Der Münchner Techno-Club "Blitz", eine Institution der bayerischen Clubkultur, schließt im Sommer, die Nabburger Kultdiskothek "Pearls" im April (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt). Andere Clubs in Bayern wie die Aichacher Diskothek "M-Eins" und weitere bundesweit sind schon verschwunden – längst spricht man von einem Clubsterben.
Deutlich weniger Diskotheken in Bayern als vor zehn Jahren
Im Fall des "Blitz" ist die Schließung zwar selbstgewählt und voraussichtlich nur auf Zeit, doch die Beispiele reihen sich ein in einen jahrelangen Trend. Laut Statistischem Bundesamt nimmt die Zahl der Diskotheken seit Jahren ab. 2014 gab es in Bayern 382 Diskotheken und Tanzlokale, 2024 waren es nur noch 236. Als Diskothek gelten in dieser Statistik nur Betriebe, deren Hauptgeschäft der Ausschank von Getränken ist und die eine Tanzfläche haben.
Grafik: So viele Clubs sind in Bayern verschwunden
Bereits in den Jahren vor der Corona-Pandemie wurden es von Jahr zu Jahr etwa 20 Clubs weniger in Bayern. Die Pandemie markierte dennoch den Tiefpunkt. Obwohl sich die Werte leicht erholt haben, waren es 2024 noch immer 60 Clubs weniger als 2019.
Der Rückgang der Diskotheken setzte aber schon viel früher ein, sagt Musikökonom Martin Lücke. Er ist Professor für Musik- und Kulturmanagement an der Hochschule Macromedia am Standort Berlin und forscht zum Thema Clubsterben. Er selbst würde die Entwicklung allerdings eher als "Veränderung der Club- und Kulturlandschaft" bezeichnen.
Clubs tun sich vor allem auf dem Land schwer
Besonders auf dem Land, wo besser situierte junge Menschen häufig in die Städte abwandern, fällt es Clubs laut Musikökonom Lücke schwer, sich zu halten. "Das heißt nicht, dass nicht auch im ländlichen Raum getanzt und gefeiert wird", sagt er. Die Frage sei eher, ob das in festen Clubs mit hoher Kostenstruktur passiere – oder flexibler an wechselnden Orten. Eine Festivalstudie 2025 (externer Link) bestätigt, dass kleine Festivals seit 2020 mehr werden. 40 Prozent der Festivals finden laut Studie im ländlichen Raum statt.
Daten aus dem Jahr 2023 zeigen: Die meisten Ausschankbetriebe – darunter fallen Diskotheken, aber auch Bars – je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner in Bayern gibt es in der Studentenstadt Passau, die wenigsten im Landkreis Aschaffenburg.
Verschiebung von Clubs zu Bars oder einmaligen Veranstaltungen
Während die Zahl der Clubs tendenziell sinkt, gibt es in Bayern inzwischen fast so viele Bars wie vor der Pandemie. Nach Einschätzung des Verbands für Popkultur in Bayern (VPBy), der unter anderem Festivals, Clubs und Musikinitiativen vertritt, sind Bars vom Rückgang weniger betroffen, weil ihre laufenden Kosten deutlich niedriger sind: keine Türsteher, Kasse oder Garderobe und wegen kleinerer Flächen weniger Miete.
"Die Bar wird eher zum Wohnzimmerersatz. Ohne Eintrittspreis kann man kurz vorbeischauen", schreibt der Verband. Dadurch sprächen Bars ein breiteres Publikum an, während Clubs vor allem junge Menschen als Kernzielgruppe hätten. Die demografische Entwicklung ist eine weitere Herausforderung – weniger junge Menschen bedeuten auch weniger Publikum für die Clubs. Nicht umsonst gebe es immer mehr Angebote für die "ältere" Generation wie beispielsweise "Mama geht tanzen"-Partys.
Bayernkarte: So verteilen sich die Ausschankbetriebe in Bayern
Klicken Sie auf einen Ort, um zu erfahren, wie viele Ausschankbetriebe wie beispielsweise Bars es in Ihrem Landkreis gibt. Was genau als Diskothek, Schankwirtschaft, Bar oder Vergnügungslokal zählt, ist nach allgemeinem Verständnis nicht immer trennscharf. Mehr Informationen finden Sie am Ende des Artikels.
Ulrich Reinhardt, Professor für empirische Zukunftsforschung an der Fachhochschule Westküste in Heide, sieht einen Grund für die Entwicklung in der größeren Vielfalt an Freizeitangeboten – dadurch werde jedes einzelne seltener genutzt. Er erhebt jährlich das Freizeitverhalten der Deutschen im sogenannten Freizeit-Monitor.
Laut dem Freizeit-Monitor (externer Link) haben 2025 mit 23 Prozent nur etwa halb so viele junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren angegeben, einmal monatlich in einen Club zu gehen als noch vor zehn Jahren. 55 Prozent gaben an, nie zu gehen.
"Es gibt diese These, dass die Generation, die während der Corona-Pandemie 16 oder 17 Jahre alt war, nie gelernt hat zu feiern. Das finde ich aber sehr weit hergeholt", sagt Musikökonom Lücke. "Diese Generation weiß, was Feiern ist. Aber sie braucht dafür nicht unbedingt einen Ort mit lauter Musik, an dem ich mich sowieso nicht unterhalten kann." Hinzu kommen hohe Eintritts- und Getränkepreise.
Experte: "Zuhause bleiben ist das neue Ausgehen"
Gleichzeitig beobachtet der Zukunftsforscher Reinhardt, dass sämtliche "Außer-Haus-Aktivitäten" rückläufig sind. "Zuhause bleiben ist das neue Ausgehen. Ich kann mich unterhalten lassen, ich kann mit anderen in Kontakt bleiben und neue Leute kennenlernen." Das größer gewordene mediale Angebot, Musikstreaminganbieter oder Dating-Apps seien eine Konkurrenz für die klassischen Diskotheken, bestätigt auch der "Bundesverband deutscher Discotheken und Tanzbetriebe".
Reinhardt hält noch einen weiteren Punkt für entscheidend: In der Clubszene selbst habe sich, abgesehen von technischen Verbesserungen, wenig getan. Clubs müssten sich stärker an den Bedürfnissen junger Menschen orientieren oder völlig neue Formate entwickeln.
In Regensburg treffen sich beispielsweise einmal im Monat bis zu 200 Menschen zum Morgen-Rave bei Sonnenaufgang, Mottoparty-Serien wie "Taylor Swift Party Nights" oder zur Hype-Serie "Heated Rivalry" richten sich gezielt an Fangruppen.
Nostalgie der Älteren, neue Gewohnheiten der Jüngeren
Wenn Menschen das Clubsterben beklagen würden, sei auch etwas Wehmut der mittleren und älteren Generation dabei, sagt Reinhardt. "Es sind positive Erinnerungen an die eigene Jugend. Aber jede Generation ist anders. Ich bin auch nicht mehr zum Tanztee gegangen."
Musikökonom Martin Lücke ist sich dennoch sicher: "Clubs werden bleiben." Vermutlich auf niedrigerem Niveau als vor 20 Jahren, aber: "Sie werden weiterhin ein fester Bestandteil in den Metropolen sein."
Dieser Artikel ist erstmals am 11. April 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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