Vor knapp 42 Jahren wurde eine 19-jährige Krankenschwesterschülerin in Aschaffenburg erdrosselt. Der Prozess gegen ihren mutmaßlichen Mörder beginnt am siebten Mai, wie am Dienstag das Aschaffenburger Landgericht bekanntgibt. Es handelt sich um den damaligen Ex-Freund des Opfers, der heute Ende 60 ist.
- Zum Artikel des Main-Echos [externer Link, womöglich Bezahl-Inhalt]: Aschaffenburger Altfall Maria Köhler: Prozesstermine stehen nun fest
Staatsanwaltschaft geht von Heimtücke und niederen Beweggründen aus
Die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg wirft dem Angeklagten vor, am 30. Juli 1984 die damals 19-jährige Krankenschwesterschülerin Maria Köhler in ihrem Zimmer im Beschäftigtenwohnheim des städtischen Krankenhauses mit einem Netzschal erdrosselt zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht aufgrund ihrer Ermittlungen davon aus, dass der Angeklagte hierbei heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt hat. Maria hatte bereits einen neuen Freund. Außerdem hoffte ihr mutmaßlicher Mörder wohl auf Hochzeit und ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland.
Es ist der mittlerweile dritte Cold Case, der in Aschaffenburg vor Gericht landet. Vor fünf Jahren hatte die Aschaffenburger Kriminalpolizei die bayernweit einzige Cold-Case-Einheit gegründet, die sich ausschließlich mit lange zurückliegenden ungeklärten Verbrechen beschäftigt.
Cold Case vor einem Jahr neu aufgerollt
Die Cold-Case-Ermittler der Aschaffenburger Kriminalpolizei rollten den Fall im März vergangenen Jahres neu auf und konnten den dringend Tatverdächtigen schließlich wenige Monate später – im Juli – in der Türkei festnehmen. Am 12. September wurde er nach Deutschland überstellt. Der Mann sei von der Türkei abgeschoben worden, erklärte Oberstaatsanwalt Jürgen Bundschuh, weil er sich illegal in dem Land aufgehalten habe. Dort hatte er Jahre zuvor seine türkische Staatsangehörigkeit verloren, weil er sich dem Militärdienst verweigert habe.
Erleichterung bei Maria Köhlers Familie
Die Familie des Opfers zeigte sich über den Fahndungserfolg erleichtert und dankte den Ermittlern. Eine Schwester Marias sagte: "Ich hoffe wirklich auf Gerechtigkeit. (...) Es kommt wieder alles hoch, als wäre das jetzt vor einem oder zwei Monaten passiert." Sie habe die Nachricht der Festnahme auch ihrer dementen Mutter erzählt – und die habe danach Tränen in den Augen gehabt. Nun setze die Familie darauf, dass der 66-Jährige bestraft werde. "Wir hoffen, dass es so weit kommt."
Mutmaßlicher Täter lebte jahrelang mit falscher Identität in Aschaffenburg
Der Mann war vor seiner Festnahme jahrzehntelang weltweit gesucht worden – dabei lebte er gut 16 Jahre lang unter falscher Identität in Aschaffenburg, also genau in der Stadt am Untermain, wo er seine Ex-Freundin getötet haben soll. Altfall-Ermittler Jörg Albert sagt dazu: "Das ist eine gewisse Form von Dreistigkeit. Deutschland ist groß, er hätte auch nach Berlin gehen können."
Der Mann war den Angaben nach 1984 nach der Tat zunächst von Frankfurt/Main aus in die Türkei geflogen, wo er geboren wurde. Mitte 1998 soll er unter anderem Namen nach Deutschland eingereist sein – zusammen mit seiner deutschen Ehefrau, die er zuvor in der Türkei geheiratet haben soll. Im Landkreis Aschaffenburg soll er als Handwerker gearbeitet haben, mit Aufenthaltserlaubnis der deutschen Behörden.
Ende 2014 sei der Mann ohne Staatsangehörigkeit dann in die Türkei ausgereist – angeblich, weil er Angst hatte, die deutsche Polizei werde ihn doch noch finden, sagte Albert mit Verweis auf Angaben des Beschuldigten.
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