Der Brenner-Nordzulauf, der die Schienenanbindung Bayerns zum Brenner-Basistunnel verstärken soll – der Tunnel befindet sich derzeit unter den Alpen im Bau – ist eines der größten Verkehrsprojekte, die derzeit in Deutschland in Planung sind.
Seit Jahren wird über den genauen Verlauf gestritten, über die Gestaltung der Trasse und über die Frage, ob es die zwei neuen Gleise wirklich braucht. Aussagen in der BR-Sendung "Jetzt red i" in dieser Woche ließen auf einmal aufhorchen: Fehlt für den Brenner-Nordzulauf das Geld? Lässt die Politik von dem Projekt ab?
Staatssekretär: Eine Frage der Kapazität
Immerhin könnte der Bau der Strecke bis zu 16 Milliarden Euro kosten, wie die Deutsche Bahn am Ende ihrer Vorplanung mitteilte. Im Interview mit dem BR nach der Sendung "Jetzt red i" betonte CSU-Staatssekretär Ulrich Lange, es sei alles eine Frage der Kapazität. Das Bestandsnetz in Bayern werde umfassend saniert, zudem stünden drei große Neu- und Ausbauprojekte in Bayern an.
Kapazitäten auf der Schiene schaffen
Ulrich Lange stellte die Frage, wie viel Kapazität für Züge man auf der Strecke Richtung Brenner wirklich brauche, wenn die Leit- und Sicherungstechnik auf der bestehenden Trasse digitalisiert und die Strecke München–Mühldorf–Freilassing ausgebaut sei. Für diese Strecke erwartet er in Kürze Baurecht. 2027/2028 soll dann mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden.
Unter anderem sollen 145 Kilometer elektrifiziert werden, zwischen Markt Schwaben und Ampfing kommt ein zweites Gleis. Damit sei klar, so Lange: "Was Baurecht hat, hat Priorität."
Vom Baurecht ist man beim Brenner-Nordzulauf noch weit entfernt. Das Bundesverkehrsministerium betrachte die Strecke nach Freilassing als eine, die Kapazität und Entlastung "hier für diesen Alpenzulauf" schafft, gemeint ist also die Schiene Richtung Brenner. Kostenschätzung derzeit für die Strecke München–Freilassing: rund 9,3 Milliarden Euro.
Neu- und Ausbauprojekte in Bayern
Es gehe darum, die Verkehre insgesamt zu analysieren – von München bis nach Verona und Triest. "Und deswegen müssen wir zuallererst, bevor wir über weitere Projekte reden, über den Knoten München und seine Kapazität sprechen, das hat Priorität", so Ulrich Lange.
Mit dem Aus- und Neubauprojekt Augsburg–Ulm stärke man eine der wichtigsten Ost-West-Verbindungen Süddeutschlands. Im Bundeshaushalt 2027 sollen Gelder für die Planung bereitgestellt werden. Und dann werde man sich die nächsten Wochen mit dem Nordosten Bayerns auseinandersetzen, mit der Franken-Sachsen-Magistrale zwischen Hof und Dresden. Auch hier sollen im Bundeshaushalt 2027 Gelder für den Einstieg in die Planung bereitgestellt werden.
Bürgerinitiative reagiert erfreut
Dass in Sachen Brenner-Nordzulauf vielleicht doch ein günstigerer Ausbau der bestehenden Strecke realistischer wird als ein teurer Neubau, freut die Bürgerinitiative "Brennerdialog". Sie wirbt seit Jahren für einen Ausbau der bestehenden Strecken in Südostoberbayern, dies sei "schneller, billiger und nachhaltiger". Es scheine Bewegung ins Denken zu kommen; die Vorzugstrasse der Bahn werde nicht mehr als die ausschließliche, zukunftsweisende Variante gesehen, so der Vorsitzende Lothar Thaler.
Besonders bemerkenswert sei, dass es zu einer Neubewertung der Zahlenwerke kommen soll. Wesentliche Entlastungen für den Brennerübergang brächten im Osten der Semmeringtunnel und der Koralmtunnel in Österreich. Gotthardttunnel und Lötschbergtunnel im Westen würden weitere Kapazität für den Alpentransit bringen und die Brennertrasse entlasten.
Wirtschaft fordert grünes Licht für Brenner-Nordzulauf
"Der Brenner-Nordzulauf braucht endlich grünes Licht aus Berlin", fordert dagegen der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK), Manfred Gößl, in einer Mitteilung.
Andernfalls warnte er vor einer "weiteren verkehrspolitischen Hängepartie" – diese würde aus seiner Sicht ein fatales Signal für Bayern, Deutschland und ganz Europa senden. Gößl fordert die Bereitstellung der finanziellen Mittel, damit der Bau verlässlich und zügig erfolgen könne. Deutschland müsse seine Staatsverträge mit den Nachbarländern einhalten und seiner vertraglichen Verpflichtung zur Errichtung des Nordzulaufs gerecht werden.
Staatssekretär Lange betonte im BR-Interview, der Brenner-Nordzulauf bleibe definitiv in der vertieften Beratung und der Deutsche Bundestag werde sich alle Zeit nehmen, die er braucht. Es gelte, eine Vielzahl von offenen Fragen zu klären.
Dieser Artikel ist erstmals am 26.09.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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