Einsatz der Bergwacht Grainau: Gletscherspalte am Höllentalferner.
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Gefahren am Gletscher: Warum Spaltenstürze zunehmen

Gefahren am Gletscher: Warum Spaltenstürze zunehmen

Ein Wahnsinnsschmerz im Dunklen: Wer unfreiwillig in eine Gletscherspalte stürzt, vergisst dieses tragische Ereignis nie wieder. Doch die Unfallzahlen steigen und die Gefahr für Spaltenstürze nimmt zu. Wie geht man richtig vor?

Über dieses Thema berichtet: In höchster Not · Bergretter im Einsatz - Staffel 02 am .

Der Weg durch das Höllental über die Gletscherreste auf Deutschlands höchsten Gipfel ist beliebt, aber auch zunehmend tückisch. Daher hat sich der Höllentalferner an der Zugspitze zu einem neuen Unfallschwerpunkt entwickelt.

Aperer Schnee: Gletschertour endet im Absturz

Auch Stefan ist in seiner Freizeit gerne in den Bergen unterwegs und hatte sich im vergangenen Sommer auf diesen Weg gemacht. Doch er habe "bessere Bedingungen erwartet", erzählt Stefan rückblickend, sprich: griffigen Schnee, um sicher darauf zu steigen und gefährlichen Spalten ausweichen zu können.

Tatsächlich war der Höllentalferner aber an vielen Stellen aper, das bedeutet, dass der Altschnee aus dem Winter abgeschmolzen war und das blanke Eis an die Oberfläche kommt. Ohne Steigeisen und Pickel kam Stefan ins Rutschen und stürzte in eine Gletscherspalte.

Was dann passierte, zeigt eine neue Folge von "In höchster Not - Bergretter im Einsatz": Verletzt und unterkühlt klemmt Stefan auf 2.500 Metern im Eis fest – ob der Rettungshubschrauber bei aufziehendem Nebel überhaupt fliegen kann, entscheidet über Leben und Tod.

Im Video: Wie die Bergwacht versucht, Stefan aus der Gletscherspalte zu retten

Martin Ostler, Bergretter der Bergwacht Grainau, beim Einsatz in der Gletscherspalte
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Martin Ostler, Bergretter der Bergwacht Grainau, beim Einsatz in der Gletscherspalte

Tücke der Gletscherbegehung

Auch für erfahrene Bergsteigerinnen und Bergsteiger sei die Begehung eines Gletschers tückisch, erklärt Stefan Winter, alpiner Sicherheitsexperte des Deutschen Alpenvereins, und erwartet auch in diesem Sommer eine Situation ähnlich der, die der Freizeit-Bergsportler Stefan erlebt hat: "Wir haben sehr wenig Altschnee aus dem Winter, der ist im Frühsommer dann so gut wie weggeschmolzen, das heißt, wir haben im Frühsommer sehr viele Blankeisflächen", erklärt Winter.

Selbst für die Begehung von eher harmlos geltenden Gletschern wie dem Höllentalferner brauche es daher Steigeisen und einen Eispickel, um genügend Halt zu haben. Gute Steigtechnik und die mentale Stärke, auch im steileren Eis sicher zu gehen, gehören dazu. Denn einmal ins Rutschen geraten, lässt sich ein Sturz auf dem Eis kaum mehr bremsen.

Seil oder nicht Seil – das ist die Frage

Wegen der oft unsicheren Schneelage auf Gletschern gehen Gruppen normalerweise am Seil. Hier gehören die richtige Handhabung und Seiltechnik ebenfalls zum Einmaleins der Gletscherbegehung. Stefan Winter rät grundsätzlich zum Anseilen: "Auch wenn man sich vielleicht sogar ein bisschen blöd vorkommt. Aber zehn Meter in ein Loch zu fallen, tut mehr weh, als vielleicht abschätzige Blicke von anderen auszuhalten."

Besonders tückisch wird es wiederum, wenn das Gletschereis ausgeapert ist und der Gletscher steiler wird. Dann muss sich die Seilschaft entweder mit Eisschrauben an Haltepunkten auf dem Gletscher sichern oder aber ohne Seilsicherung weitersteigen. Denn im steilen Eis kann auch eine Gruppe den Rutscher einer einzelnen Person am Seil nicht halten. Ein sogenannter Seilschaftsabsturz mit mehreren Personen, wie er regelmäßig vorkommt, ist dann die tragische Folge.

Mehr Gefahr durch Klimawandel?

"Ich kenne von früher ganz andere Bedingungen", erzählt der Zugspitzbesteiger Stefan nach seinem Spaltensturz auf dem Höllentalferner. Die Beobachtung bestätigt der Sicherheitsexperte des Deutschen Alpenvereins. "Das Blankeis mit den Spalten ist im Sommer bei weitem nicht mehr so gut bedeckt wie früher. Dadurch haben wir eine viel höhere Spaltensturzgefahr als früher", beschreibt Stefan Winter die Entwicklung.

Zu einem immer größeren Problem werden auch die Randklüfte, also die Stellen, an denen der Gletscher an den Fels anstößt, und wo sich im Laufe des Sommers immer tiefere Spalten bilden, die stellenweise gar nicht mehr überklettert werden können. Zusätzliche Gefahren entstehen durch Steinschlag aus den angrenzenden Felswänden. Auch dieses Risiko tritt durch klimawandelbedingte Schmelzprozesse häufiger auf.

Früh los und gut vorbereitet sein

Ein früher Aufbruch, wenn die Schneedecke noch möglichst stabil ist, sei immer zu empfehlen, sagen die Experten des DAV. Neben der notwendigen Gletscherausrüstung geht es dann aber vor allem um die Eigenverantwortung, also um die Einschätzung der Situation und das richtige Verhalten. Die Entscheidung, gegebenenfalls umzukehren, sollte man immer einkalkulieren.

Für die Bergwacht in Grainau aber hat die Unfallsaison im Höllental schon wieder begonnen. Viel zu früh im Jahr machen sich bereits jetzt Leute zur Zugspitzbesteigung auf. Es gab schon mehrere Einsätze. Da war noch nicht der Gletscher die Ursache, sondern der Altschnee, der noch große Teile der Route bedeckt.

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