Drei unauffällige Männer mittleren Alters in grauen Pullis – das ist der Kern einer Räuberbande, die in wechselnder Besetzung in Augsburg seit Jahren immer wieder Wohnungseinbrüche und Überfälle umfangreich geplant und verübt haben soll. Heute ist vor dem Augsburger Landgericht das Verfahren gegen sie eröffnet worden.
Geschäft mit Einbrüchen und Überfällen in Augsburg
Neben mehrerer Einbruchs- und Raubdelikte geht es auch um Körperverletzung und Menschenhandel. Mutmaßlicher Kopf der Bande ist ein 36 Jahre alter Mann mit moldawischer und bulgarischer Staatsbürgerschaft. Er soll laut Anklage seit 2014 ein illegales Geschäft mit Einbrüchen und Überfällen in Wohnungen im Großraum Augsburg aufgezogen haben. Dazu holte er Hilfskräfte aus seiner Heimat Moldawien. Einer diese Männer steht ebenfalls vor Gericht. Er soll sich als Paketbote verkleidet haben, um Zutritt in ein Haus zu bekommen.
Brutaler Überfall auf 75-Jährige in Königsbrunn
Der 34-jährige Moldawier soll eine 75-jährige Frau in Königsbrunn, nachdem sie ihm die Tür geöffnet hatte, sofort niedergeschlagen, gefesselt und mit einer Holzbank beschwert haben, um in aller Ruhe ihrer Wohnung durchsuchen zu können. Danach drohte er ihr noch an, ihr den Hals durchzuschneiden, falls sie die Polizei rufen sollte. Die Frau wurde bei dem Übergriff erheblich im Gesicht verletzt, konnte monatelang nicht mehr durchschlafen und braucht bis heute therapeutische Betreuung.
Prozessbeginn: Angeklagter zeigt Mittelfinger
Bei der Prozesseröffnung zeigte sich der Angeklagte trotz der erheblichen Vorwürfe gegen ihn völlig unbeeindruckt. Er streckte sogar einer jungen Journalistin den Mittelfinger entgegen, als diese Fotos macht.
Der dritte Angeklagte, ein 49 Jahre alter Deutscher, soll beim Auskundschaften geholfen haben und sein Auto mit wenig auffälligem deutschen Kennzeichen zur Verfügung gestellt haben.
Chef der Gruppe soll Druck ausgeübt haben
Der mutmaßliche Kopf der Gruppe ist auch wegen Menschenhandels angeklagt. Er soll Männern in Moldawien vorgemacht haben, dass er ihnen Arbeit auf Baustellen vermitteln könne. Laut Anklage sollte er bei der Passbeschaffung und der Einreise helfen.
Sobald die Männer angekommen waren, forderte er sie aber auf, in Wohnungen einzubrechen und stellte ihnen das entsprechende Werkzeug sowie Messer, Elektroschocker und Seile zu Verfügung. Wer sich weigerte auf Einbruchstour zu gehen, soll bedroht oder mit Schlägen traktiert worden sein. Einer dieser Männer ging daraufhin zur Polizei.
Bis zu zehn Jahre Gefängnis
Für den heute gestarteten Prozess sind insgesamt neun Tage angesetzt. Die Beschuldigten sitzen teilweise seit Mitte vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Die mögliche Strafe, die sie erwartet: mindestens ein Jahr, maximal zehn Jahre Haft.
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