Es ist eine Baustelle der Superlative. Schon der Kran, mit dem das Windrad errichtet wird, ist einer der größten in Deutschland. "Wir haben eine Mastlänge von 168 Metern plus eine 21-Meter-Spitze. Und wir können eine Maximalhubkraft von 151 Tonnen bis auf diese Höhe heben", sagt Kranfahrer Erich Michatz. 77 LKW waren notwendig, um allein die Bestandteile des Krans hier in den Wald bei Walting im Landkreis Eichstätt zu transportieren.
Logistische Meisterleistung beim Windrad-Aufbau
Der Transport des Krans und der Komponenten des Windrads ist eine logistische Herausforderung. Der Aufbau ist stark vom Wetter und vor allem vom Wind abhängig. Das Windrad besteht zunächst aus 94 Metern Betonturm, darauf kommen drei Stahlrohre – diese Teile wurden in Bayern angefertigt.
Darauf kommt das Maschinenhaus in 162 Metern Höhe, gefertigt beim Anlagenbauer Enercon in Aurich. Und an der Nabe am Maschinenhaus werden die drei Rotorblätter befestigt. Jedes von ihnen ist 85 Meter lang. Der Rotor hat damit einen Durchmesser von 175 Metern.
Landwirt mit Mission: Windräder gegen den Klimawandel
Daniel Bauer und Josef Streller verbringen jede freie Minute auf der Baustelle. Gemeinsam mit Vater Ferdinand Bauer sind die drei die Bauherren des Windrades in einem riesigen Waldgebiet. Dort stehen auch schon drei weitere Windräder, die sie dort vor zehn Jahren gemeinsam haben bauen lassen. Sie haben also schon viel Erfahrung im Betrieb von Windrädern.
Und sie haben eine Mission, so Landwirt Josef Streller: "Ich hab schon vor 20 Jahren gemerkt, dass die Niederschläge immer mehr ausbleiben, dass die Temperaturen sich immer mehr erhöhen, und von dem her bin ich schon lange getrieben, mit den Erneuerbaren Energien etwas zu machen, damit wir einfach den Klimawandel verlangsamen können."
Vom "Wind-an-Land-Gesetz" zur Baugenehmigung
Ohne Ihre Erfahrung und besondere Umstände hätten sie das neue Windrad auch nicht errichten können. Das große Glück für sie war das "Wind-an-Land-Gesetz" der Ampelregierung von 2022, nach dem Bundesländer wie Bayern verbindliche Ziele für die Windkraft formulieren mussten. Nachdem das Gesetz beschlossen wurde, begannen sie 2022 mit Gesprächen mit den Grundstückseigentümern und beauftragten das wichtige artenschutzrechtliche Gutachten, so Daniel Bauer.
Danach: Wind-, Schall- und Schattengutachten, Baugenehmigung beantragen, sich für die Einspeisevergütung bewerben, Kredit mit der heimischen Sparkasse verhandeln. Das dauerte drei Jahre, ein vergleichsweise schneller Genehmigungsprozess, so die Bauherren, dank der zügigen Genehmigung durch das Landratsamt Eichstätt.
Das dritte Rotorblatt wird montiert
Mit Sicherheitsabstand verfolgen sie, wie das letzte Rotorblatt – etwa 85 Meter lang und 27 Tonnen schwer – in eine sogenannte Traverse eingehängt und langsam vom großen Kran nach oben gezogen wird. Beim Bau gab es keine großen Verzögerungen. Und so klappt auch an diesem Tag alles gut. Der Vorteil: Es ist nahezu windstill; das ist sehr hilfreich beim Transport der Rotorblätter auf 162 Meter Höhe. Dort oben warten die Arbeiter, um es an der Nabe zu befestigen.
Geschafft. Rund zehn Millionen Euro kostet das Windrad. 45 Bürger und die Bauherren haben eine Million Euro dafür aufgebracht, den Rest gibt die Bank über einen Kredit. Innerhalb von zwölf bis 15 Jahren soll sich die Anlage amortisiert haben.
Windrad-Bauherr: Schlechte Aussichten für neue Projekte
Für Daniel Bauer steht fest, dass sie den perfekten Zeitpunkt für die Planung gefunden haben: "Wenn wir heute anfangen würden zu planen, dann würden wir nicht weitermachen. Denn durch die Ankündigungen von Frau Reiche, was den Netzanschluss anbelangt, oder auch die Vergütungshöhe wird es unmöglich, ein Windprojekt in Bayern umzusetzen."
Denn Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche von der CDU plant im Rahmen der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, Kosten für die Energiewende zukünftig auf die Hersteller der erneuerbaren Energien umzulegen. Für das neue Windrad, das in wenigen Wochen ans Netz gehen und Strom für 3.000 Haushalte liefern soll, gilt das nicht mehr.
Auf Instagram: Bayerns größtes Windrad
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