt ist er abhängig von der Arbeitsagentur – doch die habe ihm bislang nur eine unpassende Stelle vermittelt. Mittlerweile macht er sich finanzielle Sorgen. "Meine Frau und ich haben es uns tatsächlich durchgerechnet. Wir können zu Hause bleiben, aber wir können uns dann auch nichts mehr leisten."
Immer weniger Stellen für Hochqualifizierte
Die Zurückhaltung bei der Stellenvermittlung liegt wohl vor allem am Angebot: Auch für Experten wie Thomas Haubold gibt es immer weniger offene Stellen. Waren es 2022 noch etwa 385.000 Stellen für Hochqualifizierte in ganz Deutschland, schrumpften die angebotenen Jobs im Bereich der Akademiker laut Bundesagentur im Jahr 2024 auf etwa 234.000.
Arbeitsloser Fashionmanager wird zum Content Creator
Auch Marco Huber glaubt, dass sein Alter ein Nachteil ist: zu jung, zu unerfahren. Noch wird er finanziell von seinen Eltern unterstützt, bekommt kein Arbeitslosengeld. Er lebt in einer WG. Um sein Budget aufzubessern, produziert er Videos für Onlinekunden und kreiert eigenen Content auf Social Media. Er teilt dort seinen Arbeitslosen-Alltag und Erfahrungen aus Bewerbungsgesprächen.
In den kommenden Jahren werden fast 13 Millionen Menschen der Babyboomer-Generation in den Ruhestand gehen. Die spannende Frage: Wie entwickeln sich die Unternehmen? Welche Stellen werden nachbesetzt?
Nach Ende der Dreharbeiten für Kontrovers – Die Story bekommt Metallbauer Thomas Haubold doch noch die Nachricht, auf die er seit Monaten gewartet hat: eine Jobzusage als Projektleiter bei einem Gerüstbauer. Seine langjährige Erfahrung konnte den deutlich jüngeren Chef überzeugen.
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