Die 19-jährige Krankenschwesterschülerin Maria Köhler sitzt auf einer Bank.
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Im Cold Case Maria Köhler hat die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg Mordanklage gegen ihren Ex-Freund erhoben. Er soll sie 1984 erdrosselt haben.
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Im Cold Case Maria Köhler hat die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg Mordanklage gegen ihren Ex-Freund erhoben. Er soll sie 1984 erdrosselt haben.

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Cold Case Maria Köhler: Mordanklage nach über 40 Jahren

Cold Case Maria Köhler: Mordanklage nach über 40 Jahren

Im Cold Case Maria Köhler hat die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg Mordanklage gegen ihren Ex-Freund erhoben. Er soll die Krankenschwesternschülerin im Jahr 1984 erdrosselt haben. Welche Motive für Mord sprechen und wieso das wichtig ist.

Über dieses Thema berichtet: Bayern-1-Nachrichten am .

Es war der 30. Juli 1984 in einem Wohnheim für angehende Pflegekräfte des Aschaffenburger Krankenhauses. Mit einem Schal soll ein Mann Maria Köhler in ihrem Zimmer erdrosselt haben – eine 19-jährige Schwesternschülerin. Er soll ihr Ex-Freund gewesen sein. Eine Vorgesetzte hatte die Leiche zwei Tage später gefunden.

Cold Case Maria Köhler aufgeklärt – Anklage wegen Mordes

Über 40 Jahre später hat die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg die Ermittlungen in diesem Cold Case nun abgeschlossen – und hat Mordanklage gegen den heute 66-Jährigen erhoben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der gebürtige Türke damals "heimtückisch gehandelt und die Tat aus Eifersucht und Rache begangen" habe, heißt es wörtlich.

Bei Heimtücke handelt es sich um ein klares Mordmerkmal. Wenn das Landgericht Aschaffenburg die Anklage zulässt und es zum Prozess kommt, ist nur noch eine Verurteilung wegen Mordes möglich. Andere Verbrechen sind so lange nach der Tat bereits verjährt.

Beschuldigter hat Mord im September gestanden

Die junge Deutsche hatte sich damals kurz zuvor von dem 25-Jährigen getrennt – und hatte einen neuen Freund, einen im hessischen Hanau stationierten US-Soldaten. Die Polizei hatte bereits vermutet, dass ihr Ex-Freund eifersüchtig war und Maria Köhler deshalb getötet haben könnte.

Der jetzt angeklagte Mann war erst vergangenen September von der Türkei nach Deutschland überstellt worden. Er hatte die Tat hier bei den Vernehmungen gestanden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Mann hat in der Türkei und später wieder in Aschaffenburg gelebt

1984 war der Beschuldigte nach der Tat zurück in die Türkei geflohen, wo er geboren wurde. Seither war der heute 66-Jährige weltweit gesucht worden. Mitte 1998 war er nach bisherigen Erkenntnissen unter anderem Namen wieder nach Deutschland eingereist. Zusammen mit seiner deutschen Ehefrau, die er zuvor in der Türkei geheiratet haben soll. In Aschaffenburg soll er dann etwa 16 Jahre lang unter falscher Identität gelebt haben – genau in der Stadt, in der er seine Ex-Freundin getötet haben soll.

"Das war für uns sehr überraschend", sagte Altfall-Ermittler Jörg Albert zu BR24. "Das ist eine gewisse Form von Dreistigkeit. Deutschland ist groß, er hätte auch nach Berlin gehen können." Nach der Zeit war der Beschuldigte wieder in die Türkei ausgereist. Der Mann hat nach Polizeiangaben keine Staatsangehörigkeit. Seine türkische Staatsangehörigkeit soll er verloren haben, weil er sich dem Militärdienst verweigert haben soll.

Aschaffenburger Cold Case-Einheit rollt Fall neu auf und löst ihn

Ende 2024 hatte die Cold Case-Einheit der Aschaffenburger Kriminalpolizei den ungelösten Mordfall erneut aufgerollt – und konnte den Mann schließlich in der Türkei festnehmen. Bei den Ermittlungen hatten die Aschaffenburger Kripo und Staatsanwaltschaft mit BKA, Interpol und Europol eng zusammengearbeitet. Experten konnten zudem DNA an der mutmaßlichen Tatwaffe sichern, einem Netzschal – wie es jetzt heißt.

Die Cold-Case-Einheit in Aschaffenburg hatte sich erst vor gut fünf Jahren gegründet und ist bayernweit einzigartig. Sie beschäftigt sich ausschließlich mit lange zurückliegenden, ungeklärten Verbrechen.

Familie des Opfers war erleichtert und hofft auf Gerechtigkeit

Die Familie des Opfers zeigte sich über den Fahndungserfolg erleichtert und dankte den Ermittlern. Eine Schwester von Maria sagte: "Ich hoffe wirklich auf Gerechtigkeit. (...) Es kommt wieder alles hoch, als wäre das jetzt vor einem oder zwei Monaten passiert." Sie habe die Nachricht der Festnahme auch ihrer dementen Mutter erzählt – und sie habe danach Tränen in den Augen gehabt. Die Familie hofft, dass der Mann bestraft werde.

Transparenzhinweis: Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Textes haben wir formuliert, Rache und Eifersucht könnten als Mordmerkmale gelten. Richtig ist: Rache und Eifersucht sind kein Mordmerkmal, sondern ein Tatmotiv.

Dieser Artikel ist erstmals am 17.02.2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.

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