Sieht aus wie ein katastrophaler Rohrbruch, ist aber Konzept: Poolwasser flutet die Tiefgarage des Wellnesshotels. Mehrere Videos auf Instagram wurden über 3 Millionen Mal angeklickt. Die Idee dahinter: Das Hotel in Büchlberg im Landkreis Passau "parkt" sein Poolwasser in der Tiefgarage, immer dann, wenn die Pools und der Teich grundgereinigt werden.
"Picobello, klinisch sauber"
Wie soll eine Tiefgarage sauber sein? Als Erstes müssen die Autos raus. Dann reinigt ein Mitarbeiter mit einem Hochdruckgerät die Garage. Wände und Boden sind mit einer speziellen Beschichtung versehen. Damit wird alles, so sagt Hotelchef Herbert Stemp, "picobello, klinisch sauber".
Gegensatz: Wasserknappheit, Bedürfnis nach Bademöglichkeiten
Überall war in diesem Sommer Wasser knapp. Auch Hotels und Poolbesitzer stehen in der Kritik. Bis zu etwa 500 Liter Wasser verbraucht ein Wellnessgast pro Nacht, so Zahlen der Dehoga. Gleichzeitig nimmt in Zeiten von steigenden Temperaturen das Bedürfnis nach Bademöglichkeiten zu.
Stemp drückt auf den Startknopf auf seiner Handy-App. Aus vier dicken Rohren strömt Wasser in die Tiefgarage. 1.200 Kubikmeter Wasser umfasst der Pool. Stemp sagt, er spart sich etwa 6,5 Millionen Liter Wasser im Jahr. Wenn Stemp das Wasser wegschütten und neu kaufen müssen, "wären es ungefähr 25.000 Euro“, sagt der Hotelchef.
Auch Optik muss für die Gäste stimmen
Warum Stemp überhaupt das Wasser ablässt, hat damit zu tun, dass in Becken und Schwimmteich überwiegend Naturwasser statt Chlorwasser ist. "Da gibt es Ablagerungen, den sogenannten Biofilm, eine glitschige Schicht, die sich an Boden und Wänden bildet", erklärt der Unternehmer. Die Reinigungen seien nicht notwendig, sondern dienten der Optik und den Ansprüchen der 4-Sterne-Superior-Gäste.
"In einem privaten Naturpool wird das Wasser einmal eingefüllt und nie wieder rausgelassen", sagt Michael Messner von der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer. Anders sei dies in einer kommerziellen Anlage. "Da sind regelmäßige Wartungsintervalle angeraten."
Jedes Mal eine Attraktion für die Hotelgäste
Drei- bis viermal im Jahr schwemmt der Hotelier so seine Tiefgarage – jedes Mal eine Attraktion für die Hotelgäste. Mit dem Weinglas stehen sie in der Tiefgarage und filmen das Spektakel. "Ich dachte zuerst an einen Aprilscherz", sagt ein Urlauber aus Frankfurt, "aber das ist innovativ. Es wird immer viel darüber gesprochen, man soll was tun – und dann verläuft es meistens im Sand." Eine Touristin sagt, sie sei über ein Video auf Instagram darauf aufmerksam geworden. Sie wählt Hotels nicht nach Nachhaltigkeit aus, "aber man hat ein besseres Gefühl, wenn so etwas umgesetzt wird."
"Nachhaltigkeit ist die Zukunft"
Nachhaltig wirtschaften sei die Zukunft, ist Herbert Stemp überzeugt. Er öffnet die Tür zu seiner "Energiezentrale" etwas außerhalb des Wellnessbereiches. Hier sorgen zwei Blockheizkraftwerke für Strom und Wärme. Die Hackschnitzel kommen aus den Wäldern in der Region. Auf den Dächern läuft eine PV-Anlage, eine Agri-PV-Anlage auf zwei Hektar Acker- und Grünland ist bereits gebaut und wartet auf die Freigabe. Stemps Ziel: In naher Zukunft energieautark sein – dafür fehlen ihm noch ausreichend Batteriespeicher.
Hohe Investitionen waren nötig
Bis Herbert Stemps Idee Realität wurde, vergingen Jahre. Erst musste er seinen Poolbauer überzeugen. Dann überlegte der gelernte Landwirt und Schreiner immer wieder hin und her, wo er einen Zwischenspeicher für sein Poolwasser unterbringen könnte. Schließlich kam ihm die Idee mit der Tiefgarage, die er ohnehin gemeinsam mit dem neuen Pool und anderen Erweiterungen wie etwa einem "Schneezimmer" bauen wollte. Das 60-Zimmer-Hotel, das in den Siebzigerjahren als "Urlaub auf dem Bauernhof" startete, hat in den Ausbau in den letzten Jahren einen höheren zweistelligen Millionenbetrag investiert.
"Leuchtturmprojekt" fördert Sensibilität für Umgang mit Ressourcen
Michael Messner von der Deutschen Gesellschaft für naturnahe Badegewässer bezweifelt, dass sich eine solche Investition innerhalb weniger Jahre auszahlt. "Aber ich halte es für ein Leuchtturmprojekt, das uns dahinführt, dass wir sensibler werden für den Einsatz von Ressourcen."
Zurück in der Tiefgarage, die inzwischen voll geflutet ist. Das große Becken im Wellnessbereich hingegen: leer. Mit Hochdruckreinigern schrubbt das Hotelteam den Biofilm an Wänden und Boden weg. In derselben Nacht pumpen Hochleistungspumpen das zwischengespeicherte Wasser wieder nach oben in die Pools.
Der Hotelkomplex samt Pool und Schwimmteich aus der Luft.
Dieser Artikel ist erstmals am 12. Oktober 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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