Anna Pichlers Familie führt seit 400 Jahren einen Bauernhof im bayerischen Inntal. Doch die Zukunft des Hofs ist bedroht – durch die Pläne der Deutschen Bahn. Dem geplanten Bau des Brenner-Basistunnels sollen wertvolle Weideflächen zum Opfer fallen. Das könnte den Hof unrentabel machen - auch um Feriengäste fürchten die Pichlers angesichts des zu erwartenden Baulärms.
"Ja, man hat schon immer ein bisschen einen Stein auf der Brust, also man schaut ein bisschen düster in die Zukunft", sagte die Bäuerin am Mittwochabend in der Sendung "jetzt red i" im BR Fernsehen. Sie fürchtet um den jahrhundertealten Hof.
Nach den Plänen der Bahn soll eine neue Trasse als Zulauf für den Brenner-Basistunnel gebaut werden. Der Streckenabschnitt zwischen München und Kufstein führt genau hier durch. Für die neuen Gleise werden die Felder und Äcker von insgesamt 19 Bauern im Inntal benötigt.
Ulrich Lange: "Chance, alles auf den Prüfstand zu stellen"
Seit Juli befasst sich der Bundestag mit den Plänen der Deutschen Bahn. Ulrich Lange (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr, versicherte in der Sendung: DasParlament werde nicht leichtfertig über die Milliarden-Investitionen entscheiden. Die Kostenschätzung basiert Lange zufolge auf 15 bis 20 Jahre alten Daten, in der Zwischenzeit habe es enorme Baukostensteigerungen gegeben.
Der Staatssekretär versprach, die Kosten nochmal zu prüfen. "Meine Damen und Herren, ganz offen: Der jetzige Ansatz, das glaubt keiner von uns, dass der reichen wird." Er versprach der Landwirtin, man werde im Bundestag keine leichtfertige Entscheidung über persönliches Hab und Gut der betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner treffen. "Das, was jetzt passiert, ist eine Chance für den Dialog und das ist auch eine Chance, sich alles noch mal anzuschauen – und alles auf den Prüfstand zu stellen."
Linke fordert Alternativ-Varianten zu prüfen
Ates Gürpinar, stellvertretender Bundesvorsitzender der Linken und Bundestagsabgeordneter aus dem Wahlkreis Rosenheim, äußerte Zweifel, dass sich diese enorme Investition lohnen wird. Er forderte, die alternativen Varianten gut zu prüfen, "weil es eben Existenzen tatsächlich zerstören wird". Er glaube, die Menschen vor Ort wären auch bereit, Dinge aufzugeben, wenn sie wüssten, es passiere etwas Sinnvolles. "Das konnten wir bisher, auch im Parlament, nicht wirklich nachprüfen."
Fahrgastverband: "Feinstaub betrifft jeden"
In der Politik zeigen sich also Zweifel an den Plänen der Deutschen Bahn. Stefan Voith vom Fahrgastverband Pro Bahn betonte jedoch, dass es eine Lösung brauche. Er ist für die Trassenpläne, denn der aktuelle Zustand im Inntal sei nicht zukunftsfähig. Man müsse damit rechnen, dass der Verkehr im Inntal zunehmen werde, "und wenn wir ihn dann auf der Straße haben, bedeutet das, dass wir auch den Feinstaub haben. Und der betrifft jeden – nicht nur 40 Landwirte".
Auch der Kiefersfeldener Bürgermeister Hajo Gruber sagte, dass der Status Quo keine Lösung für seine Heimat sei. "Das Inntal leidet unendlich unter dem Wahnsinn des Verkehrs – Güterverkehr und Personenverkehr." Für ihn ist ebenfalls klar, dass der Verkehr auf die Schiene muss.
