Almwiesen, Latschenkiefern, ein weiter Blick bis zur Zugspitze. Noch hat der Winter den Berg fest im Griff. Seit 1954 schwebt hier die Hörnlebahn nach oben. Eine zweisitzige Sesselbahn, die klingt, riecht und sich anfühlt wie ein Ausflug in frühere Zeiten. Und genau so soll es bleiben. "Die Bahn ist gebaut worden 1953 und wurde 1954 in Betrieb genommen", sagt Geschäftsführer Frank Peters. Jetzt wird sie aufwendig saniert – nicht ersetzt.
Die "neue alte" Hörnlebahn
Frank Peters steht in Arbeitskleidung zwischen Werkzeugkisten und Kabelrollen. Hier wächst sie gerade heran, die "neue alte" Bahn. Neue Fundamente, neue Bergstation, sanierte Stützen. "Momentan sind wir im Plan mit einem Budget von 2,5 Millionen Euro. Und Gott sei Dank haben wir die Möglichkeit, dass uns die Regierung von Oberbayern mit einer Förderung unterstützt. Das ist wirklich unser Glück", sagt Peters. Rund 150 bis 160 Einzelpositionen müssen erneuert oder überarbeitet werden. Jede Schraube, jede Naht wird kontrolliert. Die Technik wird erneuert, der Charakter der Bahn soll erhalten werden.
Die Sanierung ist ein Puzzle quer durch den Alpenraum. Das Getriebe ging zur Revision in die Schweiz. Ersatzteile kamen aus Vorarlberg, Rohre werden in Sachsen gebogen. "Wir haben natürlich versucht, so viele ausführende Firmen und Gewerke aus der Umgebung für uns zu gewinnen", erzählt Peters. Ein Maschinenbauer in Mittenwald baut Teile der Sessel nach.
Die letzten ihrer Art: Schwenksessel
Herzstück der Bahn sind die legendären Schwenksessel. Diese Technik gibt es sonst nirgendwo mehr im Betrieb. Die letzte vergleichbare Bahn am Breitenberg in Pfronten wurde 2008 abgebaut. Das Besondere: Oben am Ausstieg muss niemand hastig zur Seite rennen, wie bei anderen Sesselliften. "Bei 99 Bahnen muss man davonlaufen, und wir sind die einzige Bahn, wo man oben einfach stehen bleiben muss. Die Sessel schweben um den Fahrgast herum."
180 Sessel, Kornblumenblau
Unten in der Werkstatt kämpfen die Mitarbeiter um jeden Sessel. 180 Stück werden sandgestrahlt, grundiert, lackiert. Die alten, dick aufgetragenen Farbschichten müssen runter. "Ich hab vor zwei Monaten schon mal welche lackiert, das ist misslungen", gibt Mitarbeiter Christian Bierling zu. "Jetzt haben wir mit unserem Malermeister eine Probelackierung gemacht – und ja, das Ergebnis sieht man ja. Also ich find’s super."
Die neuen Sitzflächen wurden in den Oberland-Werkstätten gefertigt. Aus Holz, schlicht, robust. "Die sind jetzt erstmalig in dem ursprünglichen Blau, dem Kornblumenblau, wieder gestrichen", sagt Geschäftsführer Peters.
Baustelle am Berg – und am Hang
Oben, auf rund 1.390 Metern, wartet die Bergstation auf ihren Neubau. Bagger, Bohrgerät, Betonmischer. "Die größte Herausforderung ist tatsächlich der Abriss und dann die Erneuerung der Bergstation", erklärt Peters. Der Hang ist empfindlich. 50 Bohranker sichern den Boden, damit nichts rutscht. "Damit der Hang sich nicht plötzlich in Bewegung setzt." Das neue Gebäude der Bergstation soll noch im April in Holz-Fertigbauweise errichtet werden.
Gegen den Trend: Langsam ist Programm
Viele Seilbahnen werden größer, schneller, effizienter. Die Hörnlebahn entscheidet sich bewusst dagegen. "Viele bauen immer größer, immer schneller, immer weiter – wir machen eigentlich genau das Gegenteil", sagt Frank Peters. Die Fahrzeit bleibt: rund 20 Minuten. 1,6 Meter pro Sekunde.
"Ich glaube, es ist ein klares Signal: Es muss nicht immer höher, schneller, weiter sein. Die Bahn hat ihren Reiz aufgrund der Einzigartigkeit, technisch weltweit."
Sessel für Sessel wird generalüberholt
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