Eine Ziege reckt ihren Hals über ein Gatter. Eine Seniorin nimmt Futter aus einer Plastiktüte, die ihr eine Frau hinhält. Eine weitere Frau ist von hinten im Anschnitt zu sehen. Seniorin Inge fühlt sich wohl auf dem Pflegebauernhof in Karlshuld - dem ersten seiner Art in Bayern.
Eine Ziege reckt ihren Hals über ein Gatter. Eine Seniorin nimmt Futter aus einer Plastiktüte, die ihr eine Frau hinhält. Eine weitere Frau ist von hinten im Anschnitt zu sehen. Seniorin Inge fühlt sich wohl auf dem Pflegebauernhof in Karlshuld - dem ersten seiner Art in Bayern.
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Seniorin Inge fühlt sich wohl auf dem Pflegebauernhof in Karlshuld - dem ersten seiner Art in Bayern.
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Seniorin Inge fühlt sich wohl auf dem Pflegebauernhof in Karlshuld - dem ersten seiner Art in Bayern.

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So lebt es sich auf Bayerns erstem Pflegebauernhof

So lebt es sich auf Bayerns erstem Pflegebauernhof

Bayerns erster Pflegebauernhof ist nahezu fertig: Viele Senioren sind schon eingezogen. Ins oberbayerische Karlshuld kommen auch die Kinder und Enkel gerne zu Besuch. Für das bayerische Gesundheitsministerium ist der Moorhof ein Vorzeigeprojekt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Youtube am .

Die 85-jährige Inge Zidek füttert regelmäßig die Ziegen mit Karotten. Sie liebt Tiere und nennt sich selbst eine "Viech-Tante". Auf dem Moorhof im oberbayerischen Karlshud fühlt sie sich wohl, seit Mai ist er ihr Zuhause. Hier gibt es Hühner, Pferde, Esel, Schafe, Hasen und viele weitere Bauernhoftiere.

Die 85-Jährige kann sie besuchen, streicheln oder beim Eier einsammeln helfen – und das dürfen auch ihre Angehörigen, wenn sie sie besuchen. Die Katze und Hofhund Lotti kommen auch auf die Terrasse oder ins Haus.

Aktive Beteiligung erwünscht

Auf den Wiesen hinter dem Stall grasen gut hundert Rinder. Der Moorhof bietet als Aktivbauernhof auch ein umfassendes Kinder- und Familienprogramm. Die nahe Eisdiele im Ortskern von Karlshuld lässt sich mit dem Rollator noch ansteuern. Landwirtin Nadine Angermeier will die Senioren – viele von ihnen sind an Demenz erkrankt – integrieren und motiviert sie, aktiv zu bleiben. "Unsere Bewohner können überall mit anpacken, zum Beispiel Hühner füttern oder im Haushalt mithelfen: Wäsche aufhängen, beim Kochen zur Hand gehen."

Gesundheitsminister: "Vorbildcharakter für Menschen mit Pflegebedarf"

Als der damalige Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) 2023 in Karlshuld vorbeischaute, sprach er von einem "Lebensraum mit Vorbildcharakter für Menschen mit Pflegebedarf". Damals war der ehemalige Ochsenstall noch eine Baustelle. Vier Jahre hat es vom Plan bis heute gedauert. Jetzt können hier 23 pflegebedürftige Senioren leben, verteilt auf zwei Wohngemeinschaften auf zwei Stockwerken. Beide Wohngruppen füllen sich zunehmend.

Im Video: Bauernhof statt Pflegeheim

Leben in Wohngemeinschaften

Die WG-Mitglieder teilen sich eine große Küche und den Wohn- und Aufenthaltsraum. Die Zimmer sind zwischen 16 und 20 Quadratmeter groß. Meist teilen sich zwei Zimmernachbarn ein Bad. Je nach Größe liegt die Monatsmiete zwischen 750 und 900 Euro. Dazu kommen 425 Euro für Lebensmittel und Hausmeistertätigkeiten.

Einzug nur mit Pflegegrad

Die meisten Bewohner des Bauernhofs haben Pflegegrad drei. Erst mit Pflegegrad kann man hier einziehen. Denn neben der Miete und der Aufwandsentschädigung wird auch eine Pflegepauschale fällig. Sie liegt derzeit bei 1.900 Euro und ist unabhängig davon, wie viel Zuwendung ein Bewohner braucht. Die Betreuung der Senioren übernimmt rund um die Uhr der ambulante Pflegedienst Family & Care. Pro WG ist stets mindestens eine Pflegekraft anwesend. Eine Hauswirtschafterin ist bis nachmittags da. Sie kümmert sich um die Wäsche und kocht.

Vorbild in Rheinland-Pfalz

Das Projekt in Karlshuld orientiert sich an dem bundesweit ersten Pflegebauernhof. Ihn betreibt seit rund 20 Jahren Guido Pusch. Der studierte Maschinenbauer hat den Bauernhof seiner Familie in Marienrachdorf in Rheinland-Pfalz übernommen, als seine Großmutter pflegebedürftig wurde und nicht von Zuhause wegwollte. Um das, was auf seinem Hof funktioniert, auch anderen Interessenten zu ermöglichen, hat Pusch ein Konzept erarbeitet und den Pflegedienst Family & Care gegründet.

Der Moorhof in Karlshuld ist bundesweit der zweite Pflegebauernhof und der erste in Bayern. Nun schlägt die Idee durch: Vier weitere Pflegebauernhöfe stehen bundesweit kurz vor der Eröffnung. 45 weitere Projekte begleitet Pusch in Deutschland durch die Planungsphase. Anfragen kommen auch aus Schweden, Frankreich, der Türkei sowie aus Saudi-Arabien und Nigeria. Allen Einrichtungen gemeinsam ist, dass sie Bauernhöfe mit zusätzlichem Leben füllen wollen.

Millionenprojekt Pflegebauernhof steht vor dem Abschluss

Der Pflegebauernhof in Karlshuld ist ein Millionenprojekt. Der Umbau kostet über vier Millionen Euro. Davon übernimmt der Freistaat 1,4 Millionen Euro. Eigentlich sollte der Moorhof schon vor zwei Jahren öffnen, doch viele Hürden haben das Projekt verzögert: Eine Bank sprang ab, so dass die Finanzierung monatelang auf der Kippe stand. Auch die Genehmigungsverfahren zogen sich. Doch bis Jahresende sollen auch die Außenanlagen fertig und alle Zimmer bewohnt sein. Für Nadine und Hans Angermeier hat sich der Aufwand gelohnt: "Es ist einfach jetzt schee!"

Dieser Artikel ist erstmals am 05.10.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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