Robert Betschinger hat schlecht geschlafen. Es ist kurz vor sechs Uhr am Morgen und gleich beginnt "Wake and Rave", ein Morgen-Rave, den er seit kurzem in Regensburg veranstaltet. Jeden ersten Mittwoch im Monat kann somit nicht nur nachts, sondern auch am frühen Morgen gefeiert und getanzt werden. Immer von sechs bis zehn Uhr. "Es haben sich zwar wieder so viele Leute angemeldet wie die letzten Male", sagt Betschinger beim letzten Kontrollblick auf die Gästeliste. "Doch ich bin immer am Zweifeln, ob sie auch wirklich auftauchen."
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Trend: Feiern zum Frühstück
In immer mehr Städten gibt es mittlerweile solche Morning-Raves. Das Publikum sei hier ein bisschen älter als in der Nacht, die Stimmung auch etwas anders, da die meisten danach noch in die Arbeit gehen, sagt Betschinger. "Nüchterner" beschreibt eine Besucherin den Unterschied zu anderen Raves. Tatsächlich trinken die wenigsten hier Alkohol. Hier heißt es an der Bar: Espresso und Orangensaft statt Gin Tonic Overnight-Oats statt Wodka Bull.
Manche löffeln ihr Müsli sogar auf der Tanzfläche. Einzelne schauen sogar direkt vom Frühsport vorbei und haben noch ihre Laufklamotten an. Hier wird nicht nur ausgelassen, sondern auch effizient gefeiert. "Ich persönlich finde es einfach eine super Zeit, um feiern zu gehen, weil der Schlafrhythmus nicht so durcheinandergebracht wird", sagt eine Studentin. "Man hat einfach schon die Quality Time am Tag hinter sich."
Idee aus Amsterdam mitgebracht
Robert Betschinger ist in Amsterdam auf die Idee des Morgen-Raves aufmerksam geworden und wollte sehen, ob das Konzept auch in Regensburg funktioniert. Er selbst gehe gerne tanzen.
"Nach einer harten Arbeitswoche oder nach dem Sport komme ich am Wochenende manchmal gar nicht mehr dazu oder schlafe einfach ein. Aber ich würde gern mehr tanzen gehen", sagt er. "Für mich passt das irgendwie besser, wenn ich das in der Früh machen kann."
Rund 200 Menschen kommen
Und tatsächlich sehen das auch andere so. Kurz nach sieben Uhr wird es im Degginger in der Regensburger Altstadt immer voller. Rund 200 Menschen sind am Ende gekommen. Sie tanzen, holen sich gerollte Crêpes vom Frühstücksbuffet und trinken Cappuccino.
Robert ist zufrieden und erleichtert. "Die Leute bleiben und sind alle jetzt wirklich am Tanzen. Bei den ersten beiden Malen sind sie ja noch ein bisschen länger rumgesessen. Aber jetzt ging es von Anfang an gut ab."
Danach: Ab ins Büro!
Gegen neun Uhr – eine Stunde vor Ende des Wake and Rave – wird es dann aber schon wieder leerer auf der Tanzfläche. Die Leute haben schließlich noch etwas vor: Einer geht zu seinem Job ins Büro der Oberbürgermeisterin. Eine andere begleitet ihre Freundin zum Stechen eines Bauchnabelpiercings und bei wieder einer anderen steht um zehn Uhr ein Eskalations-Termin in der Arbeit an. Der Tag hat ja gerade erst begonnen.
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