Sie wiegen eine halbe Tonne, haben massive Hörner und können recht schnell laufen. Dass sie für die Landschaftspflege tauglicher sind als manche Maschine, das traut man Wasserbüffeln auf den ersten Blick kaum zu. Gundula und die beiden anderen Damen ihrer Art leben seit diesem Jahr im Vöhringer Stadtteil Illerberg: genauer gesagt auf dem Gelände der Wasenlöcher.
Dieses Naturschutzgebiet ist mehr als 65 Hektar groß. Es besteht aus nassen Wiesen und Wäldern, aus Schilf- und Moorflächen. "Ein Juwel an Artenvielfalt", sagt Jonas Benner. Er kümmert sich im Auftrag des Landratsamtes Neu-Ulm um deren Erhalt. Weil sich in den Wasenlöchern das Schilf aber immer mehr ausbreitet, verdrängt es viele andere Pflanzen und damit auch die Tiere, die sich von ihnen ernähren.
- Zum Artikel Wasserbüffel im Einsatz für die Artenvielfalt
Wasserbüffel schaffen Raum für Pflanzen und Tiere
Die Wasserbüffel sollen ihrer Natur nach Suhlen anlegen und das Schilf wegfressen, damit beispielsweise das selten gewordene Sumpfglanzkraut in Ruhe wachsen kann. Schwarzstörche machen an den Wasenlöchern Station, Kiebitze und Sumpfschnepfe sind auf dem Durchzug. Und auch das seltene Tüpfelsumpfhuhn hat hier sein Zuhause.
Ähnliches haben die Wasserbüffel bereits im Leipheimer Moos gemacht. Von dort sind sie vor Kurzem erst hergezogen. Und deshalb beäugen sie ihren "Chef" Manfred Prestele immer noch etwas vorsichtig. "Sie gehen mir aus dem Weg. Wenn ich da Futter hingestellt hab: Die haben gespannt zuguckt, aber sind nicht näher hergekommen wie zehn Meter", sagt Prestele, der sich als Landwirt um das Beweidungsprojekt und die Wasserbüffel im Naturschutzgebiet kümmert.
Mühsame Handarbeit in den Wasenlöchern
Die nassen Wiesen der Wasenlöcher sind seit Presteles Kindheit sein Zuhause. "Es war immer recht mühselig als Jugendlicher, mit dem Heurecher das Holz zusammenzuziehen. Auch mit der Maschine war das schwierig, weil das ein Moorboden ist und der ist einfach feucht. Und darum hat man da viel Handarbeit gehabt." Auch Prestele hat sich deshalb für die aktuelle Beweidung mit Wasserbüffeln starkgemacht.
Damit er gut mit den Tieren zurechtkommt, hat Prestele mehrere Schulungen gemacht. Die Tiere, sagt er, seien auch vom Charakter her eher speziell: "Die sind scheinbar etwas störrischer als eine normale Kuh. Die lassen sich nicht treiben." Manche sagen, das passe recht gut zu den Bewohnern dieses Landstriches, die man im Schwäbischen gelegentlich auch "Waser-Molle" nennt: eine liebenswerte Bezeichnung für sture Dickschädel. "Wir sind auch ein bisschen sperrig, ja. Aber das ist halt so", urteilt Prestele.
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