Aus ursprünglich vier Aktenordnern sind inzwischen über 40 geworden.
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Norbert Bernhard und Michael Förtsch von der Kripo Kempten arbeiten täglich an dem Mordfall Sonja Hurler.
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Norbert Bernhard und Michael Förtsch von der Kripo Kempten arbeiten täglich an dem Mordfall Sonja Hurler.

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Cold Case Sonja Hurler: So arbeiten die Ermittler

Cold Case Sonja Hurler: So arbeiten die Ermittler

Es ist ein Fall, der die Menschen in Kempten nach fast 45 Jahren nicht loslässt: der Sexualmord an der damals 13-jährigen Sonja Hurler. Auch die Ermittler arbeiten nach wie vor mit viel Engagement an der Aufklärung des "Cold Case". Was sie antreibt.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Es ist die Nacht von 4. auf 5. Juli 1981: Sonja Hurler macht sich nach dem Besuch des Stadtfestes allein auf den Weg von Kempten zum Haus ihrer Großmutter nach Heiligkreuz – etwa sechs Kilometer sind das. Doch das Mädchen kommt nie an. Drei Monate später wird ihre Leiche gefunden; an einem Stadel etwa 200 Meter vom Wohnhaus der Großmutter entfernt. Der oder die Täter sind bis jetzt unbekannt. Die Polizei geht von einem Sexualmord aus.

Ermittler wissen viel über das Leben des Mädchens

"Es ist ja nicht einfach nur ein Mord. Es geht um ein Mädchen, das heute eine Mutter, eine Großmutter gewesen wäre, wenn ihr Leben normal verlaufen wäre, und dann kommt irgendeiner, irgendwelche daher und bringen dieses Mädchen einfach um." Kripo-Beamter Norbert Bernhard klingt erschüttert, wenn er die Geschichte von Sonja Hurler erzählt. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt den Leiter des Kriminalkommissariats 1 bei der Kripo in Kempten der ungeklärte Mord. Inzwischen weiß Bernhard viel über "Sonja", sagt er: "Man baut schon eine Beziehung auf. Du bekommst ja die Geschichte des Mädchens mit: aus den Akten, du sprichst auch mit Verwandten und Schulkameraden."

Der Mord an Sonja Hurler beschäftigt die Kripo jeden Tag

Was der Kripobeamte allerdings noch nicht weiß, ist: Wer ist Sonjas Mörder? Das will er zusammen mit drei weiteren Kemptener Kollegen unbedingt herausfinden. Die Ermittlungen dafür müssen allerdings "nebenbei" laufen, erklärt Michael Förtsch, 1. Kriminalhauptkommissar. Regulär kümmern sich die Ermittler um aktuelle Tötungsdelikte, Sexualdelikte, Brand- oder Umweltdelikte. Trotzdem: "Wir sind jeden Tag mit dem Fall Sonja Hurler beschäftigt. Wir arbeiten jeden Tag mindestens eine Spur ab oder es kommen neue dazu", so Förtsch. Auch am Wochenende oder im Urlaub lässt die Beamten die Geschichte nicht los. "Wir haben auch spätnachts schon telefoniert."

Immer wieder neue Spuren

Obwohl der Mord inzwischen Jahrzehnte her ist, finden die Ermittler immer wieder neue Spuren: Mit Hilfe moderner Analysemethoden konnte vor vier Jahren DNA an der Kleidung von Sonja sichergestellt werden.

Das gelang nun auch fränkischen Ermittlern in einem anderen Mordfall: 1973 wurde die damals zwölfjährige Marion Baier bei Zirndorf in Mittelfranken umgebracht. Die gesicherte DNA ist in beiden Fällen die gleiche. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um DNA des Täters handelt. Außerdem gibt es weitere Parallelen: Beide Taten fanden am 1. Juliwochenende statt und in beiden Orten feierten die Einwohner damals große Feste.

Die Beamten der Kripo in Kempten und der Kripo in Fürth suchen deshalb nach Personen, die Verbindungen zu beiden Orten gehabt haben: über Sportvereine, Motorradclubs, Musikkapellen, durch verwandtschaftliche oder berufliche Beziehungen. Unterstützt werden die Ermittler auch von Profilern der Operativen Fallanalyse (OFA) beim Polizeipräsidium München.

Neue Erkenntnisse ändern Sachlage

Durch die neuen Erkenntnisse ergibt sich teilweise auch eine neue Sachlage. Mehrere Anwohner im Kemptener Ortsteil Thingers haben laut Polizei in der Tatnacht beobachtet, wie eine Gruppe Jugendlicher ein Mädchen durch die Straßen gezerrt hat. Durch die Verbindung zum Mord an Marion Baier acht Jahre zuvor gehen Bernhard und seine Kollegen mittlerweile davon aus, dass Sonjas Mörder zum Tatzeitpunkt älter als jugendlich gewesen sein muss.

Viele Hinweise nach Fernsehsendung

Vor etwa zwei Monaten konnten die Ermittler die Fälle in der Fernsehsendung "Aktenzeichen xy ungelöst" schildern. "Die Resonanz war überwältigend. Damit haben wir nicht gerechnet", erzählt Norbert Bernhard. Über 300 Hinweise sind nach der Sendung bei der Polizei eingegangen – und es werden fast täglich mehr. Die Aufarbeitung ist aufwendig: Oft sind Personen, um die es geht, bereits verstorben oder weggezogen. Aber: "Die Hinweise haben uns in verschiedenen Richtungen schon weitergebracht." So hat die Polizei erfahren, dass es zum Tatzeitpunkt weitere Feiern in Kempten gegeben hat, Grillfeste zum Beispiel. "Von denen haben wir bisher nichts gewusst."

Trotz vieler Hürden, Ermittlungssackgassen und Rückschläge sind die Ermittler optimistisch: "Ja, wir hoffen, dass wir die Tat noch aufklären. Ob der oder die Täter noch leben, wissen wir nicht."

Hinweise zu dem Fall nimmt die Kriminalpolizei Kempten unter der 0831 9909-199 entgegen.

Video: Cold Case Sonja Hurler - Warum die Ermittler nicht aufgeben

Cold Case Sonja Hurler - Warum die Ermittler nicht aufgeben
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Cold Case Sonja Hurler - Warum die Ermittler nicht aufgeben

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