Der Rettungshubschrauber Christoph 14 zusammen mit der Bergwacht an der Hochries im Einsatz.
Der Rettungshubschrauber Christoph 14 zusammen mit der Bergwacht an der Hochries im Einsatz.
Bild
Eine Person wird von der Bergwacht per Helikopter gerettet.
Bildrechte: picture alliance / Jan Eifert | Jan Eifert
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / Jan Eifert | Jan Eifert
Audiobeitrag

Eine Person wird von der Bergwacht per Helikopter gerettet.

Audiobeitrag
>

Bergunfälle in Bayern: Wo die Bergwacht am häufigsten ausrückt

Bergunfälle in Bayern: Wo die Bergwacht am häufigsten ausrückt

Die meisten Bergunfälle passieren an beliebten Zielen wie Zugspitze und Watzmann sowie auf Skipisten. Außerdem nehmen Gefahren durch den Klimawandel zu. Die Einsatzzahlen der Bergwacht sind hoch, doch jeder kann selbst mehr für die Sicherheit tun.

Über dieses Thema berichtet: Rucksackradio am .

Die Wintersaison 25/26 der Bergwacht Bayern geht zu Ende. Zwischen Dezember und Mai rückten die ehrenamtlichen Retter rund 5.400 Mal aus. Das sind etwas weniger Einsätze als im Vorjahr, aber "ein sehr intensiver Einsatzwinter", sagt Roland Ampenberger, Pressesprecher der Bergwacht Bayern.

Wintersport forderte die meisten Einsätze

Vor allem die sehr wechselhaften Bedingungen forderten die Retterinnen und Retter: unten grüne Wiesen, oben Winterlandschaft. "Das kann ein Einsatz im Winter sein, der völlig schneefrei ist. Und ein paar Hundert Höhenmeter weiter oben steht man in der hochwinterlichen Landschaft", so Ampenberger.

Fällt wenig Schnee, verlagert sich der Freizeitverkehr: Statt Skifahren wird mehr gewandert – mit entsprechenden neuen Einsatzszenarien. Schwerpunkt der Arbeit bleibt der organisierte Sport in der ersten Saisonhälfte. "Am häufigsten mussten wir dort ausrücken, wo Wintersport möglich war", sagt Ampenberger, vor allem im Allgäu und im bayerischen Oberland. Die Bergwachten Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen wurden am stärksten in den örtlichen Skigebieten gefordert. Rund 70 Prozent aller Einsätze im Winter entfallen auf Unfälle und Notfälle auf Skipisten, meist durch Stürze.

Mehr Unfälle – aber weniger Todesfälle

Die Gesamtzahl der Notfälle im Gebirge ist hoch, was den Deutschen Alpenverein (DAV) nicht überrascht. "Der große Zuwachs an Menschen, die im Gebirge unterwegs sind, bringt mit sich, dass auch mehr passiert", sagt Stefan Winter, Ressortleiter Sportentwicklung beim DAV. Besonders viele Einsätze gibt es an populären Zielen wie Zugspitze und Watzmann. Dort haben die Bergwacht Berchtesgaden und die Bergwacht Ramsau im vergangenen Sommer rund 300 Mal Hilfe bei Notfällen geleistet – dies zum Teil in sehr anspruchsvollem hochalpinen Gelände.

Wie viele Unfälle tatsächlich passieren, weiß niemand genau. Eine Annäherung bieten die DAV-Versicherungsdaten: 1.352 Unfälle oder Notfälle von DAV-Mitgliedern wurden 2024 registriert: ein Höchststand. Gleichzeitig wächst die Mitgliederzahl, sodass die Unfallquote pro Mitglied relativ konstant bleibt. Glücklicherweise gibt es weniger tödliche Unfälle in der DAV-Statistik. Der Alpenverein hat heute über 1,6 Millionen Mitglieder, 2024 starben 41 von ihnen in den Bergen. In den 1990er-Jahren waren es im Schnitt 65 Todesfälle pro Jahr – bei nur rund 600.000 Mitgliedern.

Sind die bayerischen Berge gefährlicher geworden?

Aus den Einsatzzahlen lasse sich nicht direkt auf die Gefahr am Berg schließen, betont der Bergwacht-Sprecher. Viele Einsätze an der Zugspitze oder am Watzmann bedeuteten vor allem eines: "Diese markanten Ziele ziehen die Menschen an – und dementsprechend sind auch sehr viele Menschen dort unterwegs. Das sagt jetzt nichts per se über mögliche Gefahren aus."

Für mehr Sicherheit sorgen heute moderne Ausrüstung, Smartphones, Helikopter, Kurse von Alpenvereinen und Bergschulen sowie deutlich bessere Wetter- und Lawinenlageberichte. Gleichzeitig beobachtet der DAV aber neue Probleme: Immer häufiger müssen blockierte Bergsteiger gerettet werden – Menschen, die sich psychisch übernehmen, stehenbleiben und nicht mehr weiterkommen, obwohl sie körperlich unverletzt sind.

Durch Social Media und Tourenportale zieht es zudem Menschen in Routen, die nicht zu ihnen passen. "Da den Abgleich mit der eigenen Fitness herzustellen, das fällt dem einen oder anderen doch schwer", so Winter.

Wie solche Einsätze in der Realität aussehen, zeigt die neue Staffel von "In höchster Not – Bergretter im Einsatz": Die Doku begleitet die Bergwachten Grainau, Ramsau und Bad Reichenhall bei echten Rettungen in den bayerischen Alpen – vom Sturz in die Gletscherspalte bis zur nächtlichen Bergung im Schneesturm. Einsätze, die selbst erfahrene Retter an ihre Grenzen bringen.

Im Video: Wenn die Bergwacht zum Notfall ausrückt

Einsatz der Bergwacht Grainau in einer Gletscherspalte am Höllentalferner.
Bildrechte: BR/Timeline Production
Videobeitrag

Einsatz der Bergwacht Grainau in einer Gletscherspalte am Höllentalferner.

Klimawandel: Mehr Risiken durch Starkregen und Felsstürze

Der Klimawandel verändert die Alpen. In hohen Lagen sei die Temperatur bereits um drei bis vier Grad gestiegen, deutlich mehr als in der Ebene, sagt der Ressortleiter Sportentwicklung beim DAV. Permafrostböden tauen auf, Hänge können instabil werden, Felsstürze zunehmen. Dazu kommen häufiger extreme Wetterereignisse wie Starkregen. All das kann das Risiko für Bergsportler erhöhen.

Zugleich erinnert der Sprecher der Bergwacht daran, dass Unwägbarkeiten im Gebirge kein neues Phänomen sind. Dazu war früher der Wetterbericht deutlich unzuverlässiger. Wichtig sei, Menschen dafür zu sensibilisieren, dass Wetterumschwünge in den Bergen schneller und heftiger ausfallen als im Flachland, trotz Wetter-App.

Wie man das persönliche Risiko reduziert

Ganz ohne Risiko ist eine Bergtour nie. Doch man kann es verringern: "Das Beste ist, sich ausbilden zu lassen", so der DAV-Experte Winter. Wer mehr Know-how hat, macht weniger Fehler – und reduziert die Wahrscheinlichkeit für Unfälle und Notlagen. Dazu gehören eine sorgfältige Tourenplanung, passende Ausrüstung und eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten.

Für Ampenberger von der Bergwacht ist Risikominimierung auch eine Frage der Haltung: Berge seien eine Gegenwelt zur Stadt, ein Ort der Freiheit. "Gleichzeitig ist an diese Freiheit das Thema Verantwortung geknüpft", meint er. Wer in die Berge geht, müsse sich bewusst sein: "Ich kann hier nicht mal eben aussteigen, ich bin in der Natur unterwegs."

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!