Der neue Felsenwächter, Thomas Bullway Fischer, am wachsenden Felsen von Usterling bei Landau an der Isar
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Der neue Felsenwächter, Thomas Bullway Fischer, kennt den Wachsenden Felsen von Kindheit an.
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Der neue Felsenwächter, Thomas Bullway Fischer, kennt den Wachsenden Felsen von Kindheit an.

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Der "Wachsende Felsen" und sein neuer Wächter

Der "Wachsende Felsen" und sein neuer Wächter

Der Wachsende Felsen von Usterling bei Landau an der Isar gilt als bedeutendes Naturphänomen. Der Fels wächst – und das soll auch so bleiben. Damit das gelingt, gibt es dort einen Felsenwächter. Diese Woche hat ein junger Mann den Job übernommen.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau - Der Süden am .

Er gilt als Naturwunder: Der Wachsende Felsen von Usterling bei Landau an der Isar. Es ist die größte steinerne Rinne Deutschlands und zieht viele Besucher an. Der Fels soll ganz langsam weiterwachsen. Damit das auch so bleibt, gibt es dort einen Felsenwächter. Nach dem überraschenden Tod des bisherigen Wächters hat ein ganz junger Nachfolger in dieser Woche sein Amt angetreten.

Der neue Felsenwächter: 21-jähriger Student

Für viele ist es ein heiliger Stein. Die sagenumwobene schmale, mit Moosen und Farnen bewachsene Felswand mitten im niederbayerischen Flachland ist rund 40 Meter lang, bis zu fünf Meter hoch und mehrere Tausend Jahre alt.

Der neue Felsenwächter, Thomas Bullway Fischer, ist gerade 21 Jahre alt und studiert am Campus der Technischen Universität München in Straubing Sustainable Management & Technology. Er kennt den Wachsenden Felsen von Kindheit an.

Die Aufgaben eines Felsenwächters

Seine neue Aufgabe als offizieller, ehrenamtlicher Felsenwächter ist es, für die Sicherheit der Besucher rund um das Naturdenkmal zu sorgen. Und dafür, dass die Felswand weiter ganz langsam wachsen kann. "Die klassische Arbeit ist eigentlich, die ganze Rinne von Schmutz und Unreinheiten freizuhalten, dass der Wasserlauf ungehindert fließen kann", erklärt der Wächter an einer gut zugänglichen Stelle des Felsens.

Eine lange Treppe führt entlang des Felsens zu mehreren Quellen, die oben an dem extrem steilen Hang, wenige Hundert Meter von der Isar entfernt, entspringen. Sie speisen den Stein seit rund 5.000 Jahren mit Wasser, das auf der Spitze der schmalen Wand nach unten fließt.

Warum wächst der Felsen?

Analysen und wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass das Wasser, das hier aus dem Berg austritt, extrem kalkreich ist. Sobald es mit der Luft in Berührung kommt und Kohlendioxid entweicht, scheidet sich Kalk ab. Der setzt sich, unterstützt von Algen und Moosen, die am Rand der Rinne wachsen, ab. So baute sich hier im Lauf der Jahrtausende eine Felswand aus Kalktuff auf.

Für die Menschen in dem kleinen, rund 65 Einwohner zählenden Usterling ist es seit Jahrhunderten "der Wachsende Felsen".

Seit Jahrhunderten bedeutendes Naturphänomen

Die älteste bekannte Darstellung des Naturphänomens aus der Zeit um 1500 findet sich in der Pfarrkirche von Usterling: Der unbekannte Künstler des Altarbildes hat die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer kurzerhand an den Wachsenden Felsen von Usterling verlegt. Seither trägt Deutschlands größte bekannte Steinerne Rinne auch den Namen "Johannisfelsen".

Bis heute gilt der Johannistag am 24. Juni als eine Art Feiertag in Usterling. "Früher gab es am Johannistag auch immer eine große Wallfahrt und da hat es auch einen Eremiten am Felsen gegeben, der das immer organisiert hat", berichtet Erna Steinbeißer, die langjährige ehemalige Mesnerin von Usterling. Von weit her sollen damals die Menschen zu Fuß zum wachsenden Stein gekommen sein.

Felsen zieht viele Besucher in seinen Bann

Heute kommen die Besucher meist mit dem Auto von weit her, viele aber auch mit dem Fahrrad. Vor allem in den Sommermonaten wird das Naturphänomen auch zum Besuchermagnet. Dann ist Felsenwächter Thomas Bullway Fischer auch für die Besucherlenkung zuständig.

Die allermeisten Menschen halten sich an die Regeln in dem sensiblen Ökosystem und bleiben auf dem ausgeschilderten Weg. Einzelne aber klettern über Absperrungen oder versuchen sogar, auf den Felsen zu klettern. Das ist lebensgefährlich, da der Stein sehr nass und teilweise brüchig ist. Verstöße bringt der Felsenwächter auch zur Anzeige. "Die größten Gefahren für den Felsen sind wirklich die Menschen", sagt der 21-Jährige ernüchtert. Die allermeisten Besucher seien aber rücksichtsvoll und suchten hier Ruhe und Kraft.

Der Wachsende Felsen macht viele demütig. Dem Quellwasser, das seit Jahrtausenden über den Stein fließt, wird heilsame Wirkung für die Augen nachgesagt. Und nicht nur am Johannistag pilgern Menschen hierher und waschen sich mit dem Wasser die Augen aus.

BR24 auf Instagram: 21-Jähriger schützt wachsenden Felsen

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