Cirrus homogenitus über den Osterseen
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Blick in den Himmel als Wellness: Der Wolkensammler aus München

Blick in den Himmel als Wellness: Der Wolkensammler aus München

Bernhard Kaliner schaut lieber in den Himmel als aufs Handy. Reale Wolken faszinieren ihn mehr als digitale Clouds. Der Münchner Psychologe fotografiert seltene Wolkenformationen und teilt seine Aufnahmen mit Zehntausenden Wolkenfreunden weltweit.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Wer durch die Stadt oder in die Natur geht, schaut mittlerweile oftmals nach unten - aufs Handy! Bernhard Kaliner hingegen richtet seinen Blick bewusst nach oben. Der Münchner Psychologe beobachtet gerne die Wolkenformationen, die sich über ihm am Himmel bilden. Für ihn ist das eine Form der Entschleunigung, wie er sagt.

Er könne nicht durch die Natur gehen, ohne den Himmel zu prüfen und nach besonderen Wolken Ausschau zu halten. In München geht er gerne zum Monopterus im Englischen Garten, weil er von dort einen unverbauten Blick in den Himmel hat.

Vom Monopteros zum Weltkalender

Der 79-jährige Wahlmünchner lebt mitten in Schwabing. Selbst hier, von seinem Fenster im dritten Stock erhascht er manchmal eine ungewöhnliche Formation. Etwa eine Wolke, die aussieht wie eine Rauchsäule, die aus dem Schornstein des Nachbarhauses kommt. Doch in Wirklichkeit ist es ein Kondensstreifen, der sich genau über dem Schornstein gebildet hat.

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Cumulus homomutatus

Dieses Foto hat in einem Buch der Cloud Appreciation Society "über Wolken, die aussehen wie Dinge" seinen Platz gefunden. Nicht sein erstes Foto, das veröffentlicht wurde. Vor 19 Jahren wurde Bernhard Kaliner Mitglied dieser internationalen Gemeinschaft von Wolkenbeobachtern. Mit einem Foto einer Wolke, die aussieht wie eine hauchzarte Feder. Damit schaffte er es in den Cloudkalender 2008.

Weltweit vernetzt im Namen der Wolke

Seitdem teilt das Mitglied Nummer 9964 der Cloud Appreciation Society regelmäßig seine besten Aufnahmen mit seinen internationalen Wolkenfreunden. Piloten, Meteorologen, Profi- wie auch Amateurfotografen und Wolkenfreunde, die eine Leidenschaft für besondere Wetterphänomene haben, vernetzen sich hier weltweit. Mittlerweile hat die Gesellschaft, die der Engländer Gavin Pretor-Pinney 2005 gegründet hat, 67.000 Mitglieder.

Wolken fürs Wohlbefinden

Täglich verschickt der Verein eine "Wolken E-Mail" an seine Mitglieder. "We’ve always argued that a moment each day with your head in the clouds has a profound effect on your wellbeing". Pretor-Pinney ist davon überzeugt, dass ein Moment der Besinnung auf die Wolken unser Wohlbefinden maßgeblich beeinflusst. Neben Fotos kann das ein inspirierendes Zitat, ein kurzer Einblick in die Wolkenkunde oder ein Detail aus einem klassischen Wolkengemälde sein.

Außer dem jährlichen Cloud-Calender veröffentlicht die Gesellschaft Wolkenbücher mit verschiedenen Themenschwerpunkten. "The Cloudspotters Guide" und "Cloudspotting for Beginners" sind Bestseller. Auch Reisen zu Wolkenbeobachtungen etwa nach Schottland oder zum Himmelstreffen nach Bolivien werden angeboten. Und mit der CloudSpotter App hat man immer die 58 wichtigsten Wolkenformationen parat.

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Fallstreak Hole

Der besondere Fang - das Wolkenloch

Noch einmal schaffte es ein Foto von Bernhard Kaliner in den Jahreskalender 2019: Ein Wolkensee am Brauneck. Eine Inversionswetterlage, bei der es unten kalt und feucht ist, während über den Wolken die Sonne scheint, bescherte Bergfreund Kaliner dies außergewöhnlichen Motiv.

Seinen bisher eindrucksvollsten Fang machte Kaliner allerdings an einem Abend in Detmold: ein sogenanntes Fallstreak Hole, ein kreisförmiges Wolkenloch. "Solche Phänomene entstehen, wenn ein Flugzeug über einer Wolkendecke Eiskristalle löst, die dann ausfallen und ein Loch in der Wolkendecke bilden. In der Mitte bleibt oft eine kleine Federwolke aus Eiskristallen zurück", schwärmt der Wolkenliebhaber. Ein einzigartiger Moment, ein Glücksfall, weil er zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen sei. Eine absolute Rarität, die auch passionierte Wolkensammler fast nie zu Gesicht bekommen.

Gelassenheit statt Jagd

Bernhard Kaliner war noch bei keiner der Reisen des Wolkenvereins dabei. Zuviel "Aktionismus" mag er nicht. Er beobachtet die Schönheit der Himmelsgebilde von dort aus, wo er gerade ist, lässt die Wetterereignisse auf sich zukommen. Er sei eben kein Wolkenjäger, sondern ein Wolkensammler, wie er sagt.

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