Digitale Patientenerfassung
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Ein Patient bekommt ein Digitales Armband
Bildrechte: BR/Christian Akber-Sade
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Digitalisierte Krankenhäuser: Wie Patienten profitieren können

Digitalisierte Krankenhäuser: Wie Patienten profitieren können

Seit 2021 fördern Bund und Länder die dringend erforderliche Digitalisierung von Krankenhäusern mit einer Milliardensumme. Doch wie steht Bayern im Vergleich da und welche Auswirkungen hat die Digitalisierung für die Patienten?

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Niederbayern und Oberpfalz am .

Georg Brittig benötigt eine Knieprothese. Der 72-Jährige wird im Klinikum St. Elisabeth in Straubing operiert. Von der Patientenannahme bis zur OP ist hier schon vieles digitalisiert. Das war nicht immer so. Als 2020 das Krankenhauszukunftsgesetz in Kraft trat und der Bund im Zuge dessen das sogenannte "DigitalRadar" in Auftrag gab, lag auch die Straubinger Klinik noch hinter den Erwartungen zurück.

Wie steht es um den "digitalen Reifegrad" der Krankenhäuser?

Das "DigitalRadar" misst den digitalen Reifegrad von Krankenhäusern zum Beispiel mit Blick auf ihre IT oder die ärztliche Dokumentation. Der Durchschnitt mittelgroßer Kliniken wie der in Straubing lag deutschlandweit bei der ersten Erhebung 2021 bei einem Reifegrad null von sieben – das Klinikum St. Elisabeth immerhin bei einem Reifegrad eins. Der zweite, 2025 veröffentlichte Zwischenbericht des "DigitalRadars" zeigte dann: Straubing verbesserte sich um zwei Stufen auf Reifegrad drei, der Durchschnitt nur auf Reifegrad eins.

So sieht der digtalisierte Krankenhausalltag aus

Der Fortschritt zeigt sich für Georg Brittig schon bei der Patientenannahme. Seit zwei Jahren müssen Patienten hier nichts mehr auf Papier ausfüllen. Die Daten werden von Fachkraft Edeltraud Strohmeir ins digitale System eingepflegt. Brittig muss lediglich auf einem Tablet unterschreiben.

Zudem erhält er ein Patientenarmband mit Scancode – samt seiner gespeicherten Daten. Dann geht es für Brittig auf die Station, wo unter anderem die Vitalwerte gemessen werden. Pflegekraft Magdalena Eder speist sie per Laptop in die elektronische Patientenakte ein. Diese hat nichts mit der 2025 eingeführten "ePA für alle" zu tun, auf die man als Patient jederzeit Zugriff hat. Die digitale Akte hier ist krankenhausintern und dient der digitalen Vernetzung des zuständigen, medizinischen Personals.

Narkose auf Knopfdruck: Wie digitale Daten den Eingriff sicherer machen

Dr. Anna Steinkirchner führt mit Georg Brittig das Narkoseaufklärungsgespräch durch. Sie kann zum Beispiel auf Daten zu Vorerkrankungen zugreifen und trägt ihrerseits unter anderem ins System ein, welche Medikamente Brittig vor der Narkose einnehmen darf. Ist sie mit der Aufklärung fertig, setzt sie die digitale Ampel im System auf grün, sodass der Patient zur Narkose freigegeben ist. In Straubing ist trotzdem noch nicht jeder Ablauf digital, auch hier gibt es noch Checklisten auf Papier.

Milliarden für die digitale Klinik: Wo Bayern im bundesweiten Vergleich steht

Bund und Länder haben im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes 4,3 Milliarden Euro zur Verbesserung der digitalen Klinikstrukturen bereitgestellt. Das "DigitalRadar" misst nehmen dem Reifegrad der Häuser auch den Digitalisierungsstand im Ländervergleich – über ein Punktesystem von null bis 100, also von gar nicht bis voll digitalisiert. Bayern liegt hier laut der letzten Erhebung bei 41,4 Punkten und damit knapp unter dem Bundesdurchschnitt. An der Spitze steht Berlin mit 47,7 Punkten. Im Vergleich zur ersten Erhebung hat sich der Freistaat aber um 27,8 Prozent gesteigert.

Wie das neue AIMS-System die Narkose revolutioniert

Für Georg Brittig steht nun die Knie-OP an. Dr. Johannes Mickler versetzt in dafür in einen tiefen Schlaf. Der Anästhesist arbeitet hierbei mit dem neusten Digitalisierungswerkzeug im Straubinger Krankenhaus – dem "Anästhesie Informations Management System", kurz "AIMS", das es hier seit Sommer 2025 gibt.

Musste Mickler früher während der Narkose die Vitalwerte per Hand dokumentieren und hatte er so weniger Aufmerksamkeit für den Patienten selbst, übernimmt heute der Computer die Dokumentation. Es werden so lückenlos und automatisiert deutlich mehr Daten aufgezeichnet. Für Klinik und Patient bringt das mehr Rechtssicherheit. Ob in der internen elektronischen Patientenakte oder im "AIMS": Ein weiterer Vorteil ist, dass die häufig unleserliche Ärztehandschrift kein Problem mehr darstellt, wie alle Beteiligten betonen.

Menschlicher Kontakt unabdingbar

Georg Brittigs Knieoperation verläuft gut. Chirurg Dr. Stefan Grote verwendet für solche OPs schon seit zehn Jahren ein digitales Navigationssystem. Es hilft unter anderem dabei, die richtige Größe der Knieprothese zu bestimmen. Außerdem zeichnet es zum Beispiel auf, in welchem Winkel die Prothese eingesetzt wurde. Auch diese Daten fließen automatisch ins digitale System. Die Patientendaten bleiben gemäß der ärztlichen Aufbewahrungsfrist zehn Jahre archiviert.

Egal, ob Pflegerin oder Arzt: Alle sind sich einige, dass bei allem digitalen Fortschritt der direkte, menschliche Kontakt nie vernachlässigt werden darf.

Im Video: Thema digitalisierte Krankenhäuser

Digitalisierte Krankenhäuser
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