Im Schweinestall von Franz Kratzer in der Nähe von Augsburg. Kratzer hält Muttersauen, etwa anderthalbtausend Stück, dazu kommen tausende Mastschweine. Für seine Tiere ist die Stromversorgung überlebenswichtig. "Wenn die Lüftung ausfällt in einem Warmstall ohne Ventilator ..." Für die Schweine wäre das fatal, so Kratzer. "Sie verbrauchen den Sauerstoff und im Endeffekt würden sie irgendwann ersticken. Ganz einfach."
Für Kratzer wäre das eine Katastrophe. Deshalb hat er vorgesorgt. Er hat mehrere Notstromaggregate auf seinem Hof, die die Ställe im Notfall versorgen können. Erst im vergangenen Jahr musste er sie wieder zum Einsatz bringen.
Landwirtschaftsministerium will Krisenfestigkeit prüfen
Kratzer ist einer von rund 100.000 Landwirten in Bayern. Alle wurden gebeten, an einer Umfrage des Landwirtschaftsministeriums [externer Link] teilzunehmen. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) will sich ein Bild über die Krisenfestigkeit der bayerischen Landwirte machen. Die Notstromversorgung ist ein Aspekt in der Umfrage. Futter-, Wasser- oder Kraftstoffversorgung sind ebenso Thema.
In einem Video [externer Link], das zusammen mit der Umfrage veröffentlicht wurde, richtet sich die Ministerin direkt an die Landwirte: "Wir müssen unser Land stark machen, um auf unerwartete Ereignisse gut reagieren zu können. Und Sie, liebe Landwirtinnen und Landwirte, sind ein ganz wesentlicher Teil unserer Sicherheitsarchitektur."
Landwirte als "wesentlicher Teil der Sicherheitsarchitektur"
Johann Schmid, Oberst im Generalstabsdienst der Bundeswehr, kommt zu einem ähnlichen Urteil. "Die Landwirtschaft könnte man in den Bereich der kritischen Infrastrukturen einordnen." Genauso wie Betreiber eines Flughafens oder einer Chemiefabrik, sollten sich auch Landwirte über ihre Krisensicherheit Gedanken machen. Der Brandanschlag von Berlin Anfang des Jahres hätte gezeigt, wie leicht beispielsweise die Stromversorgung für ganze Stadtteile lahmgelegt werden könnte.
Ist Landwirt Franz Kratzer gewappnet für den Krisenfall?
Landwirtschaft in Krisen im Vorteil
Ein Vorteil, den die Landwirtschaft jedoch hat, sei ihre dezentrale Versorgung, so Schmid. Viele Bauern verfügen beispielsweise über eigene Anlagen zur Stromversorgung, etwa durch Photovoltaik oder Biogasanlagen, oder über eigene Brunnen. In einer Krise ein Vorteil: Viele kleine Versorger sind für Bedrohungen oder Katastrophen weniger anfällig als wenige große.
Schweinebauer Franz Kratzer hat in den letzten Jahren vorgesorgt. Er hat auf seinem Hof einen Energiespeicher, in dem er Strom aus seiner Photovoltaik-Anlage speichern kann. Er würde das System gerne ausbauen, die entsprechenden Genehmigungen lassen aber auf sich warten.
"Wenn du in der Landwirtschaft arbeitest und irgendwo über dir dieses Problem schwebt, dass von jetzt auf gleich die Stromversorgung, die Wasserversorgung weg ist, habe ich selbstverständlich den Wunsch, das selber zu machen. Alles andere auf dem Hof machen wir ja auch selber."
Sorge vor länger anhaltenden Krisen
Auch das Thema Kraftstoff wird in der Umfrage angesprochen. Bei Franz Kratzer kommt etwa alle zwei Wochen der Diesellaster und befüllt die hofeigene Tankstelle. Vor kurzfristigen Engpässen macht sich Kratzer hier keine großen Sorgen. Eher, was es für den Hof bedeuten würde, wenn die Dieselpreise dauerhaft so hoch bleiben würden.
Dass das Ministerium sich mit der Umfrage nun in die Krisenvorsorge einschaltet, findet Kratzer gut. "Wenn man es dann verarbeitet und wenn man dann sich auch Lösungen überlegt und den Betrieben anbietet, das hätte schon Vorteile."
Mit den ausgewerteten Ergebnissen der Umfrage rechnet das Ministerium Ende des Jahres.
Im Video: Ernstfall – Wie krisenfest ist die Landwirtschaft?
Landwirtschaftlicher Betrieb
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