Ein Polizeiauto fährt am Flughafen München vor einem Boing-Dreamliner der Vietnam Airlines.
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Bildrechte: picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand
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"Haben Schlag gehört": Passagier schildert Dreamliner-Start

"Haben Schlag gehört": Passagier schildert Dreamliner-Start

Nach dem Beinahe-Unfall einer Boeing 787 am Wochenende schildern zwei Passagiere ihre Erlebnisse an Bord des Fliegers von Vietnam Airlines. Auch von den Piloten gibt es erste Angaben zu "Tail Strike" und Reifendruck-Warnungen.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Benjamin Beck und Matthias Hauser wollten am Samstag nach Vietnam fliegen. Stattdessen haben die beiden Freunde die Nacht in einem Hotel in München verbracht. Ihr Flieger, eine Boeing 787, ist am Münchner Flughafen Luftfahrt-Experten zufolge um Haaresbreite einer Katastrophe entgangen.

Videos, die in den sozialen Medien kursieren, zeigen, wie das Flugzeug nicht wie vorgesehen auf der 4.000 Meter langen Startbahn abhebt, sondern erst im Rasen dahinter, und dabei Staub aufwirbelt. Ein vorläufiger Untersuchungsbericht von Vietnams Luftfahrtbehörde (CAAV) besagt: Die Besatzung habe beim Beschleunigen bereits Probleme festgestellt.

Erste Untersuchungen aus dem Cockpit

Als der "Dreamliner" am Samstagnachmittag auf der Startbahn beschleunigen sollte, merkte auch Matthias Hauser recht früh, dass etwas nicht stimmte: "Uns ist aufgefallen, dass die Maschine viel zu langsam war."

Im Bericht heißt es unter Berufung auf die Piloten des Fluges: Ungefähr auf halbem Weg auf der Startbahn habe die Maschine rund zwei Sekunden lang nicht an Tempo zugelegt. Danach habe die Maschine zunächst bis zur kritisch erforderlichen Geschwindigkeit beschleunigt, aber dann sei das Tempo wieder abgefallen.

Abheben im Rasen: "Haben einen Schlag gehört"

An den Moment erinnert sich Matthias Hauser: "Beim Abheben sind wir über die Landebahn geschossen. Und wir haben einen richtigen Schlag gehört."

Da nicht mehr genug Strecke auf der Bahn vorhanden gewesen sei, um den Start sicher abzubrechen, habe der Pilot den Startvorgang fortgesetzt, heißt es weiter im Bericht der Luftfahrtbehörde. Der Pilot habe die Triebwerks-Schubhebel auf maximale Position gebracht und die Flugzeugnase hochgezogen. 

Direkt nach dem Start im Rasen erhielt die Besatzung nach CAAV-Angaben dann eine Warnung: Es gebe Hinweise darauf, dass das Heck aufgeprallt sei, ein sogenannter "Tail Strike". Auch der Reifendruck stimme in vier von acht Reifen nicht. Die Crew informierte die Fluglotsen und entschied: Die Maschine kehrt zum Flughafen München zurück.

Angst im Flieger: "Gänsehaut und trotzdem geschwitzt"

Benjamin Beck erinnert sich an die Ansage aus den Lautsprechern : "Dann kam die Durchsage, dass wir zurückfliegen: Technisches Problem. Da kam schon langsam die Panik. Aber die Leute waren echt ruhig, und ich glaube, ich war noch am aufgeregtesten. Ich habe gefroren, ich habe Gänsehaut gehabt und trotzdem geschwitzt."

Mit dem Gefühl war Benjamin Beck nicht allein, auch eine andere Passagierin berichtet: "Ich hatte solche Angst – ich wollt nur noch eines: sicher landen."

Angaben der Piloten über die zwei Stunden in der Luft

Bevor er zur Notlandung ansetzen konnte, musste der Dreamliner rund zwei Stunden lang im Flug Kerosin ablassen, um die Maschine leichter zu machen. Im Bericht von Vietnams Luftfahrtbehörde geben die Piloten an, sie hätten in niedriger Höhe zwei Schleifen über dem Flughafen gedreht, damit die Flugsicherung den Zustand des Fahrwerks beurteilen konnte.

Trotz des fehlerhaften Reifendrucks seien dabei keine Abnormalitäten festgestellt worden und der Pilot habe das Flugzeug gelandet, heißt es im vietnamesischen Bericht. Bei der Landung soll sich der Verdacht, die Reifen seien beschädigt, dann bestätigt haben: drei auf der linken Fahrwerksseite, einer auf der rechten seien geplatzt.

Erleichterung: "Da weiß man das Leben wieder zu schätzen"

Alle 271 Passagiere und die 16 Crewmitglieder blieben unverletzt. Matthias Hauser beschreibt, was nach der Landung passierte: "Die Kommunikation war, offen gesagt, sehr schlecht", sagt er. "Wir wurden da mit einer Feuerwehrtreppe rausgeholt und sind auch nicht an unser Gepäck rangekommen."

In Deutschland hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig den Flugdatenschreiber und die Voicerekorder sichergestellt. Bis zu einem Zwischenbericht könnte einige Wochen vergehen.

Die zwei Freunde wollen trotzdem fliegen, haben aber lieber eine andere Airline gebucht. Ihr Gepäck haben sie mittlerweile zurückbekommen. Benjamin Beck und Matthias Hauser sind, wie alle anderen Passagiere auch, mit dem Schrecken davongekommen. "Da weiß man das Leben wieder zu schätzen."

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